Helau!

Es war diese trostlose Zeit des Jahres. Sylvester lag gerade einige Tage zurück und alles war grau und trist. Dennoch sah ich plötzlich viel klarer. Warum war es mir nie aufgefallen? Er hatte es geschickt eingefädelt. Zuerst ein Überstündchen hier, dann eine Dienstreise dort. Mit der Zeit hatte sich das gesteigert und nie war mir in den Sinn gekommen seine Worte anzuzweifeln. Sicher wir waren nun schon einige Jahre verheiratet und der Himmel hing nicht mehr ständig voller Geigen. Einige Pfündchen zugelegt hatte ich auch, aber he ich war schließlich keine achtzehn mehr. Wir waren gesund und es ging uns nicht schlecht. Warum reichte ihm das nicht mehr?

 

Überraschen wollte ich ihn gestern. Vor seiner Firma wartete ich und wenn er kam würden wir Essen gehen. Wir würden die Alltagsroutine einfach mal durchbrechen und wenn ich den ganzen Abend dort stehen musste. Das Auto hatte ich etwas abseits geparkt, er sollte sie nicht sofort sehen. Lange brauchte ich nicht warten, er hatte angerufen und wie üblich etwas von Überstunden gefaselt, aber nach Dienstschluss verließ er als einer der Ersten das Gebäude. Ich hatte schon den Griff der Autotüre in der Hand, als ich erstarrte. Ein junges, blondes dralles Ding hing plötzlich an seinem Hals. Er lachte und küsste sie ungeniert. Dann liefen sie Arm in Arm zu seinem Wagen. Das konnte doch nicht wahr sein, nicht er. Karsten war meine ganz große Liebe und nun das, ein Mistkerl war er der mich belog und betrog. Wie in Trance startete ich den Wagen und fuhr heim.

 

Dort goss ich mir einen Martini ein und überlegte. Sollte ich ihm eine Szene machen? Aber was brachte das? Heulende Frauen waren unattraktiv. Ich würde ihm zeigen was er an mir hatte. Morgen würde ich shoppen gehen, danach zur Kosmetikerin und zum Friseur. Der Gedanke daran tröstete mich ein wenig. Am anderen Tag setzte ich die Ideen um. Karsten würde staunen wenn er kam. Zudem bereitete ich sein Lieblingsessen zu, deckte den Tisch festlich ein und wartete. Es war fast Mitternacht als er endlich heimkam. „Was soll denn das“, fuhr er mich an? „Um diese Uhrzeit starten wir doch keine Fressorgien mehr, außerdem hast du schon ganz schön zugelegt, du solltest dich etwas zurückhalten“, riet er mir und ging ins Bad. War er schon lange so boshaft und gefühllos? Hatte ich das nur nicht gemerkt? Wortlos schaltete ich den Herd ab und ging zu Bett. Aufräumen würde ich Morgen und zwar gründlich. Rache würde ich nehmen, ich plante die ganze lange Nacht hindurch, erst im Morgengrauen schlief ich ein, aber da war der Plan fertig. Es gab einiges vorzubereiten. 

 

Am nächsten Morgen schaute Karsten sie an. „Du siehst ganz schön zerknittert aus“, stellte er mitleidslos fest. „Auf dem Tisch steht ja noch der Krempel von gestern, ich frühstücke im Cafe, mach’s gut“, mit diesen Worten stürmte er davon. Ich schnappte mir das Telefon und rief meine Freundin Sarah an. „Sag mal feiert ihr in diesem Jahr auch wieder groß Karneval“, wollte ich wissen? „Aber ja, sag nur du Karnevalsmuffel kommst dieses mal mit“,  staunte meine Freundin. „Du ich freu mich, es wird dir gefallen, das Atlantik Hotel hat Live Musik, da geht echt die Post ab.“ Am Abend sagte ich ganz beiläufig zu Karsten „Sarah hat uns eingeladen, sie feiern Karneval wieder im Atlantik, sie war begeistert ich möchte das wir dieses Mal mitgehen. „Du hast doch sonst nichts für Karneval über“ wunderte Karsten sich. „Ich hab meine Meinung eben geändert“, antwortete ich und wendete mich ab. Er musste nicht bemerken wie sehr ich sich freute, dass der erste Teil meines Planes geklappt hatte.

