Eine unglaubliche Entdeckung!

 

„Monika, Mooooooooooonika, schau mal was ich gefunden habe!“

 Brigitte deutete auf das Erdloch zu ihren Füßen, in dem der Schein der späten Nachmittagssonne etwas funkeln ließ. Aufgeregt kam Monika herbei gelaufen. „Tatsächlich, da liegt etwas vergraben, was ist das nur?“ Monika bückte sich und fing an, mit ihren Händen in dem Erdreich zu wühlen, deshalb entging es ihr auch, dass Brigitte ihrer Freundin Marion zugrinste.

Die letzten Tage waren ziemlich öde gewesen, die Sommerferien dauerten schon einige Wochen und die beiden Jungs aus ihrer Clique, der vierzehnjährige Günther und der fünfzehnjährige Manfred waren noch in Ferien, genau wie die dreizehnjährige Monika, die alle wegen ihrer hervorstehenden Vorderzähne Hamster nannten. Monika war Günthers kleine Schwester, sie war mit ihren elf Jahren die jüngste, Marion, ihre Cousine zählte genau wie ihre Freundin Brigitte 13 Jahre. Zu dritt war es ziemlich langweilig, zumal Monika noch so jung war und nichts verstand. So hatten die beiden Freundinnen sich diesen Spaß ausgedacht. Brigitte hatte die Strass Ohrringe ihrer Mutter kurzfristig ausgeliehen und hier, in der alten Burgruine hatte sie sie oberflächlich vergraben, sie waren auf Schatzsuche und die kleine Monika glaubte alles und regte sich so herrlich auf.

„Diamanten,“ jauchzte sie. „Sicher sind das Diamanten, wir haben wirklich einen Schatz gefunden, wir müssen sofort zur Polizei gehen und das melden.“

Brigitte wurde mulmig und der Spaß war nur noch halb so schön. Entweder man würde Monika nun erklären, dass es ein Scherz war, dann war diese zu Recht sauer und würde sie bei ihren Eltern verpetzen.  Aber zur Polizei konnte man auch nicht gehen, die Beamten würden bestimmt lächeln und auf den ersten Blick sehen, dass es sich um Strass handelt, aber sie würden es als Fundsache behalten und dann musste Brigitte sich etwas einfallen lassen um ihrer Mutter zu erklären, wo ihre Ohrringe waren und lügen mochte sie gar nicht.

Also sagte sie Monika die Wahrheit, die war natürlich sehr böse und sagte: 

„Ich  werde die Ohrringe behalten, denn sie habe sie gefunden.“

„Nun sei nicht so und gib sie her, meine Mutter macht mir sonst die Hölle heiß,“ bat Brigitte. Monika warf sie wütend zu Boden und rauschte ab nach Hause. 

 

Dieser Nachmittag war auch nicht besonders schön verlaufen und die Freundinnen trennten sich heute früh. Denn wenn in so einem Tag einmal der Wurm drin war wurde er meist nicht besser. So gingen sie zeitig heim, nachdem sie sich für den nächsten Tag erneut verabredet hatten, diesmal würde die kleine Monika nicht dabei sein und ihnen den Spaß verderben, sollte sie doch zu Hause hocken.

 

Am folgenden Tag trafen sich Brigitte und Marion an „Forstmanns Teich.“ Hier hatte noch vor kurzer Zeit eine Garnfabrik gestanden. Diese war abgerissen worden und  den Teich hatte man trockengelegt. Dennoch nannte man aus alter Gewohnheit diese Stelle weiterhin so

Die beiden hockten auf dem Geländer und beratschlagten was sie machen sollten. Zum Spazieren gehen war es zu heiß, Geld für Eisdiele, oder Kino hatten beide nicht mehr. 

 

Plötzlich hatte Brigitte eine Idee:

„Lass uns die Feuerleiter hinunter klettern und den Grund ansehen, wer weiß, was die Leute im Laufe der Jahre so alles in den Teich geworfen haben.“

Marion fand diese Idee prima,  sie waren dort auch vor der Sonne geschützt, die heute wieder ziemlich heiß brannte. Es bereitete ihnen ein wenig Mühe, die rostige Leiter hinunter zu klettern. Sie tasteten auch erst die Stufen ab, ehe sie das Gewicht darauf verlagerten, man wusste ja nie ob diese noch tragfähig waren, und die beiden  hatten keine Lust herab zu stürzen und sich zu verletzen.

Die Leiter hatte Rostblasen und war ziemlich schmutzig.

Als sie auf  dem Grund angekommen waren,  wischte sich Marion verdrossen die Hände an ihrem Taschentuch ab. Die beiden spazierten nun über den ehemaligen Teichboden, der schon dicht mit Unkraut bewachsen war. An den Rändern wuchs es schon höher, als die Mädchen groß waren.

