Die Indianer
Göttin!
„Das gibt es nicht, schau dir das an“, begeistert halte ich meinem Mann den
Lottoschein hin. „Sechs Richtige“, brülle ich. Jürgen sagt gar nichts und
schaut mich nur erstaunt an. Gerade eben hatten wir beschlossen die
Lottospielerei zu beenden. Seit langer Zeit hatten wir nichts gewonnen und nun
wollten wir das Geld zu sparen. Heute war der Letzte Spieltag unseres
Monatsscheines und nun das. „Und die Superzahl“, wollte mein Mann wissen?
„Mann, du bekommst den Hals echt nicht voll was“, lachte ich. „Ne keine
Superzahl, aber ich denke für das eine oder andere Wünschlein
reicht es auch so, meinste nicht“, flaxte ich gut gelaunt? Trällernd begab ich mich in die
Küche um die für besondere Gelegenheiten gehortete Flasche Sekt zu holen.
Jürgen öffnete sie und wir stießen auf das unverhoffte Glück an. Danach begann
das Pläne schmieden. „Sagen wir es jemandem“, wollte Jürgen wissen?
Nachdenklich schüttelte ich den Kopf. „Lieber nicht, aber wir können überall
ein wenig Glücksfee spielen und so manchen Wunsch erfüllen.“ „Woran denkst du,
ich kenn dich doch, dir schwebt doch schon etwas vor, oder täusche ich mich?“
Mein Mann kannte mich wirklich gut. „Weißt du“, begann ich „Doris möchte doch
schon lange mal wieder in die USA und ihr fehlt das Geld, ich würde sie gerne
begleiten, denn reizen würde mich eine solche Reise auch, aber da ich kein
Englisch spreche könnte ich das ohne sie nie verwirklichen.“ Jürgens Grinsen
wurde immer breiter. „In Gedanken bist du doch schon weg, du weißt nur nicht,
wie du es mir verkaufen sollst“, meinte er dann. Schuldbewusst senkte ich den
Blick. Er hob mein Kinn an und zwang mich so ihm in die Augen zu sehen. „Also
los, da kannst du auch in Ruhe überlegen was wir mit dem Geld machen, aber nur
sechs Wochen und keinen Tag länger, klar.“ Strahlend fiel ich ihm um den Hals.
„Danke, ich hab den besten Mann der Welt.“ „Vergiss das nur nicht“, bat er mich
dann schelmisch. „Ganz sicher nicht“, versicherte ich ihm und dann rief ich
Doris an um sie auf unseren Trip vorzubereiten. „Montag Morgen bin ich bei dir,
bitte sei bereit“, bat ich sie.
Der Sonntag raste dahin unter fieberhaftem Ein- und Auspacken. „Denke daran, du
bist allein unterwegs und musst mit dem Gepäck fertig werden“, warnte mein Mann
mich. „Notfalls kannst du was kaufen.“ Schließlich hatte ich einen Koffer,
einen Rucksack und dein Board Case voll. „Meinst du
wirklich das reicht“, fragte ich zweifelnd. „Willst du verreisen, oder
auswandern“, wollte Jürgen wissen, was mir einen schmerzlichen Seufzer
entlockte. Männer! „Du brauchst doch Platz, du willst doch sicher dort
einkaufen“, meinte er dann listig. Wo er Recht hat, hat er nun mal Recht,
beschloss ich und begann mich auf die Reise zu freuen. Jürgen hatte online
gebucht und mir die Tickets plus Reiseroute ausgedruckt. Montag früh fuhr er
mich zum Frankfurter Flughafen, wo ich mich mit Doris verabredet hatte. Als ich
mich dann von meinem heulenden Schäferhund Wölfchen verabschiedete war er da,
der Kloß im Hals. Jürgen schleppte meinen Koffer und ich den Rest. Wir meldeten
uns am Abflugschalter und gaben das Gepäck dort ab. Dafür erhielt ich meine Boarding Karte, danach ging es zur Sicherheits-Kontrolle.
Unzählige Fragen musste ich beantworten, es wurde getastet und durchleuchtet,
dann endlich wurde ich für unbedenklich erklärt und durfte in den Warteraum.
Jürgen wartete dort auf mich und hatte schon Doris entdeckt. Wir hatten uns
noch nie gesehen, denn wir waren Internet Freundinnen. „Boh
ne, oder“, brachte Doris raus und zog eine Sonnenbrille aus ihrer Tasche.
