Freundestreffen2

Erinnert ihr euch an das erste Freundestreffen? Das war eine Aufregung, nun ist das nächste geplant und wir werden hoffentlich mehr Zeit haben, um uns besser kennen zu lernen.

Da viele Mitglieder im Ruhrgebiet wohnen und Susanne über einen herrlichen Garten verfügt, verlegen wir es diesmal dorthin. Jürgen und ich sind die ersten Gäste, damit die Hunde Zeit zu einer ausgiebigen Begrüßung haben. Wölfchen, unser temperamentvoller Schäferhund braucht eine Weile, bis er sich beruhigt und seinen Freund Nero, Susannes Golden Retriver  begrüßt hat.

Danach bauen wir den Grill auf  und dann schellt es auch schon, Anni und Jörg sind eingetroffen und Anni trägt eine Schüssel bei sich, die Delikatessen erahnen lässt, denn sie verfügt über die herrlichsten Rezepte, mit denen sie uns im Forum immer verwöhnt.

Wir haben noch nicht mal Platz genommen, da schellt es erneut und Anne ist eingetroffen.

„Konntest es wohl wieder nicht erwarten mich zu sehen?“ frotzele ich sie und wie wir Anne kennen, bricht sie in lautes, ansteckendes Gelächter aus, das uns alle mitreißt.

 „Was du dir mal wieder einbildest“, kontert sie und kneift ein Auge.

Susanne trägt eine herrliche, kühle Bowle in den Garten, die großen Beifall findet.

So nach und nach trudeln nun alle ein, Esther aus Duisburg, Angie und Michael aus Buxtehude und endlich auch die Leutchen, die von weiter her kommen, Gerti aus dem Saarland, Emma aus Nördlingen und endlich auch unsere Thüringer, Jule mit ihrem Partner Gregor und Paul, der in der Nähe der beiden wohnt. Schließlich auch Jule Nr.2 mit ihrem Mann Wolf aus Fritzlar.

 

Gut, dass Petrus ein Einsehen hat und die Sonne vom Himmel lacht. Die Männer betreuen den Grill und wir alle schwatzen, essen, trinken und lassen es uns richtig gut gehen. Nachdem wir alle satt sind, stellt sich eine gewisse Trägheit ein, selbst die Hunde liegen in der Sonne und dösen.

„Auf auf, lasst uns mal die Stadt ansehen!“ fordere ich alle auf.

„Ach wärst du Dussel doch im Dorf geblieben“, trällert unsere Jule gleich drauf los.

 „Viel Spaß beim Spülen“, wünscht die liebe Anne Susanne, die zu Hause bleiben will.

„Haut schon ab und amüsiert euch, ehe ich es mir anders überlege“, schickt sie uns mit einem Schmunzeln fort.

„Sollen wir nicht bleiben und dir helfen?“ bieten Emma und Gerti an.

 „Kommt nicht in die Tüte, ab mit euch Jecken!“ wirft Susanne uns rigoros raus.

„Wann sollen wir zum Kaffee wieder hier sein?“ erkundigt sich Anni verschmitzt.

„Du denkst auch nur ans Mampfen“, brüllt Anne lachend wieder los.

Anni zieht eine Schmollmine, weil wir das erwarten, prustet dann aber doch los.

„Auf in den Kampf, machen wir Düsseldorf unsicher“, gibt Anne das Kommando, gespielt verdreht Susanne die Augen und brav folgen wir unserem Kommandeur.

 

Anni und Jörg nehmen Jule und Gregor mit, Esther und Paul fahren in unserem Wagen mit. Angie und Michael chauffieren Gerti, Emma. Anne fährt bei Jule2 und Wolf mit, denn wir wollen nicht mit allen Wagen fahren, außerdem ist es lustiger so.

Wir parken in der Nähe des Hauptbahnhofes, dass machen wir immer so, weil man sich dahin durchfragen kann und den Wagen gut wieder findet.

