High
Society!
„Neiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin“, erschreckt fahre ich aus meinem Alptraum hoch.
Meine Freundin Doris springt auf und nimmt mich in ihre Arme. „Das muss
unbedingt aufhören meine Süße, schon wieder dieser Alptraum?“ Bedrückt nicke
ich und beruhige mich langsam. „Sie hatten mich gefunden und wollten mir gerade
die Handschellen anlegen.“ „Keiner findet dich, unser Plan war perfekt, warte
ich hole dir ein Glas Champagner und du atmest tief ein.“ Doris hat Recht, ich
muss endlich vergessen, was uns das Leben hier in San Diego ermöglichte. Lasziv
räkele ich mich in der Sonne und schaue in das funkelnde Wasser des Pools. Tief
ziehe ich den würzigen Duft der Pinien in meine Lungen. Herrlich ist es hier.
Lächelnd reicht Doris mir ein Glas und ich nippe an dem eisgekühlten Getränk.
Sie nimmt neben mir in ihrem Liegestuhl Platz. Auch sie ist verstummt und denkt
an die aufregende Zeit zurück, die nun hinter uns liegt.
Meine Vorfahren stammen aus einem kleinen Ort im Weserbergland. Meine Eltern hatten
beschlossen mir zu zeigen, von wo unsere Familie stammt und wir besuchten meine
Großtante und ihren Mann. Das kleine Fachwerkhaus am Weserufer ist winzig, aber
gemütlich. Tante Elisabeth und Onkel Willy sind sehr nett, aber ich bin ein
Teenager und langweile mich sehr, als sie sich mit meinen Eltern unterhalten.
„Ich erkunde ein wenig den Ort“, verkünde ich und spaziere durch das kleine
beschauliche Dörfchen. Zuerst muss ich den kleinen Hang zur Hauptstrasse
erklimmen. Direkt auf der Ecke liegt ein Mädchen im Fenster eines Hauses und
muss sich das Lachen verbeißen. Meine hohen Hacken eignen sich halt eher für
Asphalt, als für dörfliches Kopfsteinpflaster. Nicht ganz so elegant wie
gewohnt stöckele ich auf sie zu. „Was ist denn so komisch, he“, frage ich sie
und da platzt sie endgültig. „Na du, wie ein Storch im Salat.“ Zuerst bin ich
böse, aber dann siegt mein angeborener Humor und ich lache mit. Das bricht das
Eis zwischen uns endgültig. Sie streckt mir ihre Hand entgegen. „Ich heiße Doris“,
ich ergreife sie und entgegne: „Gitte.“ „Warte, ich komm raus, so was exotisches wie du muss man beschützen.“ Es dauert nur einige
Sekunden, dann öffnet sich die große Haustüre und ein etwa gleichaltriges
Mädchen steht vor mir. Wir mustern uns gegenseitig. Doris ist ein Kind des Dorfes,
ihre brauen Haut benötigt keine Schminke wie die meine. Sie arbeitet an der
Luft, ich bin Lehrling in einem Essener Kaufhaus. Sie trägt ein leichtes
Sommerkleid und wirkt ungemein frisch. Schmunzelnd mustert sie meine Hot Pants
und die Beine, die in hohen weißen Riemchen Sandalen stecken. „Den Burschen
hier werden die Augen heraus fallen“, erklärt sie lachend und wir stolzieren
die Dorfstrasse entlang unter den Augen vieler Kopfschüttelnder Bäuerinnen.
Hoch aufgerichtet blickt Doris hoheitsvoll nach allen Seiten und wanderte mit
mir über die Dorfstrasse zum Weserufer. Dort konnte sie nicht mehr und ließ
sich schallend lachend in Gras sinken, ich tat es ihr nach. Schnatternd wie
zwei Gänse lernten wir uns kennen. Nach einigen Stunden brachte ich sie heim
und aus uns beiden so unterschiedlichen Mädchen waren Freundinnen geworden. Nun
gefiel mir der Urlaubsort schon um einiges besser.