„Haste ein Problem“, grinste ich? Doris sah genauso aus, wie ich sie von
Bildern her kannte, Jeans, ein tarnfarnbenes T-Shirt,
Bomberjacke. Gegensätzlicher können zwei Freundinnen nicht sein. Mein Outfit
bestand aus einer weißen Jeans, natürlich mit Strass bestickt, einer
Chiffonbluse und einer weißen Steppjacke. „Du siehst aus wie ein Schneehuhn“,
bemerkte Doris unsensibel. „Du wie ein Partisanenkämpfer“, gab ich
unbeeindruckt zurück und umarmte sie erst einmal. „USA, wir kommen! Als unser
Flug aufgerufen wurde, musste ich mich von Jürgen verabschieden und nun flossen
sie doch, die Tränen. Energisch hakte Doris mich unter. „Denk an dein Make up“, flüsterte sie in mein Ohr und nun musste ich bei
aller Verzweiflung doch grinsen, dann zog sie mich unerbittlich mit sich. So
lange ich ihn sah winkte ich, er wurde kleiner und verschwand endlich in dem
Menschen Gewühl.
Die Stunden des Fluges gingen schnell vorüber, wir hatten uns so viel zu
erzählen. „Bist du sicher, das wir nach Alabama zu den Cherokees wollen“,
fragte Doris? „dein Outfit wäre eher was für L.A. „Weißt du, Indianer haben
mich immer schon fasziniert, ich habe alle Bände von Winnetou gelesen“,
antwortete ich ernsthaft. Doris fing an zu prusten und verschluckte sich an
ihrem Lunch. „Du meinst den edlen Indianer im weißen Lederkleid, auf seinem
stolzen Hengst?“ „Ja genau“, entgegnete ich und zog einen Flunsch. „Oh Mann,
hoffentlich bist du nicht zu enttäuscht. Die Indianer Reservate lassen echt zu
wünschen übrig, dort herrscht bittere Armut, erwarte nicht zu viel“, gab sie
ernst zu bedenken. Nach fast sieben Stunden Flug verließen wir das Flugzeug in
New York und etwas später bekamen wir unseren Anschlussflug, der uns nach
Alabama brachte. Dort nahmen wir ein Taxi und ließen uns zu einem Motel fahren,
anschließend orderten wir telefonisch je eine Riesen Pizza. Nachdem wir satt
waren machte sich Schläfrigkeit breit und wir schliefen einen neuen aufregenden
Tag entgegen.
Am nächsten Tag mietete Doris einen Wagen, der uns unabhängiger machte und wir
fuhren in ein Reservat. Was wir dort sahen machte uns sehr betroffen.
Überwiegend alte Indianer schlurften lethargisch umher. Die jüngeren saßen
herum, spielten Karten und tranken. Misstrauisch betrachteten sie uns. „Was
geht denn hier ab“, wollte Doris wissen? „Als ich das letzte Mal hier war, war
es schon schlimm, aber jetzt?“ Unbemerkt hatte sich ein alter Mann genähert.
„Doris? Doris bist du es wirklich?“ Er schien seinen Augen nicht zu trauen.
„White Hair?“ Doris umarmte den alten Mann, der
stocksteif da stand, er bemühte sich keine Gefühlsregung zu zeigen, aber seine
Augen glänzten. Doris löste sich von ihm und zog mich heran. „Das ist meine
Freundin Gitte“, stellte sie mich vor. Taxierend glitt sein Blick über mich und
es schien ihm nicht sonderlich zu gefallen was er sah, doch dann versenkte er
seinen Blick in den meinen und ich hielt ihm stand. „Kommt“, sagte er dann und
man hörte, dass er es gewohnt war Befehle zu erteilen. „White Hair ist der Häuptling der Cherokees, die hier leben“,
flüsterte Doris mit erklärend zu. Er führte uns zu einen schmucklosen Haus, das
jedoch gepflegter und größer als die anderen wirkte. White Hair
stellte sich in die Mitte eines großen Raumes, der vermutlich das Wohnzimmer
darstellte, dann klatsche er in seine Hände und es kamen zuerst die männlichen
Familien Angehörigen um uns zu begrüßen. Dabei stellten sie sich der Reihe nach
vor uns und legten die rechte Hand auf das Herz, wir taten es ihnen nach.
Danach kamen die Frauen an die Reihe und zum Schluss die Kinder. Man lebte hier
also noch nach den alten Mustern des Patriacharts.