„Wie schnell das geht“, wunderte sich Marion, „so lange liegt der Teich doch noch gar nicht trocken.“

„Der heiße Sommer wird seinen Teil dazu getan haben“, erwiderte Brigitte. „Komm wir klettern wieder hinauf, hier ist nichts und wenn hat es das Unkraut schon überwuchert,“ meinte Marion. „Warte einen Moment“, bat Brigitte. Sie trat an die Seite der Leiter und schob mit dem Arm das Unkraut beiseite.

„Sieh mal hier“, rief sie Marion aufgeregt zu.

„Was hast du gefunden?“ wollte diese neugierig wissen.

„Schau nur, ein unterirdischer Tunnel!“

Richtig, die beiden standen vor dem Eingang, der genau ihre Größe hatte.

„Glaub nur nicht, dass ich da hineingehe“, sprach Marion.

„Natürlich nicht jetzt, wir warten, bis die Jungs wieder da sind, dann bewaffnen wir uns mit Taschenlampen und sehen nach.“

„Da sind bestimmt Ratten drin…“ gab Marion zu bedenken.

„Na wenn schon, wir werden so laut sein, dass sie weglaufen“, antwortete Brigitte.

 

Sie kletterten aus dem Teich nach oben.

„Weißt du was, wir haben in der Schule gelernt, dass der ganze Ort Essen-Werden durch  einen unterirdischen Gang miteinander verbunden ist, alle Häuser, die vor dem Krieg gebaut wurden haben einen Zugang.“

„Du wohnst doch in einem solchen Haus, hast du einen gefunden?“ wollte Marion wissen. „Nein, bisher nicht. Aber ich habe ja auch keinen Zugang zu allen anderen Kellern“, gab Brigitte zu bedenken.

Die Jungen würden staunen über ihre Entdeckung. Brigitte und Marion beiden konnten es kaum erwarten ihnen ihre Entdeckung zu zeigen, wer weiß, was man in dem Tunnel alles fand!

Sie brauchten auch nicht mehr lange zu warten, Günther sollte am folgenden Tag heimkommen und Manni, wie Manfred von ihnen genannt wurde, in zwei Tagen, genau wie Hamster.

Sie wollten das Geheimnis so lange für sich behalten, bis die ganze Clique vollständig war, die kleine Monika würde nichts erfahren dürfen, vielleicht würde sie sich verplappern und die Eltern würden  ihnen dann aus Sorge verbieten den Gang zu erforschen. Es war gar nicht einfach nichts darüber verlauten zu lassen. 

 

Endlich war es dann soweit, alle fünf trafen sich und die beiden Mädchen berichteten den Heimgekehrten von ihrer Entdeckung. Die Meinungen waren geteilt. Die beiden Jungen waren wie erwartet hellauf begeistert von diesem Abenteuer und wären am liebsten sofort losgelaufen, um ihre Taschenlampen zu holen. Bei Hamster und Brigitte hielten sich Neugierde und Angst die Waage, Marion hingegen hätte am liebsten die Sache auf sich beruhen lassen, aber sie wollte kein Spaßverderber sein. Am nächsten Tag sollte es losgehen. Manni und Günther hatten Taschenlampen dabei, Günther hatte sogar an Ersatzbatterien gedacht, Brigitte hatte hingegen nur eine leere Lampe gefunden und als sie ihre Mutter nach Batterien fragte wurde diese sofort neugierig und wollte wissen, wozu sie die Lampe brauche, sie hielt es daher für besser nicht weiter zu fragen, aber sie hatte ein Päckchen Tempotücher dabei und ein altes Küchentuch, denn sie würden sich schmutzig machen. Hamster hatte einige Plätzchen zur Stärkung dabei, Proviant sozusagen und alle lachten, so lange wollte man nun doch nicht fort bleiben.

„Wir könnten uns ja verirren“,  meinte sie ein wenig beleidigt, woraufhin alle noch mehr lachten.

„Du willst nur deine Nagezähnchen schärfen“, frozzelte Günther sie, woraufhin ihr die Tränen in den Augen standen.

„War nicht so gemeint, tschuldigung“, nuschelte Günther, da strahlte sie wieder, sie war ein wenig verliebt in ihn.

„Können wir endlich?“ wollte Manni nun wissen, er war der Älteste und fühlte sich immer ein wenig als Chef und alle ließen ihn.

„Halt, ich hab auch was dabei“, ließ sich nun Marion vernehmen. Alle schauten sie an, sie ging merkwürdig steif heute. Sie hob ihren Pulli und zog aus dem Rockbund ………eine Fliegenklatsche…... Alle schauten erst entgeistert, dann brach eine ungeheure Lachsalve los. „Was willst du denn damit?“ japste Manni.

„Wenn wir auf Ratten treffen, kann ich mich wenigstens verteidigen“, meinte sie und zog einen Flunsch.

 

Manni grinste nur, „Auf geht’s“, gab er dann das Kommando und betrat als erster die Höhle.

Dicht dahinter folgte Günther, dann Hamster, die von den Mädels die Mutigste war, danach Brigitte und am Ende Marion.