Wir schauen uns zuerst die berühmte Königsallee, kurz  genannt,  an, spazieren dann zum Rhein hinunter. Dort flanieren wir ein Stück und verteilen uns dann auf die Bänke und sehen eine Weile den Schiffen zu. Nachdem wir uns ausgeruht haben, besuchen wir noch kurz die berühmte Altstadt, die man auch die längste Theke der Welt nennt. Danach machen wir uns auf den Rückweg zu unseren Autos.

Kinners isch hab eine Idee, wir machen Erinnerungsfotos!“

Anne klatscht vor Vergnügen in die Hände: „Ihr kennt doch diese grauenhaften Fotomaten im Bahnhof, da gehen wir jetzt hin.“ Gesagt, getan, Anne hat immer Spitzenideen.

Wir marschieren also in den Hauptbahnhof und finden auch gleich ein solches Gerät.

 

„Na endlich kommen neue Opfer!!!“ freut sich Loki, der in dem Gerät sitzt. 

Loki ist ein echter Teufel, ein teutonischer Teufel um genau zu sein. Dorian Hunter, der berühmte Dämonenjäger hatte ihn einst in dieses Gerät gebannt und es mit einem Druidenfuß versiegelt. Mit den Jahren war es Loki allerdings gelungen, einen kleinen Durchschlupf zu finden, gerade war er mit seiner Arbeit fertig geworden, er konnte nun einen klitzekleinen Teil seines ICHs durch den Blitz, der die Scheibe durchlässig machte, in das Auge der Person schicken, die sich hier ahnungslos fotografieren ließ.

Ein kleiner Fleck im Auge blieb, aber wer das nicht wusste, der  bemerkte es nicht.

 

 

 

Wir hatten einen Riesenspaß, je zwei von uns quetschten sich in die kleine Kabine und ließen sich fotografieren. Die zarte Angie auf dem Schoß von Anne, Anni auf Gerti, Emma auf Jule, Esther und ich neben einander, ein wenig seitlich gedreht, dann noch Jule, zu der setze ich mich noch einmal dazu. „Die eitle Gitte bekommt wieder nicht genug“, ärgert mich Anne. Die Männer wollen nicht so, aber da kennen wir kein Pardon, sie müssen. Allerdings weigern sie sich standhaft, sich zu zweit in die Kabine zu quetschen, Wolf, Michael, Jürgen, Gregor und Paul je allein.

Beim Bildermachen hatten wir noch großen Spaß, doch plötzlich kippte die Stimmung um. Wir amüsierten uns zwar noch, besonders über die Bilder unserer Männer, aber es war ein gereizter, ja beinahe bösartiger Unterton vorhanden.

Was war nur los? Etwas hatte sich verändert, aber was. Die Rückfahrt verlief nicht so lustig, alle hingen ihren Gedanken nach.

Loki frohlockte, er hatte zwar nicht alle erwischt, weil er nur einen Durchgang besaß und diese blöden Weiber zu zweit in der Kabine saßen, aber einige hatte er erwischt. Leider fühlte er sich nicht so gut, sicher hatte er zuviel Energie zu schnell frei gesetzt und nun musste er sich erst einmal erholen.

 

Anne, Gerti und Jule wundern sich über die plötzlich aufgekommene schlechte Stimmung, sagen aber lieber nichts. Susanne hat bereits die Kaffeetafel aufgebaut, als wir heimkommen.

„Müssen wir nicht langsam an die Rückfahrt denken“, will Esther wissen? „Wir könnten in einen Stau geraten, in die Dunkelheit kommen und einen Unfall verursachen“.

„Na das wollen wir mal nicht hoffen, nun setz dich erst mal.“ Susanne versucht sie zu beruhigen.

Esther ist nun blass und still. Gregor steckt sich die nächste Zigarette an der gerade gerauchten an und bemerkt Susannes missbilligenden Blick.

„Ist was“, fragt er ein wenig feindselig?