Den nächsten Tag hätte ich gerne wieder komplett mit Doris verbracht, aber
meine Eltern bestanden zuerst auf Familien Programm. Tante Elsabeths Sohn Andre
hatte sich mit seiner Familie angesagt. Schmollend nahm ich also am großen
Treffen teil. Andre hatte eine Frau, die meinen Namen trug, sie hieß auch
Brigitte, da ich Gitte genannt wurde gab das aber keine Probleme. Sie hatten
ihr Töchterchen Sabine dabei. Normalerweise mag ich Kinder sehr gern, aber ich
wäre lieber bei meiner neuen Freundin gewesen und so saß ich still in einer
Ecke und zeigte deutlich mein Desinteresse. Plötzlich horchte ich doch wie
elektrisiert auf. Es ging um den Beruf von Andre. Er
leitete eine Sparkassen Filiale im Nachbarort und erzählte gerade dass er ein
hohes Risiko trug. „Die nächste Polizei Wache ist meilenweit entfernt“,
berichtete er. „Stellt euch vor, wenn ich da überfallen werde. In der Mittagszeit
ist die Filiale zwei Stunden geschlossen, es verginge eine Ewigkeit bis das
jemand merkte und bis dann die Polizei endlich vor Ort wäre erst Recht,
eigentlich direkt eine Einladung es zu versuchen, was meint ihr?“ Das war ja
spannend, tatsächlich, den Wagen in den Wäldern geparkt, in der Mittagszeit ist
das Dorf menschenleer, Sparkasse ausräumen, mit der Beute zum Wagen und bis die
Polizei da ist, wäre ich schon zu Hause. „He Fräulein, träumst du schon vom
großen Reichtum?“ Lachend knuffte mich mein Vater in die Seite und ich wurde
rot. Unwirsch wehre ich ihn ab. „Du kannst gehen, Kaffee getrunken haben wir ja
nun und uns kennen gelernt, nun lauf zu deiner neuen Freundin.“ Mist, gerade
nun wo es wirklich spannend wurde, mal sehen was Doris dazu meint. „Was ist
nun, erst kannst du nicht schnell genug wegkommen und nun sieht es fast aus,
als wolltest du gar nicht mehr“, lacht mein Vater. „Ach wo“, grinse ich, „bin
schon weg.“ Trotzdem kann ich es nicht verhindern, das die Gedanken in meinem
Kopf Karussell fahren. Kaum habe ich geklingelt, kommt Doris schon heraus.
Unter ihrem Arm trägt sie einige Zeitungs-Magazine. Wieder laufen wir zum
Weserufer und setzen uns dort auf eine Bank. Doris schlägt ein Hochglanz
Magazin auf. Es zeigt elegante Leute in noch eleganteren Wohnungen. „So sieht
es bei dir aus, oder“, fragend schaut sie mich an. Zuerst schaue ich verblüfft,
aber dann muss ich lachen. „Bei mir zu Hause meinst du? Da muss ich dich bitter
enttäuschen, wir wohnen in einer kleinen drei Zimmer Wohnung.“ Verblüfft blickt
Doris mich an. „Ehrlich, ich dachte wer so herum läuft wie du, der lebt auch
vornehm.“ Wieder lachen wir um die Wette, aber dann kommt mir schlagartig das
eben geführte Gespräch in den Sinn und ich berichte ihr was ich gehört habe.
Eine Weile verstummt unser Geplapper und wir hängen unseren Gedanken nach. „Was
meinst du, könnte das klappen?“ Ich zucke die Schultern. „Es hört sich gut an
und es käme eigentlich niemand zu Schaden, außer der Sparkasse und die sind
versichert.“ „Leider, leider wir sind erst sechzehn und haben keinen
Führerschein.“ Doris hat es auf den Punkt gebracht, wir haben keine Chance,
jedenfalls noch nicht. Damit ist das Thema erst einmal erledigt. Wir haben noch
jede Menge Spaß in diesem Urlaub und ich bettele fortan jeden weiteren Urlaub
wieder dorthin zu fahren. Die Zeit vergeht und nach zwei Jahren erwartet mich
eine herbe Enttäuschung. Die Post bringt einen Brief aus Amerika. Wer schrieb
mir denn von dort? Etwa meine Großtante Jette, die vor Urzeiten dorthin
ausgewandert war. Sonst kannte ich niemanden dort. Mal sehen, auf dem Absender
stand Doris Webber. Doris? Meine Doris? In fiebernder Ungeduld öffnete ich den
Brief. Tatsächlich, da stand es. Liebe Gitte stand da, du wirst es kaum
glauben, ich bin es deine Freundin Doris, es ging alles so rasend schnell. Hier
in der Nähe ist doch der amerikanische Luftwaffen Stützpunkt und ich habe
Ronald im Felsenkeller getroffen. Es gibt sie, die Liebe auf den ersten Blick,
wir haben uns gesehen und der Blitz schlug ein. Meine Eltern waren sehr böse,
aber ich konnte nicht anders, als Ronald Militärzeit zu Ende ging haben wir
geheiratet und ich folgte ihm nach Amerika. Das Leben hier ist ein Traum, ich
wollte du könntest es sehen, das Wetter ist immer schön, die Leute hilfsbereit.
