Gymnastik ist gefährlich!
Seit einiger Zeit leide ich unter ziemlich starken Rückenschmerzen, mein Arzt verordnete mir deshalb Reha Gymnastik.
Nun bin ich also hier zur ersten Stunde. Im Therapieraum haben sich schon zwei Frauen eingefunden. Wir sind früh dran, ich ziehe meine Ballerinas an und setze mich erschöpft auf die Bank denn ich habe schon meinen Haushalt gemacht und bin seit fünf Uhr auf den Beinen. Zudem ist es ziemlich warm hier im Raum. Die Ruhe tut gut, ich schließe einige Minuten meine Augen und höre auf das leise Reden der anderen Damen.
So nach und nach trudeln die restlichen Patienten ein. Darunter ist auch eine Dame die ich kenne, sie wohnt nur zwei Häuser neben uns. Zum Schluss kommt die Leiterin des Kurses. Es ist eine junge Frau, die Vertretung macht.
„Auf geht’s“, fordert sie uns auf und lässt uns Aufstellung beziehen. Dann verteilt sie so genannte „Terrabänder“. Erschrocken blicke ich auf die dehnbaren Gummibänder aus weichem Material und nehme den intensiven Talkumgeruch wahr. Er vernebelt mir im wahrsten Sinne des Wortes sie Sinne. Verschwommen höre ich mich sagen: „Dagegen bin ich allergisch.“ Die Leiterin denkt wohl, dass ich mich drücken möchte und versichert mir, dass sie Allergie getestet sind. Na schön, versuchen will ich es. Wo kommt nur der Nebel in dem Raum her? Alles ist so unwirklich und erscheint in diffusem Licht. Und leise, ganz leise höre ich eine Stimme die mir sagt: „Räum auf.“ Was meint sie nur? Ich schüttele den Kopf um die Benommenheit loszuwerden. Das bringt nun wieder den intensiven Talkum Geruch in meine Nase und der lässt die Stimme deutlicher werden. „Du brauchst mehr Platz“, sagt sie. „Leg die anderen Leute auf den Boden, stapele sie in der Ecke, Platz bringt Luft.“ Ich merke wie meine Kehle eng wird, meine Stirne sich instinktiv in Falten legt und ich angestrengt nachdenke, das lässt meinen Kopf schmerzen. Was mache ich denn da? Mein Gesichtsfeld ist eingeengt, ich schaue wie durch einen Tunnel und sehe wie ich das Band, dessen Enden ich um die Hände geschlungen habe unserer Lehrerin um den Hals lege. Sie ist zu erschrocken um an Gegenwehr zu denken. Erst als ich zuziehe und sie beginnt nach Luft zu ringen wehrt sie sich. „Mach schon“, drängt die Stimme in meinem Kopf, du schaffst das. Klar schaff ich das, ein Ruck und sie sinkt zu Boden. Es ist eine Stimmung wie in einem Theaterstück. Die Anderen scheinen gelähmt zu sein vor Entsetzen. Eine Frau beginnt zu schreien als ich sie anblicke. Ich zucke zusammen. Einen jähen Schmerz löst dieser Schrei in meinem Kopf aus. Sie soll aufhören. Ihr schlinge ich als Nächste das Band um den Hals. Der Schrei wird leiser, bricht ab. Nun sind da noch zwei Herren. Sie wollen flüchten, rennen zur Türe. „Lass es nicht zu“, sagt die Stimme in meinem Kopf. Sie behindern sich gegenseitig im ihrer Panik und stürzen, ich habe leichtes Spiel. Sie können sich nicht schnell erheben, warten auf mich. Aufräumen, bald habe ich es geschafft. Ordnung muss sein. Wo ist meine Nachbarin geblieben? Sie öffnet das Fenster, frische Luft trifft mein Gesicht, es ist als habe ich einen Schlag erhalten, mein Blick klärt sich und ich sehe………………..
in lachende Gesichter, mein Gott ich bin eingeschlafen und das in der allerersten Stunde, wie peinlich. „Aufstellung beziehen“, höre ich die Lehrerin sagen und dann holt sie diese Terrabänder………..
© By Gitte