Denn ein Wort zuviel gesprochen……………
Cora wurde unsanft aus dem Schlaf gerissen. „Aufstehen“, hörte sie. Blödsinn, dachte sie sicher ein komischer Traum. Heute brauchte sie keine Zeitungen auszutragen, sie brauchte nie mehr Zeitungen auszutragen, was diesem Heini eingefallen war, ständig meckerte er an ihr herum, sollte er seine blöden Zeitungen doch selbst austragen. Cora gähnte ausgiebig und wollte sich auf die andere Seite drehen. Ausschlafen würde sie und wenn das Wetter schön war würde sie in den Garten ihres Vaters radeln und sich sonnen. Erst halb sechs, wer stand schon um diese Nachtschlafende Zeit auf? Gitte hörte sie in ihrem Kopf. Gitte, was geht mich Gitte an? Was war nur los heute, wieso hörte sie ständig diese Stimme? Du wirst diese Woche im Körper von Gitte verbringen, hörte sie weiter. Nun musste Cora aber doch lachen. Was hatte sie denn noch mit Gitte zu tun? Sie kannten sich aus Gittes Forum und hatten sich zerstritten, Markus hatte ganz Recht, Gitte saß immer auf einem hohen Ross und schaute von da oben auf arbeitslose Menschen wie sie Cora es war herunter, sie tat zwar immer freundlich, aber in Wirklichkeit sah das ganz anders aus, sie hatte sogar eine Geschichte über Arbeitslose geschrieben und ihr war nicht einmal aufgefallen das es darin um sie ging. Erst Markus hatte ihr die Augen geöffnet, nun wusste sie wie hinterhältig und gemein Gitte war, eine faule Trine war sie, ihre Arbeit im Krankenhaus hatte sie auch hingeworfen, sie saß lieber daheim und sammelte Puppen und zwar solche, wie Cora sie sich nie leisten konnte.
Irrtum hörte sie wieder, du wirst eine Woche im Körper von Gitte verbringen und dann, aber wirklich erst dann, kannst du dir ein Urteil erlauben. Cora spürte, wie sich ihr Körper bewegte, was heißt bewegte, er rannte hier hin und dorthin, schminken, Frühstück für den Mann bereiten. Was für ein Schwachsinn, dachte sie bei sich, wenn der faule Kerl endlich aufsteht, kann er sich sein Frühstück selbst machen, wo wollte Gitte denn überhaupt hin zu dieser Zeit? Du lernst es wohl nicht, seufzte die Stimme in ihrem Inneren, aber dazu bist du ja schließlich hier, kaum merkst du das sie doch mehr arbeitet, als du glaubtest, verleumdest du ihren Mann, willst du danach eine Woche in seinen Körper? Cora schaltete nun vorsichtshalber ihre rebellischen Gedanken ab und fügte sich. Halb sieben ging Gitte aus dem Haus.
Sie lief und lief. Wann sind wir denn endlich da, dachte Cora bei sich, ich bin ja schon müde wenn wir ankommen und sie ist viel älter als ich. Nach fünfundzwanzig Minuten betraten sie die Klinik, nanu, sie arbeitete doch noch hier? Freundlich grüße sie nach allen Seiten, sogar die Putzfrauen und wurde freundlich wieder gegrüßt. Der Fahrstuhl brachte sie in die vierte Etage. Prima, nun gab es sicher Frühstück, ihr Magen hing schon ganz schön durch. Aber was machte sie denn? Sie zog den Kittel über und meldete sich bei der Stationsschwester. „Ach Gitti, schön das du da bist, wir haben mal wieder viel zu Wenige und heute ist die Hölle los, machst du die drei?“ „Gern, bin schon unterwegs“, Schnell die Hände desinfiziert und los. „Guten Morgen, ich bin die Gitte und soll ihnen helfen, wer von den Damen möchte als Erste in die Waschkabine?