„Pfui“, rief Manni und wischte sich die Spinnweben vom Gesicht. Langsam tastete er sich im schwachen Lichtkegel der Taschenlampe vorwärts. Der Gang war eng, alle konnten nur hintereinander gehen und Manni, der ein wenig größer war musste sogar den Kopf einziehen. Plötzlich hob er die Hand.

„Seid mal still“, forderte er, obwohl sich auch so keiner traute zu reden. Alle blieben mucksmäuschenstill stehen. Nun hörten es die anderen auch, ein leises Weinen.

„Bleibt eine Weile stehen, alleine höre ich besser, woher es kommt“ mahnte er uns und wir gehorchten nur zu gerne, es war schon äußerst unheimlich hier unter der Erde, obwohl wir noch nicht allzu weit vom Eingang entfernt waren.

„Wer ist da“ hörten wir nun Mannis Stimme, sie klang überlaut hier in der Stille.

Das Weinen verstummte.

„Bitte sag was, damit wir dich finden können“, sprach er nun.

„Hier bin ich, bitte tu mir nichts“,  klang es nun leise und kläglich.

Manni suchte die Wände ab und fand endlich eine Eisentüre. Er klopfte.

“Bist du da drinnen?“ fragte er.

„Ja, er hat mich hier eingesperrt, bitte hol mich hier raus, ich will nach Hause…“, weinte hinter der Türe ein Kind.

Wir tasteten uns langsam heran.

„Wer hat dich eingesperrt?“ wollte Marion wissen.

„Dazu ist jetzt keine Zeit“ sprach Manfred, „raus hier, wer immer es war, er kann jeden Moment wieder hier auftauchen.“

„Bitte lasst mich nicht hier, ich habe solche Angst!“, weinte das Kind hinter der Türe.

„Ihr geht schon mal zum Ausgang“ wies uns Manfred an.

„Und du sei ganz ruhig, wir gehen sofort zur Polizei und helfen dir, dass man dich hier herausholt.“ 

„Was mache ich wenn der böse Mann wieder kommt“, wollte das Kind wissen.

„Rede mit ihm, stell ihm Fragen, immer mehr Fragen. Du musst Zeit gewinnen, bis wir mit der Polizei wiederkommen. Wir müssen uns jetzt beeilen, umso schneller bist du hier heraus, wie heißt du eigentlich“, fragte Manni.

„Manfred, Manfred Graßmann.“

„Gut Manfred, sei nun still, wir kommen gleich zurück“, beruhigte er den Jungen.

 

„Schnell!“ feuerte er uns an. „So schnell es geht zur Polizei!“

Alle liefen so schnell sie zur konnten zur Polizeiwache. Unterwegs schauten die Leute erstaunt den rennenden schmutzigen Kindern nach.

Auf der Wache sprach Manni völlig außer Atem den wachhabenden Beamten an.

„Hol doch erst einmal Luft, sonst verstehe ich kein Wort,“ meinte dieser.

 „Dazu ist keine Zeit“, japste Manni außer Atem: „Sagt ihnen der Name Graßmann etwas, Manfred Graßmann?“

Der Polizist fuhr erschrocken auf. „Das Kind wird seit zwei Tagen vermisst, was wisst ihr darüber?“

„Bitte, wir erklären ihnen alles später, wir wissen wo der Junge eingesperrt ist, sie müssen ihn so schnell wie möglich befreien, er hat große Angst. Nehmen sie einige Männer und Werkzeug mit, er ist hinter einer Eisentüre eingesperrt.“

Der Beamte forderte über Funk Kollegen an und als diese auf der Wache eintrafen, fuhr Manni mit ihnen zum Teich.

Er ging vor den erstaunten  Beamten her und führte sie zu der Türe.

Man wies ihn an, schon mal nach draußen zu gehen, um die Arbeiten nicht zu behindern. Nach einer Weile kann der Polizist, mit dem Manni zuerst gesprochen hatte aus dem Gang heraus und er trug einen etwa zehnjährigen weinenden Jungen auf dem Arm.

„Geh heim.“ riet ihm der Beamte „Wir habe ja deine Adresse. Wir werden später bei dir vorbeischauen. Erst einmal muss das Kind ins Krankenhaus, um festzustellen, ob ihm etwas fehlt.“

Manni wartete noch auf uns, wir waren von der Wache gelaufen, er ging mit uns allen heim und wir warteten auf die Polizei. Als sie kamen, teilten sie uns mit, sie würden sich dort auf die Lauer legen, um den Entführer zu erwischen, was ihnen dann auch gelang, es war ein auf der Flucht befindlicher Mörder, der ihnen so ins Netz ging.

Die Geschichte kam mit unserem Bild in die örtliche Zeitung und unsere Eltern waren eine Weile mächtig stolz auf uns. So waren die langweiligen Sommerferien am Ende doch sehr spannend geworden.

© By Stella