 

Prima das Karneval in diesem Jahr sehr spät fiel, erst im März, denn es gab noch eine Menge vorzubereiten. „Du brauchst dich um nichts zu kümmern mein Schatz“, sagte ich zu Karsten. „Das wäre ja auch noch schöner“, murmelte er. Trotzdem konnte ich lächeln, diesen Karneval würde er so schnell nicht vergessen, wenn es nicht sein Letzter überhaupt wurde, man würde sehen. Aus dem Telefonbuch suchte ich mir zwei Kostümverleiher heraus. Beide weit voneinander entfernt. Bei dem Ersten lieh ich ein Kostümpaar, Karsten und ich würden als Kaiser Franz Joseph und Sissi gehen. Um die Sachen zu entleihen musste ich einen Ausweis zeigen. Auf dem Heimweg dachte ich nach und bald hatte ich die Lösung gefunden. Die Sachen deponierte ich auf dem Bett und machte ich mich auf dem Weg zu dem anderen Kostümverleih. Dort suchte ich mir ein sexy Leoparden Kostüm mit raffinierter Maske aus und einen schwarzen Anzug mit Borsalino und weißem gestärktem Hemd, dazu einen Schnurrbart. „Ich bin mir noch nicht sicher ob ich sexy, oder maskulin wirken möchte“, er4klärte sie dem Verleiher und setzte mein schönstes Lächeln auf. Als er den Ausweis verlangte wühlte ich pro Forma in meiner Tasche und stellte dann fest „Ach du liebe Zeit, ich hab ihn nicht eingesteckt. Nun muss ich den Weg noch einmal machen.“ „Haben sie denn nichts mit dem sie sich ausweisen können? Eine Krankenkarte, Führerschein, oder so etwas“, wollte der Verleiher wissen? Erleichtert holte ich den Bücherei Ausweis heraus der noch auf meinen Mädchennamen lief. „Reicht der“, wollte ich wissen? „Aber sicher“, antwortete der nette Verleiher. Er packte die Kostüme ein und erleichtert verließ ich den Laden. Auch das hatte geklappt. Mit den Sachen fuhr ich ins Atlantik Hotel und mietete dort ein Zimmer für eine Woche. Genau bis zum Rosenmontag. Die beiden Kostüme ließ ich dort.

 

Als Karsten am Abend die Kostüme sah lachte er mich aus. „Als Sissi willst du gehen? Die war aber ein wenig schlanker als du“, kicherte er. Stolz probierte er die kaiserliche Uniform an und ich musste zugeben er sah umwerfend aus. Nun hieß es warten.

 

Endlich war das Karnevalswochenende da und wir kleideten uns an. „Sissi hatte traumhaft dicke Haare“, spottete Karsten. Wortlos nahm ich die gigantische Perücke und setzte sie auf. „Na ja das sieht ja doch ganz gut aus“, rang er sich ab und ich lächelte. „Wie willst du mit dem Rock in ein Taxi kommen“, wollte er boshaft wissen? Wohlweislich hatte ich ein Großraumtaxi bestellt und lächelte als es kam. „Donnerwetter, du hast an alles gedacht“, musste er nun zugeben.

 