Als ich das erste Mal einkaufte und man meine Tasche nahm um sie zu packen,
dachte ich zuerst man wolle mich bestehlen. Als sich das Missverständnis
aufklärte haben wir sehr gelacht. Kolibris fliegen hier frei herum klein
schnell und wunderschön bunt. Die Pinien duften unvergleichlich, es ist ein
Paradies, ach kannst du mich nicht besuchen? Deine überglückliche Doris.
Erfolglos bestürmte ich in der folgenden Zeit meine Eltern, aber ein Flug in
die Staaten lag außerhalb unserer finanziellen Möglichkeiten. Geld, wieder mal
das blöde Geld und da kam mir wieder der Gedanke an den ausgedachten Überfall,
den wir vor Jahren gesponnen hatten, ach wenn ich doch den Mut hätte.
Es zogen wieder einige Jahre ins Land. In das Dörfchen im Weserbergland zog
mich nun nichts mehr und wir verbrachten unsere Urlaube in Österreich und
Bayern. Von Doris hörte ich weniger und wenn, dann hatten sich ihre Briefe
verändert, wo war ihre überschäumende Begeisterung für Ronald und Amerika? Ich
machte mir Sorgen um die Freundin. Als ich vierundzwanzig Jahre alt war, machte
ich den Vorschlag wieder einmal ins Weserbergland zu fahren. Meine Eltern waren
zwar überrascht, aber nicht angeneigt. Einige Tage gab ich mich betont harmlos,
dann besuchte ich kurz vor der Mittagspause meine Großcousin Andre in seiner
Filiale im Nachbarort. Er freute sich sehr mich zu sehen, brachte ich doch ein
wenig Ablenkung in seinen Alltag. Nachdem er abgeschlossen hatte, setzten wir
uns in die Hinterräume und aßen die Plätzchen, die ich mitgebracht hatte. „Du
siehst vergrämt aus, was ist geschehen“, fragte ich ihn. „Ach nichts schlimmes,
nur die normalen Sorgen, das Haus ist noch nicht bezahlt und müsste renoviert
werden, die Kinder kosten immer mehr, man arbeitet und arbeitet und es reicht
doch nie.“ Er seufzte, „Das geht sicher fast allen Leuten so, immerhin habe ich
einen guten Job, warum also klagen.“ Er versuchte ein verkrampftes Lächeln.
„Denkst du manchmal an das Gespräch, das wir vor Jahren führten?“ Verblüfft sah
Andre mich an. „Das theoretische Gespräch über den Überfall?“ Er war sofort im
Bilde und das zeigte mir, dass auch er sich damit beschäftigt hatte. Jetzt nur
die Ruhe bewahren und behutsam vorgehen. Er blickte auf seine im Schoß
verkrampften Hände. „Das geht nicht, ich habe Familie, ich kann so ein Risiko
nicht eingehen, verstehst du?“ „Du hast ja auch kein Risiko, du kassierst nur
du bist ja das Opfer“, erläuterte ich ihm. Eine Weile überlegte er. „Man wird
uns auf die Spur kommen“, gab er zu Bedenken. „Nicht wenn wir es schlau genug
anfangen“, antwortete ich ihm und erklärte ihm den Plan, der mittlerweile in
meinem Gedächtnis entstanden war. Danach herrschte eine Weile Stille und ich
gab ihm die Zeit zum Nachdenken. „Das könnte tatsächlich funktionieren“, gab er
fast widerwillig zu. „Bist du dabei“, wollte ich nun wissen. Er verlor das
letzte bisschen Farbe im Gesicht, nickte aber dann entschlossen. „Nun denn, ich
beginne erst einmal mit den Vorbereitungen und melde mich dann bei dir.“ Mit
diesen Worten verabschiedete ich mich von ihm.
Wie es der Zufall wollte stand direkt vor unserer Pension ein Bau Arbeiter Bus.
