Eine haarige Geschichte!
Diese Geschichte hat mit meiner Enkelin Dawn zu tun, daher muss ich am Anfang ein wenig über sie berichten. Dawn schlägt ein wenig aus der Art. Sie ist ein hübsches, ganz entzückendes Mädelchen, doch während ihr Bruder pflegeleicht ist hat sie einen ungeheuren Dickkopf was sich schon als Baby zeigte, sie ließ sich beileibe nicht immer auf und in den Arm nehmen, sondern nur wenn sie das wollte. Zu Erwähnen ist zudem ihr außerordentliches Haar. Sie hat einen unglaublich dichten rotgoldenen Schopf, den sie manchmal auf eine unnachahmliche Art nach hinten wirft. Mittlerweile ist sie acht Jahre alt und verspricht eine Schönheit zu werden.
Neulich rief mich mein Schwiegersohn an. Wir unterhielten uns über Belanglosigkeiten und danach verabschiedete er sich. Schon wollte ich den Hörer auflegen als ich immer noch seine Stimme hörte. „Sollen wir Oma die Geschichte mit den Haaren erzählen“, fragte er? Meine Enkelin antwortete: „Ja.“ „Auch das du Silke Kotschinksi bist“, hakte er nach? Wieder hörte ich ein „Ja.“ Was sollte das? Meine Enkelin hieß Dawn, Silke war ihr zweiter Vorname, Carstens Mutter hatte so geheißen. Als ich noch darüber nachdachte hörte ich das bekannte tut tut, das anzeigt das der Gesprächspartner aufgelegt hat. Kurz entschlossen wählte ich seine Nummer. Als er sich meldete fragte ich nach was das zu bedeuten hätte. „Was meinst du wollte Carsten ehrlich verdattert wissen? Uns so erzählte ich ihm was ich am Telefon gehört hatte. Eine Weile blieb es still und so fragte ich nach. „Alf?“ „Wer hat dir davon berichtet“, wollte er betroffen wissen? Langsam wurde ich ärgerlich, wollte er mich auf den Arm nehmen? War das einer seiner berüchtigten Scherze? Wenn ja dann spielte er ausgezeichnet. „Das können wir nicht am Telefon bereden, bitte setz dich in den Bus und komm vorbei“, bat er schließlich. Ich wäre keine Frau gewesen, wenn nun nicht meine Neugierde geweckt gewesen wäre und so machte ich mich auf den Weg.
Als ich eintraf wartete schon die ganze Familie auf mich, meine Tochter, mein Schwiegersohn und dessen Mutter Helga. Alle schauten ernst. Nachdem ich eine Tasse Kaffee vor mir stehen hatte begann Helga zu berichten. Sie schaute mich an und begann: „Du sagst du hast gehört das Carsten sagte du bist Silke Kotschinski?“ Ich nickte bekräftigend. „Silke“, fuhr sie fort, „war meine Mutter. Sie war sehr schön, am allerschönsten war ihr Haar das sie auf eine unnachahmliche Weise in den Nacken werfen konnte. Dawn scheint es geerbt zu haben. Karl, mein Großvater war sehr streng. Miene Mutter hingegen nahm das Leben leicht. Eines Tages, sie war erst achtzehn Jahre alt wurde sie schwanger. Ihr Vater bewachte sie daraufhin wie ein Hofhund. Irgendwann vergaß er sie einzuschließen als er zur Arbeit fuhr. Er fuhr in seiner Pause heim und erwischte meine Mutter mit einem Freund. Als sie sich nach ihm umdrehte warf sie wieder mit dieser aufreizenden Geste ihr Haar nach hinten. Mein Großvater rastete völlig aus. Er nahm ein Brotmesser das er noch am Tage zuvor geschärft hatte. Mit ein er Hand packte er ihren Schopf, mit der anderen fuhr das Messer rund um ihren Haaransatz. Er skalpierte sie. Meine Mutter verblutete als ich drei Jahre alt war.“ Ich traute mich kaum Helga anzusehen, richtig als ich zu ihr schielte bemerkte ich, dass sie weinte. In dem Moment flog die Türe auf und meine Enkelin stürmte in den Raum.
„Was macht ihr denn alle hier“, wollte sie wissen? „na das ist ja vielleicht eine Begrüßung“, antwortete ich ihr, „bekommt Oma keinen Kuss?“ Ein wenig widerstrebend kam sie näher. Ich griff nach ihrer Hand und zog sie heran. Dann tat ich als wolle ich ihr das Haar aus der Stirn streichen. Alle Blicke folgten mir und alle sahen betroffen den feinen roten Rand rund um ihren Haaransatz.
War Silke wieder geboren?
©By Gitte