„Nein, du wirst schon wissen, wie du dich umbringst“, kontert nun auch Susanne.

Er drückt die Zigarette aus und schmollt.

Anni steckt sich auch eine an.

„Muss das nun sein, mische ich mich ein“?

„Oh ja, es muss sein“, kontert Anni und stampft mit dem Fuß auf.

„Kinder,  Kinder, was ist nur los mit euch?“ will Susanne wissen: „Warum seit ihr so gereizt, habt ihr euch unterwegs gestritten?“

„Ach was“, sage ich, „fangt an zu essen, damit wir spülen können.“

Was ist nur mit mir los, warum reagiere ich so gereizt, frage ich mich selbst.

„Also ich rühre keinen Finger, ich bin zu Gast“, maulte die ansonsten so sanfte Angie und schaut selbst erstaunt wegen ihrer groben Worte.

„Gitte hat Recht, haut rein!“, lässt sich nun Jule hören, bringen wir es hinter uns.

Jule, du hast deinen Mann echt nicht im Griff“, tönt Paul, woraufhin Jule ihm ein Fingerchen zeigt.

„Weiter so freut sich Wolf, nun kommt endlich mal Stimmung in den trüben Laden hier.“ „Los, Alte bedien mich!“ pflaumt Jürgen mich an.

Susanne lässt vor Schreck ihre Gabel fallen und schaut völlig fassungslos in die Runde.

„Ja seid ihr denn alle vom wilden Affen gebissen“, will sie nun wissen. Sie ist rot vor Zorn.

 

Loki windet sich in Schmerzen, was ist nur mit ihm? Er wird sterben, er merkt es genau, scheinbar hat er zu schnell zu viel von sich weitergegeben und mit dem kümmerlichen Rest kann er nicht existieren. Was kann er machen? Verzweifelt ringt er nach einer Lösung….

Er will nicht sterben, er will auch nicht mehr böse und gemein sein, eigentlich hat er von dem ganzen Hass langsam genug. Friede breitet sich in ihm aus, er will sich ändern und fleht zu Gott um eine Chance und er bekommt sie.

In gleichem Maße, wie sich nun Loki wandelt, wandeln sich auch die Stücke seines ausgesendeten ICHs.

Im Garten an der Kaffeetafel schauen sich alle betroffen an.

„Darf ich euch bedienen, bietet sich Esther an, es ist so schön hier, verzeiht, dass ich heim wollte und euch den Tag verdorben habe.“

„Ach was.“, sagte Susanne erleichtert und schaut dennoch misstrauisch in die Runde.

Erleichtert atmet sie auf, auch die anderen scheinen sich eingekriegt zu haben.

„ Lass mich dir helfen.“ bietet sich Gregor an. „Ich bediene hier am anderen Ende.

„Hört mal, was haltet ihr davon, wenn ich das nächste Treffen ausrichte?“ bietet sich Paul an, ich zeige euch dann das schöne Thüringen und manage alles.“

 Alle klatschen, eine fabelhafte Idee. Frohsinn breitet sich wieder aus und die Harmonie ist wieder hergestellt. „Danach bei uns, in der Nähe von Aachen“,  bietet Jörg an, die nächsten Treffen scheinen also gesichert zu sein. Auch Angie und Jule bieten sich an, wir sind eine herrliche Truppe.

Emma ist ein wenig still. Nach dem Kaffeetrinken spülen wir gemeinsam.

„Was hast Du?“ frage ich sie.

„Mit euch stimmte etwas nicht.“, meint sie vage.

„Wie meinst du das?“ hake ich nach.

„Etwas Böses strahlte von euch aus, ich kann es auch nicht genau beschreiben.“ Emma zuckte unbehaglich die Schultern, „Aber es ist vorbei.“

 

Als wir ein paar Wochen später die Bilder betrachteten und uns köstlich amüsierten, ahnten wir nicht, an welcher Katastrophe wir knapp vorbei gekommen waren.

 

© By Gitte