Es machte mich neugierig, das er mit einem Verbindungs-Kabel an eine
Oberleitung angeschlossen war und da er keine Windschutzscheibe hatte kletterte
ich an einem Abend als es schon dunkel war hinein. Wie erwartet fand ich ein
funktionierendes Telefon vor. Gut dass man so weit gucken kann, sollte es
irgendwo ein Signal geben und die Polizei würde kommen, würde ich sie früh
bemerken und mich aus dem Staube machen. Schnell hole ich Doris Telefonnummer
hervor und höre nach endlos langer Zeit die Stimme meiner Freundin. Nachdem ich
mich gemeldet habe bleibt es eine Weile still. „Was ist los, hat es dir die
Sprache verschlagen“, will ich wissen? Ein Schluchzen dringt an mein Ohr.
„Gitte bist du das wirklich?“ „Na sicher was glaubst denn du, wie geht es dir
denn im Goldenen Amiland“, will ich nun wissen. Da heult sie endgültig los und
ich erfuhr von Schluchzern unterbrochen die traurige Geschichte ihres
ausgeträumten Traumes. Ronald hat eine Neue und Doris sitzt allein und
unglücklich in einer kleinen Bude. Nachdem sie sich ein wenig von der Seele
geredet hat frage ich sie: “Sag Doris, soll ich kommen?“ Eine Weile höre ich
nichts. „Du vereimerst mich, oder“, kommt endlich ihre Antwort. „Kannst du an
Papiere für mich kommen“, will ich wissen. „Was hast du vor“, lautet die
Gegenfrage. „Kannst du oder kannst du nicht“, frage ich erneut? „Hier kann man
alles, es ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, schon vergessen“, fragt
sie sarkastisch zurück? „Bitte besorg mir Papiere, dann komme ich“, gebe ich
ihr zur Antwort. „Gut, einverstanden, ich sende sie dir so schnell wie möglich
zu.“ „Mach das und Kopf hoch, bald beginnen bessere Zeiten“, tröste ich sie,
dann beende ich das Gespräch.
Fieberhaft warte ich auf die neuen Papiere und kaum ist ein Woche vergangen,
halte ich einen Amerikanischen Pass auf den Namen Betty Smith- Miller in
Händen. Gut, das wir damals bei einem Ausflug in die nächste Kreisstadt aus Jux
Fotos im Bahnhofs Automaten gemacht hatten, es war, als begünstige selbst das
Schicksal unseren Plan. In der Zwischenzeit bin ich auch nicht untätig gewesen
und habe mir über meinen Cousin, der Kontakte zum Rotlicht Milieu hat eine
Pistole mit Munition besorgt. So ausgerüstet mache ich mich mit dem Wagen
meines Vaters auf ins Weserbergland und besuche Andre in seiner Filiale. Gegen
Mittag treffe ich ein und weihe Andre ein. „Wann soll es sein“, fragt er mich?
„Jetzt“, antworte ich. Er schaut mich völlig entsetzt an. „Jetzt, das kann ich
nicht, ich schaffe das nicht, das machen meine Nerven nicht mit.“ „Jetzt, oder
nie, du hast dein Schicksal in der Hand.“ Wenn ich ihm Zeit zum Überlegen
lasse, wird er erst recht keine Nerven bewahren, also Augen zu und durch. Ich
reiche ihm einen alten abgeschabten Koffer. „Pack das Geld ein.“ Wir haben
einen guten Tag erwischt, es liegen Einnahmen sämtlicher Firmen hier, die am
Nachmittag von einem Geld Transporter abgeholt werden sollen. Während Andre das
Geld in dem Koffer verstaut, setzte ich die mitgebrachte Perücke auf und
verdecke meine Augen mit einer überdimensionalen Sonnebrille. Ein weiter
Trenchcoat vervollständigt meine Verkleidung. „Wenn schon Klischee, dann
richtig“, versuche ich einen Scherz. Andres Augen
weiten sich entsetzt, als er sieht, dass ich die Pistole gezogen habe. Er macht
eine abwehrende Bewegung und noch ehe er in Panik davon laufen kann habe ich
durchgezogen und ihm ins Bein geschossen. Er schreit markerschütternd und ich
flüchte mit dem Koffer in den Wagen. Draußen sind derweil die Leute zusammen
gelaufen, aber es traut sich keiner mich aufzuhalten.