Nach der Begrüßung ließ White Hair sich nieder und
bedeutete uns das Gleich zu machen. Die Männer des Hauses setzten sich dazu und
die Frauen trugen Tee und Gebäck herbei. Keiner sprach dabei, so hatte ich Zeit
alle ein wenig zu mustern. White Hair trug ein
braunes Hemd und eine gleichfarbige Tuchhose, seine drei Söhne T-Shirts und
Jeans. Alle in gedeckten Farben, ich kam mir schon ein wenig Paradies Vogelmäßig vor. Zu allem Überfluss hatte Doris auch noch
diesen: Hab ich es dir nicht gesagt Blick drauf. Die Frauen hatten sich mit den
Kindern in den Hintergrund des Raumes zurückgezogen. Alle warteten scheinbar
das White Hair das Wort ergriff. Nachdem er bedächtig
seine Tasse geleert hatte begann er mit Doris zu reden. Die beiden unterhielten
sich auf Englisch und ich verstand kein Wort. Als eine Gesprächspause entstand,
nutzte ich sie und fragte, ob ich mich zu den Frauen setzen könne. Verächtlich,
wie mir schien winkte der alte Indio mit seiner Hand, was ich als Aufforderung
verstand. Scheinbar war es eine Ehre hier im Männerkreis sitzen zu dürfen und
ich hatte sie missachtet. Nun ja damit konnte ich leben. Erleichtert verließ
ich die erlauchte Runde und gesellte mich zu den verlegen kichernden Frauen.
Plötzlich bemerkte ich ein zupfen an meinen Haaren. Als ich mich umdrehte
versteckte sich ein kleines Mädchen scheu hinter seiner Mutter. Scheinbar hatte
sie noch nie Multicolor getöntes Haar gesehen und
wollte schauen, ob es sich um eine Perücke handelte, als ich lachte brach das
Eis und sie Squaws redeten auf mich ein. Wir verständigten uns mit Händen und
Füßen, sie betasteten erstaunt die Strasssteine auf meinem Pulli und ich
bewunderte ihre herbei geschleppten Festtags Kleider, die tatsächlich aus
weißem Leder bestanden und mit Pelz verbrämt waren. Nach einer Weile hatte ich
ein herrliches Lederhemd bekommen und mein Pulli besaß eine stolze Indiofrau,
da ich ein Top darunter getragen hatte, konnte ich ihn verschmerzen.
Kopfschüttelnd eilte Doris herbei, scheinbar war das Palaver, bei dem sie ein
stinkendes Kraut geraucht hatten zu Ende „Du hast wohl ne nasse Mütze auf“,
wollte sie wissen? „Du kannst doch hier keinen Handel aufziehen.“ „Na und ob
ich das kann, die Kreationen werden der letzte Schrei, da kannste Gift drauf
nehmen, Naturmaterial aufgepeppt, gleich Morgen ordere ich Perlen, Strass,
Spitze und Seide, du darfst gespannt sein.“ Doris stöhnte. „Ich sehe schon eine
der Frauen in Samt und Seide Beeren pflücken und heulen, weil Flecken drauf
sind, oder die Dornen es zerfetzt haben. Nachdenklich sah ich sie an. „Du hast
Recht, Spitze nur sparsam, aber mit Strass passiert nichts.“ Doris schüttelte
den Kopf, sagte aber nichts mehr. Schweigend brachen wir auf, jede ihren
Gedanken nachhängend.
Im Motel nahm ich mir das Hemd vor. Die Knöpfe ersetzte ich durch Perlen und
auf die Kragen enden kamen einige Strasssteine. Gleich wirkte das ehemals
schlichte Lederhemd wie ein teures Designerstück. Skeptisch betrachtete Doris
mein Werk. „Na ja wem es gefällt“, meinte sie. „Kannst du eigentlich Reiten?
Wir sollen sind Morgen eingeladen einen Ausflug in die Wälder zu machen.“ „Au
ja, ich bin eine Ewigkeit nicht mehr geritten“, begeistert nickte ich. „Und
davor, wie oft“, Doris war immer so skeptisch. Zwei, Dreimal“, antwortete ich
leise, aber was macht das schon, ich liebe Pferde. „Ja Gott nu, notfalls lege
ich dich bei mir vorn drüber wenn du nicht mehr kannst.“ „Du wirst schon sehen,
ich bin zäher als ich aussehe“, entgegnete ich leicht beleidigt, was Doris ein
Schmunzeln entlockte.
„So nicht, nicht in rosa, eine normale Jeans, oder du bleibst hier und keine
High Heels, sondern Mokassins.“ Doris sah aus als
meine sie es ernst, seufzend zog ich mich um und wählte eine karierte Bluse
dazu. Doris lachte. „Geht doch“, sagte sie. „Eine echte Augenweide bist du so.“
„Pöh“, antwortete ich und streckte ihr die Zunge
raus. „Spielverderber.“ Als wir im Reservat eintrafen, erwartete uns schon die
fertige Gruppe mit zwei wunderschönen Pferden. Als ich merkte wie Doris mich
beobachtete, schwang ich mich elegant auf dass bereitgehaltene Tier.
