Der Schneehase!

Die Nachrichten liefen, ich hatte nur mit einem Ohr zugehört, als mich ein Name aufschreckte. Heute Mittag wurde In Essen-Werden eine Frau an ihrem Schreibtisch erschossen, es handelt sich um die Fünfundfünfzigjährige Journalistin Martina W. sagte der Sprecher gerade und der Film zeigte ein Zimmer das ich kannte, zwar nur flüchtig, denn unser Kontakt war nicht allzu intensiv gewesen, aber immerhin. Martina war meine Cousine. „Sieh nur“, bat ich meinen Mann entsetzt. „Das ist Tina.“ „Na da hat sie wohl diesmal jemanden mal wieder mächtig auf die Füße getreten“, kommentierte mein Mann das Geschehene. Böse blickte ich ihn an. „Mehr fällt dir dazu nicht ein, wenn ich jeden der mich ärgert umbringen würde wärest du gerade an der Reihe“, antwortete ich verletzt. „Entschuldige Schatz, das war unsensibel von mir, aber du kennst sie schließlich auch und weißt wie verletzend sie sein kann.“ Er hatte ja Recht mit dem was er sagte. Tina war wirklich sensibel wie eine Kettensäge. Aber trotzdem. Schweigend saßen wir nebeneinander und meine Gedanken glitten in die Vergangenheit.

 

Tina gehörte zu der Verwandtschaftsseite meines Vaters, mit der wir relativ wenig zu tun hatten, denn im Gegensatz zu ihnen hatten wir nicht den richtigen Glauben, wir waren evangelisch, wie die Familie meiner Mutter und das nahm man uns übel. Ab und an wurden wir trotzdem eingeladen und dann spielten wir Kinder notgedrungen miteinander. Willy war sechs Jahre älter als ich und gehörte mehr nicht dazu. Es blieben also Tina, ein Jahr jünger und Tommy ihr Bruder, wiederum ein Jahr jünger als Tina. Wer nun denkt, ich hätte als Älteste das Sagen gehabt, liegt völlig falsch. Tina hatte immer das Kommando. Vor meinen Augen erschien eine Szene als ich ungefähr sechs Jahre alt war. Es konnte keine große Feier gewesen sein, denn die „gute Stube“, das Wohnzimmer blieb an diesem Tage geschlossen. Die Erwachsenen saßen in der Wohnküche. Wir Kinder hatten uns ins Schlafzimmer verzogen. Über dem mächtigen Ehebett aus Eiche hing ein großes Kreuz mit einem Jesus daran. Fasziniert betrachtete ich den Leidenden. Das Blut floss aus seinen Nagelwunden, aus seiner aufgeschlitzten Seite und über seinen Kopf, von den Löchern die die Dornen gebohrt hatten. Also so sehr ich mich auch als Christin sah, vor dem Einschlafen hätte ich nicht auf so ein Bildnis schauen mögen. „Sag mal, was bedeuten eigentlich die Buchstaben über seinem Kopf?“ Mühsam entzifferte ich INRI. „Du bist aber doof, ihr Evangelischen wisst gar nichts, deshalb kommt ihr auch ins Fegefeuer.“ Tina beobachtete mich und ihre ohnehin Katzengleichen Augen zogen sich noch mehr zusammen. Eingeschüchtert schwieg ich still. Tina beschäftigte sich derweil mit den Sachen, die auf der Spiegelkommode lagen. Sie kämmte ihr Haar und sah sich bewundernd in dem großen Spiegel an. Plötzlich stand sie auf und öffnete Omas Schrank. Sie zog ihre weißen Netzhandschuhe über und roch an den feinen Taschentüchern mit dem Spitzenrand, die nach Kölnisch Wasser dufteten. Dann nahm sie die Fuchspelzkragen von dem Haken an der Innenseite der Türe und legte ihn um ihren Hals. „Darfst du das“, wollte ich wissen? „Du kannst ja petzen gehen“, funkelte sie mich an. Sie hielt mir das Fuchsköpfchen hin, kleine blitzende Nadelkopfaugen funkelten mich an und die kleinen Pfötchen baumelten irgendwie Mitleid erregend in der Luft. Sie zog eine Schublade auf und nahm ein kleines Fläschchen heraus. „Was ist denn das“, wollte ich neugierig wissen? „Das ist ein Geheimnis.“ Ihre Stimme war in ein verschwörerisches Flüstern verfallen. „Damit heilt Oma alles, das ist ein Wunderwasser aus Lourdes. Warte mal, wir erwecken den Fuchs zum Leben.“  Langsam schraubte sie das Fläschchen auf und benetzte das Köpfchen des Fuchses mit einigen Spritzern, dann ließ sie ihn durch die Luft wirbeln, ich erschrak fürchterlich und flüchtete mich zu den Erwachsenen, wo ich mich fröstelnd in den Arm meines Vaters schmiegte. Leise hörte ich Tinas Lachen aus dem Schlafzimmer.