“ Na das ging ja noch, scheinbar musste man hier nur Aufsicht schieben, Cora freute sich. Aber Gitte trat an das erste Bett und geleitete eine der Patientinnen in die Nasszelle. „Bitte rufen sie, wenn sie meine Hilfe brauchen“, hörte Cora sie sagen, dann begann sie das Bett der Patientin zu machen. Das Laken hatte einen Fleck, konnte sie das nicht übersehen, nein sie lief auf den Flur und besorgte ein Sauberes. Kaum hatte sie das Bett fertig rief die Patientin nach ihr, Rücken waschen bitte und eincremen nicht vergessen. Dann schnell Eimer mit der Desinfektionslösung geholt und die Nachtschränkchen abgewaschen. Die erste Patientin ist fertig, nun die Nächste, so wird das doch wohl nicht weitergehen stöhnt Cora insgeheim, schon hetzt Gitte weiter, Sprudel ergänzen, Abfall ausleeren und auf dem Flur ruft schon einen Schwester nach ihr. „Hilfst du bitte mal eben bei einem Patienten?“ „Aber sicher doch.“ Cora rümpft unsichtbar die Nase, ach du Sch……….. im wahrsten Sinne des Wortes, die Schwester dreht den Patienten zu Gitte, die ihn hielt und ihm behutsam zuredet, während die Schwester ihn säubert. Danach Bekam er eine Windel um und wurde angezogen. „Leerst du bitte den Urinbeutel?“ „Na sicher doch.“ Ihhhhhhhhhhhhh Cora kann sich gar nicht soviel schütteln, wie sie möchte und niemand bemerkt es, wenn man ihre Nase sehen könnte, wäre die sicher ganz grün. Die Menge des Urins wird notiert und dann damit in den Arbeitsraum. Wegkippen (schütt ja nix daneben) und das Gefäß desinfizieren. Keine Zeit zum Denken. „Gittiiiiiiiiiiiii, flitzt du schnell in die Sono? Die drei aus der vier muss runter.“ „Na klar.“ Wieder oben stehen die Frühstückswagen da. „Gitti, kommen sie mir helfen?“ „Aber sicher.“ Und nun die Tabletts in die Zimmer und die Medikamente nicht vergessen. „Bitte gut drauf achten das sie genommen werden, am Besten geben“, ermahnt die Schwester. Innerlich mault Cora, alle essen nur ich bekomm nichts, wie gut der Kaffee riecht. Das Essen ist verteilt, vielleicht gibt es nun Frühstück? „Hier ist der Plan für die Gruppe, nimm dir eine Praktikantin und dann runter mit den Patienten“, bittet die Stationsschwester. Kaum wieder oben beginnt das Abräumen. Den Essensplan nicht vergessen, viele müssen eingetragen werden. „Gitti kommst du? Wir wollen Frühstücken.“ Endlich seufzt Cora. Was die alles essen, Brötchen mit Butter, Lachs, Wurst, Käse, Obst und jede Menge Süßigkeiten. Zwischendurch keine Ruhe, immer wieder Telefon, oder ein Patient schellt. Der Notarzt kommt und liefert ein, Ärzte fragen nach dem Zustand der Patienten und wollen Belege. Eines haben Gitte und Cora gemeinsam, ihr Rücken schmerzt und die Füße auch. Viertel nach Zehn, was schon? Die Patienten müssen aus der Gruppe geholt werden, ein bittender Blick. „Gehst du Gitti?“ „Bin unterwegs.“ Die Patienten sind da, nun schnell spülen. Danach Entlassungen, Betten in den Keller und Neue rauf, Nachtschränkchen in den Arbeitsraum und desinfizieren, Schrank auswaschen. Neue Patienten kommen, Stammblätter müssen angelegt werden, dazwischen Blut und Urin ins Labor, Patienten zum Friseur, oder zum Inhalieren, mit dem Rollstuhl Neuzugänge aus der Aufnahme holen. Das Mittagessen steht bereit, wieder verteilen, auf Medikamente achten, was halb eins? Zwölf Uhr ist Feierabend, die dumme Trine macht auch noch länger, das hält man ja nicht aus. Endlich, Kittel aus und Schluss. Denise kommt. „Na wie war die Schicht?“ „Wie immer, Tschö, bis nächsten Dienstag. In der Kantine essen und dann heim, unterwegs noch schnell einkaufen, obwohl die Beine sich anfühlen wie Elefantenfüße und die Sohlen brennen. Ruh dich aus Cora, es ist Gittes Großputzwoche, Morgen um sechs geht es los. Gnade bittet Cora und findet sich in ihrem Bett wieder, nie wieder wird sie unbedacht glauben was man ihr erzählt, ob der Vorsatz anhält?
© By Gitte