Anerkennend hob sie den Daumen und ich lächelte, obgleich ich mich nicht so
sicher fühlte wie ich es darstellte. Das Pferd war mächtig groß. With Hair ritt mit Doris an der
Spitze und ich mit seinem Sohn hinter den beiden. Nach einer Weile begann mein
Hinterteil zu schmerzen, aber ich würde mir nichts anmerken lassen und biss die
Zähne zusammen, was mir allerdings immer schwerer würde, je länger wie ritten.
In Gedanken versunken wäre ich fast an Doris vorbei geritten, die plötzlich und
ohne ein Wort gestoppt hatte. „Ver….“, begann ich.
Der Indio neben mir fasste meinen Arm und bedeutete mir still zu sein. Als ich
nach vorn sah, begriff ich den plötzlichen Halt und meine Augen weiteten sich
fassungslos. Einige Meter vor und stand ein riesiges zotteliges Etwas, ein
ausgewachsener Grizzly Bär. Die Sekunden, von denen
ich glaubte jede sei unsere letzte tropften zäh dahin. Plötzlich setzte sich
der Bär in Bewegung. Du liebe Zeit, er war nicht allein. Vor ihr wuselte ein
Bärenkind herum. Ach je auch das noch, sagte man nicht immer sie seien
besonders angriffslustig, wenn sie Junge haben? Doriss
Pferd begann ängstlich zu wiehern und stieg. Doris ließ sich aus dem Sattel
gleiten. „Keine Angst“, sagte White Hair.“ Der Mann
hat vielleicht Nerven, ich war nahe an einem hysterischen Anfall. Dann sprach
er weiter. Es gibt eine Legende die sagt, dass einst eine Göttin kommen wird.
Ein wildes Tier opfert ihr sein Junges, daran werden wir sie erkennen und wie
es aussieht ist sie nun da. Der Grizzly schubste den
kleinen Bären Richtung Doris und drehte sich um. Langsam verschwand die Bärin
im Unterholz. „Nimm das Tier, die Bärin hat es dir gebracht, das ist das
Zeichen, es verheißt uns eine bessere Zukunft“, richtete White Hair das Wort an Doris. „Ist der süß“, ich konnte es nicht
glauben, glitt aus dem Sattel und wollte das Kleine streicheln. Der aber stieß
ein Knurren aus, das mich schnell davon Anstand nehmen ließ. „Lass ihn erst
einmal zur Ruhe kommen“, tröstete Doris, ich weiß ja wie gerne du Tiere magst,
im Lager ist er sicher zahmer.“ Langsam ritten wir zurück, mein schmerzender Po
war Nebensache geworden, so ein aufregendes Abenteuer.
Zurück im Lager erregten wir großes Aufsehen. Doris zog sich aber gleich mit
mir und dem Häuptling zurück, damit das Tier zur Ruhe kam. Nach einer Weile
betrat eine schüchtere Squaw den Raum. Sie hatte einen Säugling und stillte,
sie bot ihre Milch für das Bärenkind. Daran hatten wir noch gar nicht gedacht.
„Wie lieb von ihr“, sagte ich. „Nix lieb“, meinte Doris. „Das Bärenkind ist
Teil einer alten Sage und somit heilig. Sie wird ihr Kind verhungern lassen und
das als Opfer sehen.“ Da wir uns Deutsch unterhielten verstand die Frau uns
nicht. Nach einer kurzen Weile sagte ich: „Ich habe eine Idee. Halte dein Ohr
an das Bärenkind und sage der Frau, es hat gebeten sich die Milch mit ihrem
Kind brüderlich zu teilen.“ „Das ist eine gute Idee“, meinte Doris und machte
sich gleich an die Ausführung. Die Squaw strahlte über diese Auszeichnung, welches
Indianerkind hat schon einen Bärenbruder?
Masha, so nannten wir das Bärenkind wuchs unter Patts
Obhut heran und im gleichen Maße, wie sie an Gewicht und Größe zulegte, ging es
dem Stamm besser. Von der Art Lederhemden zu verschönern waren die Squaws
begeistert, ich weihte sie in die Technik ein und bald verkauften sie Indio
Mode. Masha wachte über das Dorf und hatte man früher
versucht den Indios Schnaps und Tabak zu verkaufen, gingen sie nun bei Bedarf
in die Stadt und kauften es, denn in das Reservat traute sich kein Fremder
mehr. Als die sechs Wochen Urlaub vorbei waren, übergab Doris Masha White Hair, der sich
mittlerweile auch an mich gewöhnt hatte, so sehr das er uns einlud wieder zu
kommen und das werden wir ganz sicher machen. Mittlerweile ist sie sicher fast
erwachsen, mal sehen ob sie Strass mag.