Noch nie ist Vaters alte Karre so gescheucht worden, unterwegs entsorge ich
Perücke und Trenchcoat in einem blühenden Getreidefeld, vor der Erntezeit wird
man sie nicht finden. In Rekordzeit treffe ich zu Hause ein und bitte meine
verstörten Eltern unseren Hausarzt zu holen. Doktor Galinski ist Morphinist und
ich habe mit ihm ausgemacht, dass er meinen Tod bezeugt. Es geht alles rasend
schnell und bevor meine Eltern richtig zu Bewusstsein kommen, hat Doktor
Galinski mich auf seine Arme genommen und trägt mich unter den neugierigen
Blicken unserer Nachbarn zu seinem Auto. Den Koffer nehme ich mit, keiner wird
sich etwas dabei denken, man braucht ja so einiges für einen Krankenhaus
Aufenthalt. Wir fahren in seine Praxis und dort stellt er meinen Totenschein
aus. Wir stoßen mit einem Glas Sekt auf mein Ableben durch einen Herzinfarkt
an. So ein Überfall ist eben sehr aufregend. Nachdem der Doktor sich mit einem
erneuten Schuss wieder fit gemacht hat, telefoniert er mit einem
Beerdigungs-Institut, die meine fiktive Leiche abholen und ins Krematorium
überführen sollen, das muss geschehen, ehe die Polizei auf mich stößt und eine
Exhumierung veranlasst. Erschöpft sinke ich auf seine Behandlungs-Liege, das schlimmste
scheint nun ohne Komplikationen geschafft zu sein. Nachdem ich mich ein wenig
erholt habe, öffne ich den Koffer. Die Augen des Arztes glänzen verdächtig bei
dem Anblick des vielen Geldes, ich werde mich beeilen müssen, bevor der gute
Doc auf falsche Gedanken kommt. Hektisch zähle ich seinen besprochenen Anteil
ab, den ich ihm reiche, ich habe noch keinen blassen Schimmer, wie hoch meine
Beute eigentlich ist. Danach lasse ich ein Taxi kommen und mich in die Essener
Innenstadt fahren, dort suche ich mir eine Absteige, in der man nicht groß
fragt. Das ist der Moment, in den Gitte Winter endgültig tot ist und Betty
Smith- Miller zu leben beginnt.
In
dem kleinen Zimmerchen, das man nicht unbedingt sauber nennen kann, beginne ich
nun endlich das Geld zu zählen. Es verschlägt mir glatt den Atem, es sind fast
7,5 Millionen. Einen Moment lang bin ich wie betäubt. Glück für mich, aber auch
gefährlich, je höher die Summe, umso mehr wird die Polizei mich jagen. Gleich
Morgen werde ich mich auf den Weg nach Amerika machen, je schneller ich hier
wegkomme, umso besser. In dieser Nacht bekomme ich fast kein Auge zu, die
ungewohnte Reklame blitzt ständig durch die fadenscheinigen Vorhänge, im Zimmer
ist es stickig, aber wegen des Großstadtlärmes lasse ich die Fenster
geschlossen.
Am nächsten Morgen mache ich mich gerädert auf den Weg zum Flughafen. Das Geld
habe ich im Koffer mit Kleidungsstücken abgedeckt, um es bei einer
Durchleuchtung zu schützen, wohl ist es mir allerdings nicht dabei. Ein Taxi
bringt mich nach Düsseldorf zum Flughafen. Jetzt nur nicht auffallen, gelassen
buche ich einen One Way Flug nach New York. Von dort aus werde ich mich dann
auf den Weg nach Kalifornien machen. Bis zum Abend muss ich warten, dann gegen
20.00 Uhr startet endlich die Maschine, in Mailand haben wir einen
Zwischenstopp, nach einigen Stunden geht es dann weiter nach New York. Am
nächsten Morgen werde ich wenn alles gut geht auf Amerikanischem Boden sein.
