Aqua

Aqua ist eine Nixe, eine wunderschöne Nixe, um genau zu sein. Aqua ist eine Prinzessin, sie Neptuns Lieblingstochter. Sie lebt im Meer, dort wo es am tiefsten ist.

 

Das heißt sie lebte dort, solange bis dieses unerhörte Meerbeben kam. Das Meer grollte und tobte, Aqua hatte schon einige Seebeben erlebt, aber ein solches noch nie. Sie geriet in einen ungeheuren Sog und so sehr sie sich auch dagegen stemmte, er riss sie mit. Irgendwann verlor sie das Bewusstsein.

Als sie wieder zu sich kam, lag sie am Rande eines ruhigen Sees. Eine große Menschenmenge stand am Ufer und beobachtete sie fasziniert. Sie fürchtete sich sehr. Sie versteckte ihren wunderschön schillernden Fischleib im Wasser und richtete sich auf.

„Blubb“, flüsterte sie verzagt, die Menschen begannen zu lachen und Aqua schämte sich.

„Quak“, versuchte sie eine Fremdsprache, aber die Menschen lachten noch lauter.

Verzweifelt begann sie zu weinen.

 

Ein junger Mann schimpfte mit den Menschen und kam näher, er nahm das unglückliche Meermädchen in die Arme und küsste ihre Tränen fort. Was war das, genießerisch fuhr er sich über die Lippen. Das war….lecker. Aquas Tränen schmeckten süß. Er überlegte, vielleicht verhielt es sich so, wir Menschen ernähren uns von Süßwasser und unsere Tränen schmecken salzig, eine Nixe lebt im Salzwasser und ihre Tränen sind süß, so musste es sein. „Versteck dich unter den Seerosen“, er begleitete seine Worte mit den Händen und Aqua verstand. „Am Abend komme ich wieder.“

Aqua glitt hinab, die Menschen murrten enttäuscht, aber nach und nach verschwanden sie.

Als die Dämmerung herein gebrochen war, kam der junge Mann wieder, er rief: „Nixlein komm her“ und Aqua kam geschwommen. „Weine wieder“, bat er sie. Aqua sah ihn traurig an, verstand ihn aber nicht. Er tat als ob er weinte, nun verstand sie, aber sie schüttelte den Kopf, was würde das ändern? „Heulen sollst du“, schrie der junge Mann, denn er war ganz versessen auf Aquas Tränen, vor Schreck begann sie auch damit, aber als er sie wieder fort küssen wollte, stieß sie ihn fort und tauchte wieder unter.

Mittlerweile hatte sich die Anwesenheit der Nixe herum gesprochen. Man baute ein Freibassin, schüttete Sand ans Ufer, legte eine goldene Kugel und einen goldenen Kamm dorthin, in der Hoffnung man könne es ihr heimelig machen und sie bliebe als Attraktion erhalten. Aqua kam auch ab und zu und zeigte sich, tauchte aber der junge Mann auf, verschwand sie sofort.

Eines Tages kam auch Ellis zum Ufer. Alice war ein Häuptlingssohn aus Uganda und von tiefschwarzer Hautfarbe. Er studierte an der Folkwangschule Tanz und zeigte sich selten in der Öffentlichkeit, Afrikaner waren selten und er liebte es nicht angestarrt zu werden, so selten, wie die Nixe war er allerdings nicht. Ellis sah Aqua und er verliebte sich sofort in sie. Es traf ihn wie ein Blitz. Er zog sich zurück und kam ebenfalls erst am Abend wieder, in der Hoffnung, Aqua allein anzutreffen. Scheu und nicht allzu laut rief er nach ihr, und wirklich, sie kam. Die beiden Außenseiter verstanden sich sofort und auch Aqua verliebte sich sehr bald in Ellis. Von nun an trafen sie sich jeden Abend. „So kann es nicht weitergehen“, überlegte Ellis bald. Er überlegte und überlegte, sein Volk war reich, sehr reich sogar, es musste doch einen Weg geben, mit Aqua zusammen zu kommen.

 

In den Ferien reifte sein Plan. Sein Vater war sehr alt und legte das Königsamt nieder, Alice wurde zum König gekrönt. „Was bedrückt dich“, wollte sein Vater wissen, du bist so ernst und niedergeschlagen. Da brach die ganze Geschichte aus Ellis heraus und er erzählte seinem Vater alles. „Lass mich eine Nacht darüber schlafen“, bat der alte König.

 

Am anderen Tage rief er die Ältesten zusammen und es fand ein langes Tamtam statt.

Am Ende verkündete der alte König: „Mein Sohn, der neue König, hat seine große Liebe gefunden!“

Alles applaudierte.

 

Der König hob Schweigen gebietend die Hand. Er schilderte dem Volk die Lage und bat, sie mögen ihre Habe zusammenpacken; man habe vor, ein neues Dorf am Meer zu gründen, damit der junge König glücklich werden konnte. So geschah es.

 

Man zog in die Ferne, bis zum Meer und an einem wunderschönen Ort baute man ein neues Dorf. Dann reiste Ellis noch einmal nach Deutschland, dieses Mal mit dem Schiff und einem Riesen Bassin für Aqua an Bord. Er holte seine Liebste heim. Ellis und Aqua wurden sehr glücklich, ab und zu besuchen sie mich und dann mache ich ein Foto, nun seht mal, was sich bei Aqua verändert hat. Richtig, sie ist nun Mama.

 

© By Gitte