By©Gitte
Die Indianer Göttin!
„Das gibt es nicht, schau dir das an“, begeistert halte ich meinem Mann den
Lottoschein hin. „Sechs Richtige“, brülle ich. Jürgen sagt gar nichts und
schaut mich nur erstaunt an. Gerade eben hatten wir beschlossen die
Lottospielerei zu beenden. Seit langer Zeit hatten wir nichts gewonnen und nun
wollten wir das Geld zu sparen. Heute war der Letzte Spieltag unseres
Monatsscheines und nun das. „Und die Superzahl“, wollte mein Mann wissen?
„Mann, du bekommst den Hals echt nicht voll was“, lachte ich. „Ne keine
Superzahl, aber ich denke für das eine oder andere Wünschlein
reicht es auch so, meinste nicht“, flaxte ich gut gelaunt? Trällernd begab ich mich in die
Küche um die für besondere Gelegenheiten gehortete Flasche Sekt zu holen.
Jürgen öffnete sie und wir stießen auf das unverhoffte Glück an. Danach begann
das Pläne schmieden. „Sagen wir es jemandem“, wollte Jürgen wissen?
Nachdenklich schüttelte ich den Kopf. „Lieber nicht, aber wir können überall
ein wenig Glücksfee spielen und so manchen Wunsch erfüllen.“ „Woran denkst du,
ich kenn dich doch, dir schwebt doch schon etwas vor, oder täusche ich mich?“
Mein Mann kannte mich wirklich gut. „Weißt du“, begann ich „Doris möchte doch
schon lange mal wieder in die USA und ihr fehlt das Geld, ich würde sie gerne
begleiten, denn reizen würde mich eine solche Reise auch, aber da ich kein
Englisch spreche könnte ich das ohne sie nie verwirklichen.“ Jürgens Grinsen
wurde immer breiter. „In Gedanken bist du doch schon weg, du weißt nur nicht,
wie du es mir verkaufen sollst“, meinte er dann. Schuldbewusst senkte ich den
Blick. Er hob mein Kinn an und zwang mich so ihm in die Augen zu sehen. „Also
los, da kannst du auch in Ruhe überlegen was wir mit dem Geld machen, aber nur
sechs Wochen und keinen Tag länger, klar.“ Strahlend fiel ich ihm um den Hals.
„Danke, ich hab den besten Mann der Welt.“ „Vergiss das nur nicht“, bat er mich
dann schelmisch. „Ganz sicher nicht“, versicherte ich ihm und dann rief ich
Doris an um sie auf unseren Trip vorzubereiten. „Montag Morgen bin ich bei dir,
bitte sei bereit“, bat ich sie.
Der Sonntag raste dahin unter fieberhaftem Ein- und Auspacken. „Denke daran, du
bist allein unterwegs und musst mit dem Gepäck fertig werden“, warnte mein Mann
mich. „Notfalls kannst du was kaufen.“ Schließlich hatte ich einen Koffer,
einen Rucksack und dein Board Case voll. „Meinst du
wirklich das reicht“, fragte ich zweifelnd. „Willst du verreisen, oder
auswandern“, wollte Jürgen wissen, was mir einen schmerzlichen Seufzer
entlockte. Männer! „Du brauchst doch Platz, du willst doch sicher dort
einkaufen“, meinte er dann listig. Wo er Recht hat, hat er nun mal Recht,
beschloss ich und begann mich auf die Reise zu freuen. Jürgen hatte online
gebucht und mir die Tickets plus Reiseroute ausgedruckt. Montag früh fuhr er
mich zum Frankfurter Flughafen, wo ich mich mit Doris verabredet hatte. Als ich
mich dann von meinem heulenden Schäferhund Wölfchen verabschiedete war er da,
der Kloß im Hals. Jürgen schleppte meinen Koffer und ich den Rest. Wir meldeten
uns am Abflugschalter und gaben das Gepäck dort ab. Dafür erhielt ich meine Boarding Karte, danach ging es zur Sicherheits-Kontrolle.
Unzählige Fragen musste ich beantworten, es wurde getastet und durchleuchtet,
dann endlich wurde ich für unbedenklich erklärt und durfte in den Warteraum.
Jürgen wartete dort auf mich und hatte schon Doris entdeckt. Wir hatten uns
noch nie gesehen, denn wir waren Internet Freundinnen. „Boh
ne, oder“, brachte Doris raus und zog eine Sonnenbrille aus ihrer Tasche.