 

„Na träumst du“, wollte mein Mann wissen? „Ein wenig, ich habe mich an früher erinnert“, antwortete ich ihm. Am nächsten Tage fuhr ich in das kleine Dorf, in dem ich aufgewachsen war und wo Tina gewohnt hatte. Obwohl ich erst einmal hier gewesen war fand ich das kleine Haus in der ruhigen Nebenstraße sofort. Einen Moment lang zögerte ich, dann drückte ich den Klingelknopf. Nach einer Weile öffnete Tinas Sohn Martin, ich sah ihm an, das er mich nicht mehr erkannte, wie sollte er auch ,es war Jahre her seit wir uns das letzte Mal gesehen hatten, damals war er noch ein Kind gewesen. „Wenn sie von der Presse sind können sie gleich wieder verschwinden“, fuhr er mich an. „Reg dich ab, ich bin Gitte, Tinas Cousine“, klärte ich ihn auf. „darf ich einen Moment hereinkommen?“ Zögernd gab er die Türöffnung frei. „Papa ist nicht da, er ist zu Oma und Opa nach Heilbronn gefahren“, gab er Auskunft. Scheinbar war er doch nicht so cool wie er sich geben wollte. „Ach Martin“, ich zog ihn einfach an mich und schlang meine Arme um ihn. Er zitterte und rang um Fassung. „Wir haben in den Nachrichten davon gehört“, erklärte ich ihm. „Magst du etwas trinken“, fragte er mich und führte mich ins Wohnzimmer? Mir war ziemlich beklommen zu Mute. Hier hatte Tina gelebt, gearbeitet und geliebt und nun war sie tot, einfach so. Wir waren uns so fremd geworden und im Moment bedauerte ich das. „Darf ich ihr Arbeitszimmer sehen“, wollte ich wissen? Martin nickte und ging voraus. Das Zimmer sah aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Spartanisch, ohne jede Art von Schnick Schnack. Außer……….., ja außer dem kleinen Plüschhasen der im Regal an der Wand saß. Verwundert nahm ich ihn und betrachtete ihn nachdenklich. Tina und ein Plüschhase, außergewöhnliche Vorstellung. „Nimm ihn mit“, meinte Martin. Böse betrachtete er das unschuldige Stofftier. „Er passte nicht zu ihr, ich weiß auch nicht warum sie ihn ersteigert hat und das noch zu einem horrenden Preis. Sie hatte ihn versteckt, scheinbar schämte sie sich selbst auch ihn zu besitzen, er lag bei den Putzmitteln.“ „Ach er ist aus einer Internet Auktion“, bohrte ich weiter? Martin nickte. „Sagst du mir ihren Usernamen? Vielleicht bestelle ich ihm einen Gefährten, damit er nicht so allein ist.“ Martin sah mich an, als habe er erhebliche Zweifel an meinem Verstand und ich konnte es ihm nicht einmal übel nehmen. Eigentlich wusste ich selbst nicht warum ich unbedingt Nachforschen wollte, aber die Sache war zu merkwürdig, was hatte das zu bedeuten, war sie etwa wegen des Hasen erschossen worden? Blödsinn rief ich mich gedanklich zur Ordnung, wer konnte Interesse an einem Stoffhasen haben? Und doch, der Gedanke ließ mich nicht los. Vielleicht hatte Tina aber auch einfach nur eine sentimentale Anwandlung gehabt, vielleicht hatte sie in ihrer Kindheit einen ähnlichen Hasen. Ein wenig viele vielleicht sagte eine Stimme in meinem Kopf. „Ich weiß nicht“, stotterte Martin. Aber dann warf er den Kopf in den Nacken, „Ach was soll’s sie ist tot, nicht wahr. Verbraucher“. Verwirrt blickte ich ihn an und er lachte kurz. „Sie hieß Verbraucher.“ Nun begriff ich und lachte auch. „Das passt.“ Das Häschen verstaute ich in meiner Tasche und verabschiedete mich. „Mach’s gut und grüß deinen Vater“, bat ich ihn und machte mich auf den Heimweg.