Im Hotel war schon Riesenstimmung. Sarah eilte auf uns zu. „Zauberhaft siehst du aus Janachen“, meinte sie und küsste mich auf die Wange. „Von mir sagst du nichts“, schmollte Karsten? „Na du siehst ja immer gut aus“, lächelte Sarah die seine Eitelkeit zur Genüge kannte. „Na dann mal auf ins Getümmel“, entgegnete er und rauschte davon. Über seine Schulter rief er uns ein „Man sieht sich“ zu. Dann schnappte er sich die nächststehende Frau und meinte „Lass uns tanzen.“ Eng zog er sie zu sich heran und begann mit ihr zu knutschen. Sarah wollte mich trösten, doch ich lächelte nur. „Lass uns auch amüsieren gehen“, riet ich ihr und schaute mich nach einem Mann um. Meine Freundin verstand das nicht und schüttelte irritiert den Kopf. Wie sollte sie auch? Eine Weile wanderte ich scheinbar ziellos herum und als ich sicher war das mich keiner beobachtete machte ich mich auf den Weg in mein Zimmer. Dort zog ich das Sissi Kostüm aus und das Leoparden Kostüm an, mein Gesicht verschwand hinter einer schillernden Maske. Im Gesellschaftsraum musste ich einige Männer abwehren, denn ich hatte nur ein Ziel. Den erstbesten Mann der mich aufforderte benutzte ich dazu in Karstens Nähe zu kommen. Wir rempelten ihn und seine Tanzpartnerin an. Schon setzte er zu einer Schimpfrede an, doch dann sah er mich an. Er pfiff durch die Zähne und ließ seien Begleiterin einfach stehen. „Hallo Jane.“ Mit den Augen tastete er meinen Körper ab das es mir unter der Maske die Schamröte ins Gesicht trieb. Antwort gab ich vorsichtshalber nicht, aber ich legte meine Arme um ihn und wir tanzten. Mein bisheriger Partner zog sich wütend zurück. „Blöde Weiber“, murmelte er. Karstens Hände waren überall. „Ich habe ein Zimmer hier in der Nähe“, flüsterte er in mein Ohr. „Sollen wir dorthin gehen?“ So war das also, dort fanden seine Überstunden statt. Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich mir einige Mühe sparen können, aber mein Plan stand fest, er würde heute und hier sterben. Ich machte mich von ihm frei und zeigte auf die Toilettenräume. „Ich verstehe“, lachte er „beeil dich.“ Ich lief in die entsprechende Richtung, als er mir nicht mehr nachsah und schon wieder andere Damen musterte lief ich in mein Zimmer. Dort zog ich ein breites Gummi über meine Brust und dann den Anzug über mein Kostüm. Den Schnurrbart klebte ich an und meine Maske steckte ich in die Tasche des Anzuges. In der anderen Tasche fühlte ich kalt und schwer den alten Armee Revolver meines Großvaters, gut das ich ihn die ganzen Jahre gepflegt hatte. Als ich mich im Spiegel betrachtete lachte mir ein echter Mafiosi entgegen. Nun wurde mir doch ein wenig mulmig zu Mute. Mein Magen fühlte sich wie ein Eisklumpen an. Er hat es verdient machte ich mir selbst Mut, eine kurze Weile noch dann ist Zahltag. Ich riss mich zusammen und machte mich auf den Weg in den Ballsaal. Mein unauffälliges Kostüm wurde kaum beachtet und so hatte ich das auch geplant. In der Nähe der Toilette bezog ich Stellung und zündete mir einen Zigarillo an. Dann wartete ich und plötzlich war es soweit. In meiner Nähe stand er und hatte wieder eine Frau in seinen Armen. Meine Hand umfasste den Revolver, ich drehte mich herum, zog ihn aus der Tasche, entsicherte ihn und schoss. Der Knall war nicht einmal besonders laut in dem Lärm der feiernden Massen. Nur ein kurzer Blick und ich sah wie sich die Uniformjacke färbte. Karsten sackte langsam in die Knie, da war ich auch schon in der Toilette. Geistesgegenwärtig hatte ich die Herrentoilette gewählt, denn der Anzug sollte ja auf einen Mann hinweisen. Schnell entledigte ich mich seiner und stopfte ihn in den Abfalleimer. Die Brustbinde schob ich unter mein Leoparden Kostüm und setzte die Maske auf. Dann verließ ich die Toilette. Draußen hatte die Kapelle aufgehört zu spielen und die Leute sammelten sich um meinen Mann. Keinen Blick warf ich darauf und hastet auf mein Zimmer. Dort zog ich eilig das Sissi Kostüm wieder an und lief hinunter. Sarah kam auf mich zu. „Wo um Himmels Willen hast du gesteckt“, rief sie aufgeregt? „Ich war zur Toilette“, antwortete ich ehrlich. „Das ist schwierig mit dem Kostüm.“ „Jana etwas Schreckliches ist geschehen. Karsten wurde umgebracht“, weinte sie uns nahm mich in den Arm. „Ach was, heut ist Karneval und nicht er erste April“, wehrte ich ab. Dann hörten wir die Sirenen. Sarah hielt mich weiterhin im Arm. Die Polizei traf ein und befragte die Gäste. Natürlich hatte kaum jemand etwas gesehen. Einige Frauen mit denen  er an diesem Abend herum gemacht hatte heulten hysterisch. Irgendjemand meinte einen Mann im schwarzen Anzug gesehen zu haben, Später entdeckten die Beamten diesen dann im Eimer der Herren Toilette.

 

Sarah gab später zu Protokoll das Karsten so etwas wie ein Frauenheld gewesen war. Man vermutete einen eifersüchtigen Ehemann als Täter.

 

Am folgenden Tag checkte ich aus, bezahlte bar und brachte das Sissi Kostüm zurück. Dem Verleiher erzählte ich die schreckliche Geschichte was mit dem Partner Kostüm passiert war. Selbstverständlich weinte ich fürchterlich dabei.

 

Nun esse ich was ich will und brauche mir keine dummen Bemerkungen mehr anzuhören. Karsten ruhe in Frieden und lass die weiblichen Engel in Ruh.

By Gitte