„Haste ein Problem“, grinste ich? Doris sah genauso aus, wie ich sie von
Bildern her kannte, Jeans, ein tarnfarnbenes T-Shirt,
Bomberjacke. Gegensätzlicher können zwei Freundinnen nicht sein. Mein Outfit
bestand aus einer weißen Jeans, natürlich mit Strass bestickt, einer
Chiffonbluse und einer weißen Steppjacke. „Du siehst aus wie ein Schneehuhn“,
bemerkte Doris unsensibel. „Du wie ein Partisanenkämpfer“, gab ich
unbeeindruckt zurück und umarmte sie erst einmal. „USA, wir kommen! Als unser
Flug aufgerufen wurde, musste ich mich von Jürgen verabschieden und nun flossen
sie doch, die Tränen. Energisch hakte Doris mich unter. „Denk an dein Make up“, flüsterte sie in mein Ohr und nun musste ich bei
aller Verzweiflung doch grinsen, dann zog sie mich unerbittlich mit sich. So
lange ich ihn sah winkte ich, er wurde kleiner und verschwand endlich in dem
Menschen Gewühl.
Die Stunden des Fluges gingen schnell vorüber, wir hatten uns so viel zu
erzählen. „Bist du sicher, das wir nach Alabama zu den Cherokees wollen“,
fragte Doris? „dein Outfit wäre eher was für L.A. „Weißt du, Indianer haben
mich immer schon fasziniert, ich habe alle Bände von Winnetou gelesen“,
antwortete ich ernsthaft. Doris fing an zu prusten und verschluckte sich an
ihrem Lunch. „Du meinst den edlen Indianer im weißen Lederkleid, auf seinem
stolzen Hengst?“ „Ja genau“, entgegnete ich und zog einen Flunsch. „Oh Mann,
hoffentlich bist du nicht zu enttäuscht. Die Indianer Reservate lassen echt zu
wünschen übrig, dort herrscht bittere Armut, erwarte nicht zu viel“, gab sie
ernst zu bedenken. Nach fast sieben Stunden Flug verließen wir das Flugzeug in
New York und etwas später bekamen wir unseren Anschlussflug, der uns nach
Alabama brachte. Dort nahmen wir ein Taxi und ließen uns zu einem Motel fahren,
anschließend orderten wir telefonisch je eine Riesen Pizza. Nachdem wir satt
waren machte sich Schläfrigkeit breit und wir schliefen einen neuen aufregenden
Tag entgegen.
Am nächsten Tag mietete Doris einen Wagen, der uns unabhängiger machte und wir
fuhren in ein Reservat. Was wir dort sahen machte uns sehr betroffen.
Überwiegend alte Indianer schlurften lethargisch umher. Die jüngeren saßen
herum, spielten Karten und tranken. Misstrauisch betrachteten sie uns. „Was
geht denn hier ab“, wollte Doris wissen? „Als ich das letzte Mal hier war, war
es schon schlimm, aber jetzt?“ Unbemerkt hatte sich ein alter Mann genähert.
„Doris? Doris bist du es wirklich?“ Er schien seinen Augen nicht zu trauen. „White
Hair?“ Doris umarmte den alten Mann, der stocksteif
da stand, er bemühte sich keine Gefühlsregung zu zeigen, aber seine Augen
glänzten. Doris löste sich von ihm und zog mich heran. „Das ist meine Freundin
Gitte“, stellte sie mich vor. Taxierend glitt sein Blick über mich und es
schien ihm nicht sonderlich zu gefallen was er sah, doch dann versenkte er
seinen Blick in den meinen und ich hielt ihm stand. „Kommt“, sagte er dann und
man hörte, dass er es gewohnt war Befehle zu erteilen. „White Hair ist der Häuptling der Cherokees, die hier leben“,
flüsterte Doris mit erklärend zu. Er führte uns zu einen schmucklosen Haus, das
jedoch gepflegter und größer als die anderen wirkte. White Hair
stellte sich in die Mitte eines großen Raumes, der vermutlich das Wohnzimmer
darstellte, dann klatsche er in seine Hände und es kamen zuerst die männlichen
Familien Angehörigen um uns zu begrüßen. Dabei stellten sie sich der Reihe nach
vor uns und legten die rechte Hand auf das Herz, wir taten es ihnen nach.
Danach kamen die Frauen an die Reihe und zum Schluss die Kinder. Man lebte hier
also noch nach den alten Mustern des Patriacharts.