 

Die Gedanken schwirrten in meinem Kopf herum, ich erinnerte mich an eine Begegnung mit Tina, als wir Teenager waren. Ihre Eltern wohnten damals schon in der Großstadt, sie besuchte das Gymnasium und lernte Klavier spielen. Eigentlich war ich nicht scharf auf diesen Besuch gewesen, anderseits hatten wir uns Jahre nicht gesehen und vielleicht hatte sie sich ja verändert. Tina war nicht daheim und ich erwartete sie gespannt und dann kam sie. Sie trug einen hochmodernen Kutschermantel, den sie achtlos fallen ließ. Ach was hätte ich für einen solchen Mantel gegeben. „Komm, ich zeig dir das Jugend Zentrum forderte sie mich auf und ich nahm eine Weile an sie habe wirklich Interesse an mir. Aber diesen Zahn zog sie mir kaum das wir das Haus verlassen hatten. „Benimm dich bloß nicht wie eine Provinzgans und blamiere mich“, sagte sie. „Wie benimmt sich denn eine Provinzgans deiner Meinung nach“, wollte ich wissen. Sie rümpfte ihr zugegebener Maßen hübsches Näschen und antwortete mit einen schrägen Seitenblick auf mich: „Na wie du eben.“ Unlustig lief ich neben ihr her. „Sag mal, was machst du eigentlich mit deinen Klamotten wenn du sie nicht mehr trägst“, fragte ich vorsichtig. „Na die kommen in den Altcontainer, aus dem du dich scheinbar bedienst“, fügte sie hinzu. Nun wusste ich es genau, sie hatte sich nicht geändert, kein bisschen, im Gegenteil, sie war noch schlimmer geworden. Im Jugend Zentrum setzte ich mich in einen Sessel, während Tina mit Hallo begrüßt wurde. Sie kümmerte sich nicht mehr um mich. Warum beschäftigte mich ihr Tod eigentlich so sehr? Freunde waren wir nun wirklich nicht. Weil etwas nicht stimmt, hörte ich eine Stimme in meinen Gedanken. Mittlerweile hatte ich den Bahnhof erreicht und wartete auf den Zug.

 

Da fielen sie mir das erste Mal auf, die beiden Typen, die sich in meiner Nähe aufhielten und mich immer wieder unauffällig musterten. Viele Leute waren nicht unterwegs, denn es war mitten an einem Werk- und Arbeitstag, ich versuchte sie zu ignorieren und mir meine Aufregung nicht anmerken zu lassen. Als der Zug kam atmete ich auf. Leider war er auch ziemlich spärlich mit Fahrgästen besetzt. Abteil für Abteil durchquerte ich, bis ich zu meiner Erleichterung auf einen Wandergruppe stieß, in deren Nähe ich mich niedersetzte. Die beiden Männer waren hinter mir hergegangen und nahmen in der Sitzreihe hinter mir Platz. Nun war ich mir ziemlich sicher, dass sie mich verfolgten, aber was wollten sie? Krampfhaft umklammerte ich meine Tasche, als könne ich mich an ihr festhalten. Ach je, das hatte ich völlig vergessen, wir hielten in Essen-Hügel und danach kam der Tunnel. Da es heller Tag war brannte kein Licht, der Tunnel war nicht allzu lang und das kam öfter vor wie ich aus Erfahrung wusste. Mir brach der Schweiß aus und ich drückte mich ängstlich in die Ecke. Dann wurde es dunkel. Die Wandervögel lachten, es dauerte nur Sekunden, da griffen Hände nach meiner Tasche und versuchen sie mir zu entreißen. Verzweifelt wickelte ich meine Arme darum und beugte meinen Körper darüber. „Verdammt“, schrie eine Stimme lass los du As. Laut gellend rief ich um Hilfe. „Was ist los“, wollten die Wanderer wissen? „Was haben sie?“ In der Dunkelheit konnten sie mir allerdings nicht helfen. Verzweifelt rangelte ich mit dem in der Dunkelheit Unsichtbaren. Da ich vorne über gebeugt war, fühlte ich seine Hände nahe meinem Gesicht und in meiner Verzweiflung biss ich zu. Es ertönte ein lauter Schmerzensschrei und ich erhielt einen derben Schlag ins Gesicht. Dann wurde es langsam hell und meine Dragsalierer ließen abrupt von mir ab und rannten in den nächsten Waggon. Die Gefahr war vorbei und ich hatte meine Tasche noch, die ich so mutig verteidigt hatte. Ein Mann der Wandergruppe beugte sich besorgt über mich. „Geht es ihnen gut“, wollte er wissen? Benommen nickte ich. „Diese Raudis“, schimpfte er, „sie sollten lieber arbeiten gehen, als am helllichten Tag die Leute zu überfallen, eine Welt ist das, sind sie wirklich okay, sie bluten ja.“ Er wies auf meinen Arm, der einen langen Ratscher abbekommen hatte, was ich im Eifer überhaupt nicht bemerkt hatte, auch mein Gesicht schmerzte, ich würde einige hässliche blaue Flecken bekommen. „Gehen sie zur Polizei und zeigen sie die Burschen an“, riet er mir und überreichte mir seine Karte mit der Adresse. „Selbstverständlich werde ich den Überfall bezeugen.“ Er nickte mir noch einmal zu und gesellte sich wieder zu seiner Gruppe. Ich lief hinter ihm her. „Kann ich noch etwas für sie tun“, wollte er wissen und ich nickte. „Wenn sie in Essen ein wenig Zeit hätten, wäre ich ihnen sehr dankbar, wenn sie bei mir bleiben könnten, bis mein Anschlusszug kommt, der Schreck sitzt mir doch ganz schön in den Knochen, aus dem Zug werde ich meinen Mann anrufen und ihn bitten mich abzuholen.“ „Wir wollten uns ohnehin die Stadt ansehen, da kommt es auf ein paar Minuten nicht an, stimmt es Freunde“, wendete er sich an seine Begleiter und die stimmten zu. Erleichtert bedankte ich mich. Der Umstieg klappte reibungslos und der Zug nach Haltern war ziemlich voll. Wenn sie wirklich immer noch hinter mir her waren, würden sie es nicht wagen mich noch einmal zu überfallen, das beruhigte mich sehr. Als der Zug anrollte winkte ich den freundlichen Wanderern noch einmal zu und dann rief ich wie geplant meinen Mann an und bat ihn mich vom Bahnhof abzuholen. Als ich aus dem Zug stieg, sah ich zu meiner Erleichterung schon meinen Mann mit Wölfchen unserem lieben treuen Schäferhund warten. Ich blickte mich um und sah an einem der Fenster die beiden Gestalten, die mich überfallen hatten und mit finsteren Blicken hinter mir herblickten. Auszusteigen wagten sie sich nicht. „Wie siehst du denn aus“, fragte mein Mann entsetzt und ich scherzte: „Du solltest mal den anderen sehen. Mein Lachen fiel allerdings sparsam aus, denn mein lädiertes Gesicht schmerzte heftig.

