Goldi hat
Zahnweh!
Erinnert
ihr euch an Goldi?
Für alle
die Goldin noch nicht kennen: Goldi war das
Schutzengelchen von Cedric, meinem ältesten Enkel. Nun ist Cedric fast 10 Jahre
alt und braucht einen größeren Schutzengel, das ist nun Rufus. Rufus ist hoch
aufgeschossen und schlaksig und ein ganzes Stück größer als Goldi,
wenn Cedric nun mal wieder über seine langen Beine stolpert, kann er ihn besser
am Schlafittchen packen und einen Sturz verhindern. Er hat rotes Haar, das
immer ein wenig wirr um seinen Kopf steht und eine Menge Sommersprossen. Sein
Engelsgewand weht immer ein wenig um seinen schlaksigen Körper, er passt nun
besser zu Cedric als der lustige, kleine Goldi.
Goldi hat
nun in der Vorweihnachtszeit einen anderen Job bekommen: Er muss mit Tabby, dem Schutzengelchen von Dawn, Cedric´s
Schwester, in der Backstube aushelfen. Tabby’s
Aufgaben muss Rufus nun mit erledigen, aber da die zwei in die gleiche Schule
gehen und auch die Freizeit miteinander verbringen klappt das schon.
Nun stehen Tabby und Goldi also in der
Backstube und stechen Zimtsterne aus. Goldi ist
ungewöhnlich still, sonst trällert er immer fröhlich vor sich hin, aber heute
arbeitet er schweigsam vor sich hin. Ab uns zu zuckt er schmerzhaft zusammen.
Tabby
beobachtet den Freund eine Weile, dann stibitzt sie einen der fertigen
Zimtsterne und schiebt ihn zu Goldi hin. Doch der
schüttelt nur den Kopf und schiebt ihn zurück. Tabby
ist ratlos:
„Sag mal, Goldi, was ist los mit Dir? Du lachst nicht, du singst
nicht und Du willst keinen Zimtstern, obwohl Du die doch am liebsten magst!“
Traurig
schaut Goldi seine Freundin an und seufzt:
„Versprichst Du mir, es nicht dem Nikolaus zu sagen?“.
Tabby
kaut an ihrer Lippe, das macht sie immer, wenn sie ernsthaft über etwas
nachdenkt. „Hast Du was Schlimmes
angestellt?“ vergewissert sie sich erst einmal vorsichtig.
Goldi
schüttelt traurig den Kopf: „Zahnweh hab ich“
kommt es dann leise und weinerlich von ihm.
Tabby
schüttelt den Kopf: „Aber Goldi, dann geht man doch
zu Doktor Engelweiß“ sagt sie. „Hat er denn keinen Termin frei?“
„Psssssssssssssst, sei doch leise, ich will nicht zum
Zahnarzt, ich habe Angst!“
Tabby
überlegt, wie sie ihrem Freund helfen kann, aber es fällt ihr nichts Gescheites
ein; zum Zahnarzt geht sie auch nicht gerne, auch wenn es dafür eigentlich
keinen Grund gibt.
„Habe schon
eine Prise Sternenstaub darauf getan, aber es hilft nicht“ meint Goldi.
Tabbi
sieht den Nikolaus durch die Reihen der backenden Engel kommen, sie sucht den
Blickkontakt zu ihm und deutet mit den Augen immer wieder auf ihren Freund.
Nikolaus versteht, er zwinkert Tabby zu, zum Zeichen,
dass er sie verstanden hat.
Würdevoll
und gelassen geht er durch die Reihen. Bei Goldi
bleibt er stehen. Er blickt nachdenklich auf den kleinen Engel und reibt überlegend
sein Kinn unter dem weißen Bart. Goldis Kopf sinkt
immer tiefer auf seine Brust. Der Nikolaus legt den Finger unter sein Kinn und
hebt sein Köpfchen hoch. Goldi bekommt ein ganz rotes
Gesichtchen.
„Nun, was
hat der kleine Goldi auf dem Herzen?“ fragt er und
lächelt in das bekümmerte Gesichtchen.
„Zahnweh
hab ich halt“ nuschelt Goldi verlegen.
„So so, Zahnweh! Und warum gehst du nicht zu Doktor Engelweiß,
damit er dir helfen kann?“
„Weil ich
halt so große Angst habe“, gesteht Goldi.
„Ja, warst du
überhaupt schon einmal bei ihm?“ will Nikolaus nun wissen.
Goldi
schüttelt sein Köpfchen so heftig, dass sein Heiligenschein bedenklich ins
Wackeln gerät. Die anderen Engelchen beugen sich tief über ihren Teig, damit
man ihr Schmunzeln nicht sieht und auch der Nikolaus freut sich über seinen
dichten Bart, er hat ja Mitleid mit dem kleinen, vor Angst schlotternden Engelchen - wie kann
er es nur zu dem nötigen Zahnarztbesuch bewegen?
„Komm
einmal in meinen Arm“, er zieht das kleine Engelchen an seinen gewaltigen
Bauch, der Kleine kuschelt sich an ihn und schluchzt:
„Der Rufus,
der war auch dort, der ist immer mutig, aber als er wieder kam, hatte er eine
dicke Backe und sah ganz verheult aus und Rufus ist groß und stark.“
Nun musste
der Nikolaus doch lachen. „So so wegen Lauser Rufus
also! Soll ich dir was verraten, Goldi? Rufus hat sich
heute Morgen einen ganzen Beutel Plätzchen mitnehmen dürfen zum Trost und er
ist heilfroh, seine schlimmen Zahnschmerzen los zu sein! Soll ich dich zu
Doktor Engelweiß begleiten?“
Zaghaft
nickte Goldi, wenn der große Nikolaus mitgeht, würde
der Doktor sehr vorsichtig sein. Goldi schob sein
kleines Händchen vertrauensvoll in das vom großen Nikolaus, der lachte und nahm
ihn kurzerhand auf seinen Arm.
Der Doktor
staunte nicht schlecht, als Nikolaus persönlich den kleinen ängstlichen Engel
zu ihm brachte. Vorsichtig setzte er ihn in den Behandlungsstuhl.

Goldi
hielt das kleine Mäulchen auf und die Augen fest zugedrückt. Es macht einen
Ruck und Goldi riss erschrocken seine Augen auf.
Doktor Engelweiß hielt in seiner Hand eine kleine Zange und in ihr steckte ein
kleines Zähnchen. Verdutzt schaute Goldi ihn an.
„Das war
alles?“, fragte er erstaunt.
Der Doktor
und der Nikolaus mussten nun beiden lachen.
„Na klar,
der Quälgeist ist raus“, gab Doktor Zahnweiß Antwort. „Bekomme ich nun auch
einen ganzen Beutel Plätzchen“, wollte er vom Nikolaus wissen.
Der musste
noch mehr lachen: „Natürlich bekommst du auch einen Beutel Plätzchen, aber erst
morgen, zuerst muss die Wunde heilen.“
Doktor
Engelweiß überreichte Goldi den bösen Zahn, der ihm
solche Schmerzen bereitet hatte und strich ihm über seine goldenen Locken.
„Demnächst kommst du gleich wenn du Schmerzen hast, versprichst du mir das?“
Eifrig nickte Goldi und bedankte sich, dann bekamen
der verdutzte Arzt und auch der Nikolaus noch einen Kuss und wusch – so schnell
ihn seine Flügelchen nur tragen konnten, war er verschwunden.
Der
weise Nikolaus und der gute Doktor
Engelweiß aber lachten, dass ihre Bäuche wackelten.
© By Gitte