Nach der Begrüßung ließ White Hair sich nieder und
bedeutete uns das Gleich zu machen. Die Männer des Hauses setzten sich dazu und
die Frauen trugen Tee und Gebäck herbei. Keiner sprach dabei, so hatte ich Zeit
alle ein wenig zu mustern. White Hair trug ein
braunes Hemd und eine gleichfarbige Tuchhose, seine drei Söhne T-Shirts und
Jeans. Alle in gedeckten Farben, ich kam mir schon ein wenig Paradies Vogelmäßig vor. Zu allem Überfluss hatte Doris auch noch
diesen: Hab ich es dir nicht gesagt Blick drauf. Die Frauen hatten sich mit den
Kindern in den Hintergrund des Raumes zurückgezogen. Alle warteten scheinbar
das White Hair das Wort ergriff. Nachdem er bedächtig
seine Tasse geleert hatte begann er mit Doris zu reden. Die beiden unterhielten
sich auf Englisch und ich verstand kein Wort. Als eine Gesprächspause entstand,
nutzte ich sie und fragte, ob ich mich zu den Frauen setzen könne. Verächtlich,
wie mir schien winkte der alte Indio mit seiner Hand, was ich als Aufforderung
verstand. Scheinbar war es eine Ehre hier im Männerkreis sitzen zu dürfen und
ich hatte sie missachtet. Nun ja damit konnte ich leben. Erleichtert verließ
ich die erlauchte Runde und gesellte mich zu den verlegen kichernden Frauen.
__________________Plötzlich bemerkte ich ein zupfen an meinen Haaren. Als ich
mich umdrehte versteckte sich ein kleines Mädchen scheu hinter seiner Mutter.
Scheinbar hatte sie noch nie Multicolor getöntes Haar
gesehen und wollte schauen, ob es sich um eine Perücke handelte, als ich lachte
brach das Eis und sie Squaws redeten auf mich ein. Wir verständigten uns mit
Händen und Füßen, sie betasteten erstaunt die Strasssteine auf meinem Pulli und
ich bewunderte ihre herbei geschleppten Festtags Kleider, die tatsächlich aus
weißem Leder bestanden und mit Pelz verbrämt waren. Nach einer Weile hatte ich
ein herrliches Lederhemd bekommen und mein Pulli besaß eine stolze Indiofrau,
da ich ein Top darunter getragen hatte, konnte ich ihn verschmerzen.
Kopfschüttelnd eilte Doris herbei, scheinbar war das Palaver, bei dem sie ein
stinkendes Kraut geraucht hatten zu Ende „Du hast wohl ne nasse Mütze auf“,
wollte sie wissen? „Du kannst doch hier keinen Handel aufziehen.“ „Na und ob
ich das kann, die Kreationen werden der letzte Schrei, da kannste Gift drauf
nehmen, Naturmaterial aufgepeppt, gleich Morgen ordere ich Perlen, Strass,
Spitze und Seide, du darfst gespannt sein.“ Doris stöhnte. „Ich sehe schon eine
der Frauen in Samt und Seide Beeren pflücken und heulen, weil Flecken drauf
sind, oder die Dornen es zerfetzt haben. Nachdenklich sah ich sie an. „Du hast
Recht, Spitze nur sparsam, aber mit Strass passiert nichts.“ Doris schüttelte
den Kopf, sagte aber nichts mehr. Schweigend brachen wir auf, jede ihren
Gedanken nachhängend.
Im Motel nahm ich mir das Hemd vor. Die Knöpfe ersetzte ich durch Perlen und
auf die Kragen enden kamen einige Strasssteine. Gleich wirkte das ehemals
schlichte Lederhemd wie ein teures Designerstück. Skeptisch betrachtete Doris
mein Werk. „Na ja wem es gefällt“, meinte sie. „Kannst du eigentlich Reiten?
Wir sollen sind Morgen eingeladen einen Ausflug in die Wälder zu machen.“ „Au
ja, ich bin eine Ewigkeit nicht mehr geritten“, begeistert nickte ich. „Und
davor, wie oft“, Doris war immer so skeptisch. Zwei, Dreimal“, antwortete ich
leise, aber was macht das schon, ich liebe Pferde. „Ja Gott nu, notfalls lege
ich dich bei mir vorn drüber wenn du nicht mehr kannst.“ „Du wirst schon sehen,
ich bin zäher als ich aussehe“, entgegnete ich leicht beleidigt, was Doris ein
Schmunzeln entlockte.
„So nicht, nicht in rosa, eine normale Jeans, oder du bleibst hier und keine
High Heels, sondern Mokassins.“ Doris sah aus als
meine sie es ernst, seufzend zog ich mich um und wählte eine karierte Bluse
dazu. Doris lachte. „Geht doch“, sagte sie. „Eine echte Augenweide bist du so.“
„Pöh“, antwortete ich und streckte ihr die Zunge
raus. „Spielverderber.“ Als wir im Reservat eintrafen, erwartete uns schon die
fertige Gruppe mit zwei wunderschönen Pferden. Als ich merkte wie Doris mich
beobachtete, schwang ich mich elegant auf dass bereitgehaltene Tier.