 

Wir hatten noch einen ziemlich langen Fußweg nach Haus und so konnte ich meinem Mann alles in Ruhe berichten, was ich erlebt hatte. „Was wirst du unternehmen“, wollte er wissen und ich antwortete ihm: „Wozu haben wir einen Kommissar in der Familie? Ich werde Bodo anrufen und mir bei ihm Rat holen.“ Jürgen überlegte, dann nickte er mit dem Kopf und meinte: „Das ist sicher das Beste.“ Gesagt getan, zu Hause angekommen telefonierte ich mit meinem Cousin, der in Norddeutschland bei der Kripo arbeitet. Ohne mich zu unterbrechen hörte er sich meinen Bericht an. Als ich geendet hatte sagte er: „Rühr dich nicht aus dem Haus und öffne keinem die Türe, es sei denn du hörst über die Sprechanlage meine Stimme.“ „Halt“, rief ich, sag mir doch bitte was los ist, aber er hatte schon eingehangen. Nervös harrten wir nun der Dinge die da kamen. Wir sprachen nicht viel und hingen unseren Gedanken nach. Viel schneller, als ich es erwartet hatte schellte es an der Haustür und als ich nachfragte meldete sich mein Cousin. Aufgeregt empfing ich ihn. „Hast du den Hasen“, wollte er wissen? Wortlos zog ich ihn aus meiner Tasche, aber als er danach greifen wollte, zog ich ihn weg. „So haben wir nicht gewettet“, klärte ich ihn auf. „Zuerst erfahre ich was hier gespielt wird, sonst untersuche ich das Ding selbst und ziehe meine Schlüsse. Bodo seufzte. „Ich darf nicht darüber reden, versteh das doch bitte“, versuchte er sein Glück. Wortlos blickte ich ihn an und schüttelte den Kopf. Er seufzte und rang mit sich. „Na schön“, sagte er nach einer Weile. „Bitte taste mal die Ohren ab, ob du etwas Ungewöhnliches fühlst.“ Verblüfft kam ich seiner Bitte nach und wurde ganz aufgeregt. „Hier“, japste ich, „Hier ist eine Verdickung und hier auch“, ich deutete auf das andere Ohr. Bodo nickte. „Das habe ich erwartet, es ist ein Lutschhase.“ „Lutschhase, du veräppelst mich oder?“ Misstrauisch blickte ich ihn an. Ernst schüttelte er den Kopf. „Was du da fühlst, sind Kapseln. In ihnen ist Kokain. Wenn man sie zerbeißt, verteilt es sich in den Hasenohren und man kann es aussaugen. Jeder denkt bei Koks an eine Linie, oder dass man es ins Zahnfleisch reibt. Wenn jemand unterwegs an einem Hasenohr nuckelt, ist das zwar ungewöhnlich, aber niemand käme auf die Idee, dass derjenige Rauschgift konsumiert.“ Ich pfiff völlig undamenhaft durch die Zähne. „Und nun verscherbeln sie das Zeug auch noch im Internet, sodass jeder Jugendliche es sich besorgen kann.“ „Au Mann, das ist ja stark, auf welche Ideen die Leute so kommen“, wunderte ich mich. „Daher auch die hohen Preise, wir sind schon eine Weile an der Sache dran, aber noch nicht wirklich weitergekommen.“ Bodo seufzte und streckte seine Hand aus. „Kann ich nun den Hasen bekommen bitte?“ Wortlos reichte ich ihn an ihn weiter. „Verbraucher“, sagte ich. Er blickte mich verständnislos an. „Bitte?“ „Verbraucher ist, war Tinas Username, vielleicht hat der Typ sie ja beurteilt, um nicht aufzufallen und dann habt ihr eine Spur.“ Über Bodos Gesicht lief ein breites Grinsen. „Einen Versuch ist es wert, danke dir und nun fahre ich heim und beginne schnellstens mit den Ermittlungen“, er reichte uns die Hand und weg war er mit dem Hasen. „Weißt du was“, sagte ich zu meinem Mann, „ich kühle nun meine Wunden mit einem schönen Glas Weißwein.“ „Bitte sei vorsichtig, am Besten du gehst in der nächsten Zeit nicht allein aus dem Haus“, bat mein Mann und ich nickte, ein wenig mulmig war mir schon, die Sache war sicher noch nicht ausgestanden.