Anerkennend hob sie den Daumen und ich lächelte, obgleich ich mich nicht so
sicher fühlte wie ich es darstellte. Das Pferd war mächtig groß. With Hair ritt mit Doris an der
Spitze und ich mit seinem Sohn hinter den beiden. Nach einer Weile begann mein
Hinterteil zu schmerzen, aber ich würde mir nichts anmerken lassen und biss die
Zähne zusammen, was mir allerdings immer schwerer würde, je länger wie ritten.
In Gedanken versunken wäre ich fast an Doris vorbei geritten, die plötzlich und
ohne ein Wort gestoppt hatte. „Ver….“, begann ich.
Der Indio neben mir fasste meinen Arm und bedeutete mir still zu sein. Als ich
nach vorn sah, begriff ich den plötzlichen Halt und meine Augen weiteten sich
fassungslos. Einige Meter vor und stand ein riesiges zotteliges Etwas, ein
ausgewachsener Grizzly Bär. Die Sekunden, von denen
ich glaubte jede sei unsere letzte tropften zäh dahin. Plötzlich setzte sich
der Bär in Bewegung. Du liebe Zeit, er war nicht allein. Vor ihr wuselte ein
Bärenkind herum. Ach je auch das noch, sagte man nicht immer sie seien
besonders angriffslustig, wenn sie Junge haben? Doriss
Pferd begann ängstlich zu wiehern und stieg. Doris ließ sich aus dem Sattel
gleiten. „Keine Angst“, sagte White Hair.“ Der Mann
hat vielleicht Nerven, ich war nahe an einem hysterischen Anfall. Dann sprach
er weiter. Es gibt eine Legende die sagt, dass einst eine Göttin kommen wird.
Ein wildes Tier opfert ihr sein Junges, daran werden wir sie erkennen und wie
es aussieht ist sie nun da. Der Grizzly schubste den
kleinen Bären Richtung Doris und drehte sich um. Langsam verschwand die Bärin
im Unterholz. „Nimm das Tier, die Bärin hat es dir gebracht, das ist das
Zeichen, es verheißt uns eine bessere Zukunft“, richtete White Hair das Wort an Doris. „Ist der süß“, ich konnte es nicht
glauben, glitt aus dem Sattel und wollte das Kleine streicheln. Der aber stieß
ein Knurren aus, das mich schnell davon Anstand nehmen ließ. „Lass ihn erst
einmal zur Ruhe kommen“, tröstete Doris, ich weiß ja wie gerne du Tiere magst,
im Lager ist er sicher zahmer.“ Langsam ritten wir zurück, mein schmerzender Po
war Nebensache geworden, so ein aufregendes Abenteuer.
Zurück im Lager erregten wir großes Aufsehen. Doris zog sich aber gleich mit
mir und dem Häuptling zurück, damit das Tier zur Ruhe kam. Nach einer Weile
betrat eine schüchtere Squaw den Raum. Sie hatte einen Säugling und stillte,
sie bot ihre Milch für das Bärenkind. Daran hatten wir noch gar nicht gedacht.
„Wie lieb von ihr“, sagte ich. „Nix lieb“, meinte Doris. „Das Bärenkind ist
Teil einer alten Sage und somit heilig. Sie wird ihr Kind verhungern lassen und
das als Opfer sehen.“ Da wir uns Deutsch unterhielten verstand die Frau uns
nicht. Nach einer kurzen Weile sagte ich: „Ich habe eine Idee. Halte dein Ohr
an das Bärenkind und sage der Frau, es hat gebeten sich die Milch mit ihrem
Kind brüderlich zu teilen.“ „Das ist eine gute Idee“, meinte Doris und machte
sich gleich an die Ausführung. Die Squaw strahlte über diese Auszeichnung,
welches Indianerkind hat schon einen Bärenbruder?
Masha, so nannten wir das Bärenkind wuchs unter Patts
Obhut heran und im gleichen Maße, wie sie an Gewicht und Größe zulegte, ging es
dem Stamm besser. Von der Art Lederhemden zu verschönern waren die Squaws
begeistert, ich weihte sie in die Technik ein und bald verkauften sie Indio
Mode. Masha wachte über das Dorf und hatte man früher
versucht den Indios Schnaps und Tabak zu verkaufen, gingen sie nun bei Bedarf
in die Stadt und kauften es, denn in das Reservat traute sich kein Fremder
mehr. Als die sechs Wochen Urlaub vorbei waren, übergab Doris Masha White Hair, der sich
mittlerweile auch an mich gewöhnt hatte, so sehr das er uns einlud wieder zu
kommen und das werden wir ganz sicher machen. Mittlerweile ist sie sicher fast
erwachsen, mal sehen ob sie Strass mag.
By©Gitte
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