 

 

Am folgenden Tag kam mit der Post der Trauerbrief und die Einladung zur Beerdigung von Tina, die bereits am nächsten Tage stattfinden sollte. Jürgen wollte mich nicht allein hingehen lassen und so passte eine Freundin an diesem Tage auf Wölfchen auf. Als wir ankamen waren schon alle versammelt. Wie sie so beieinander standen musste ich an Onkel Jupps siebzigsten Geburtstag denken, das war der Tag, an dem ich Tina das letzte Mal gesehen hatte. Ich fühlte mich ihr gewachsen, in meinem schicken teuren Landhauskleid, doch als ich sie sah, wusste ich das war ein Trugschluss gewesen. Lächelnd begrüßte sie mich kurz und gesellte sich dann zu den anderen Gästen. So konnte ich sie unauffällig mustern. Ihre schlanke perfekte Figur wurde durch den klassischen grauen Hosenanzug perfekt zur Geltung gebracht und ihre blütenweiße Bluse strahlte zu ihrem vom Winterurlaub leicht gebräunten Teint. Das nun lange Haar saß fabelhaft zu einen Banane gebunden und ihre hohen Schuhe machten ihre Beine noch länger, sie sah wirklich toll aus. Ein Glas Sekt in der Hand, ein leichtes Lächeln auf den Lippen, die perfekte Vorzeigefrau, ich kam mir gleich wieder klein und unbedeutend vor. Was soll das rief ich mich nun zur Ordnung. Tina ist Tot, ich sollte wenigstens nun versuchen gute Gedanken für sie zu finden.

 

Herzlich begrüßte ich Onkel und Tante, Martin, Tinas Bruder Tom und ihren Mann Ingo. Dann zog ich mich mit Jürgen nach hinten zurück und ließ die vorderen Plätze den näheren Verwandten, in der Menge entdeckte ich auf einmal Bodo und dann zuckte ich zusammen. In einiger Entfernung sah ich die beiden Ganoven, die mich überfallen hatten. Mit den Augen gab ich Bodo einen Wink und er verstand gleich. Ich sah ihn in seinen Kragen sprechen und plötzlich erschienen hinter ihnen mehrere Männer, die sie unauffällig in ihre Mitte nahmen. Beruhigend nickte Bodo mir zu und dann verlief die Beerdigung ohne weitere Zwischenfälle.

 

Nach einigen Tagen bekam ich dann eine Erfolgsmeldung, die Polizei hatte zum Schein einige Häschen bestellt und konnte nun die Verkäufer ermitteln. Seitdem bekommt man im Netz keine Schneehasen mehr und das ist auch gut so.

By Gitte