Nachdem die Maschine endlich in der Luft ist, beruhigen sich meine flatternden
Nerven ein wenig. Sachte gleitet die Boing 707 durch die samtige Nachtluft. Das
leise Rauschen wirkt einschläfernd und durch die Anspannung der letzten Tage
sinke ich nach einiger Zeit in einen tiefen Schlaf, aus dem ich nach kurzer
Zeit durch die Stimme des Piloten gerissen werde. Wir befinden uns im Anflug
auf Mailand. Den Rest der Nacht verbringe ich auf dem Mailänder Flughafen, am
nächsten Morgen starten wir endlich Richtung New York. Völlig ausgelaucht
verlasse ich die Maschine am frühen Nachmittag und erkundige mich auf dem
Airport wie ich am besten nach Kalifornien komme. Nachdem ich erfahren habe,
dass ich bis San Franzisko fliegen muss rufe ich Doris an. Sie fällt aus allen
Wolken, als sie hört, dass ich schon in den Staaten bin.
„Bin unterwegs“, schallt es aus dem Hörer und als ich dann endlich in San
Franzisko eintreffe erwartet sie mich schon auf den Airport. Zuerst fallen wir
uns erleichtert in die Arme, dann schiebt sie mich ein Stück weg und betrachtet
mich kritisch. „Was ist denn das für ein Fetzen“, will sie lachend wissen?
„Menno, ich habe eine mörderische Zeit hinter mir, ich weiß selbst das ich
derangiert aussehe und selbst Georgette übersteht so eine Strapaze nicht ohne
das man es sieht.“ „Geo was“, Doris lacht bis ihr die Tränen die Wange hinunter
laufen. „Oh Mann, das kann ich nicht mal aussprechen.“ Im Gegenzug betrachte
ich sie grinsend. „Na und du Amy Girl?“ Doris trägt ein Khakifarbene Hose und
ein T-Shirt in Tarnfarben. Wir sind ein super Team. Als wir das Gepäck in
Empfang nehmen fange ich einen fragenden Blick von ihr auf und nicke fast
unmerklich. Doris wird blass, ihr ist zu Bewusstsein gekommen, das sie ein
Millionen Vermögen trägt. Der Jet Lag macht sich nun an der frischen Luft mit
aller Gewalt bemerkbar, ich habe ja in der letzten Nacht auf dem Mailänder
Flughafen nur sporadisch geschlafen und brauche nun dringend Ruhe, wenn ich
nicht wirklich einen Herzkasper bekommen will. Mit letzter Kraft erreiche ich Doris
Wagen. Sie gibt mir einen Kuss auf die Wange und bemerkt: „Du bist
leichenblass, versuche ein wenig zu schlafen, ich habe zwar tausend Fragen,
aber das muss warten.“ Es reicht gerade noch dazu ihr einen dankbaren Blick
zuzuwerfen, dann sinke ich in einen tiefen Schlaf, es ist überstanden, ich bin
in Sicherheit ist mein letzter Gedanke. Es kommt mir vor wie Sekunden, als Doris
mich sacht rüttelt und aufweckt. „Wir sind da.“ Noch immer benommen wanke ich
hinter ihr her. Nur am Rande nehme ich das alte graue rissige Haus und dass das
verwohnte Treppenhaus mit dem lehmfarbenen Anstrich war. Nachdem wir unzälige
Treppen erklommen haben schließt Doris eine alte wurmstichige Türe auf und
schiebt mich in ein schäbiges Zimmer. „Willkommen in deinem neuen Zuhause“,
sagt sie. Erschrocken schaue ich mich um. Altmodische Tapeten an den Wänden,
ein Papierdünner Teppich und eine verschlissene Schlafcouch. „Es gibt noch ein
zweites Zimmer“, klärt sie mich auf und ich bin nicht sicher ob ich es sehen
möchte. Doris schiebt mich in eine kleine Küche und drückt mich auf einen
klobigen Holzstuhl. „Pass gut auf deinen Georgette Anzug auf“, kichert sie und
ich falle erleichtert ein. Sie hat sich nicht verändert. Dann macht sie sich
daran uns eine gute Tasse Kaffee zu kochen. Als wir beide dann am Tisch sitzen
und den Kaffee genießen berichte ich Doris die ganze Geschichte und sie hört
fasziniert zu. „Darf ich es sehen“, will sie wissen und ich hole den Koffer,
öffne ihn und wir starren gemeinsam auf das viele Geld. Danach beginnen wir
Pläne zu schmieden, für unsere Zukunft, die nun rosig vor uns liegt, ich
rechne. Seit zweieinhalb Tagen bin ich nun unterwegs, Morgen müsste meine
Einäscherung stattfinden und ich kann nur hoffen, dass die Polizei nicht zu
früh auf meine Spur gekommen ist und die Leiche beschlagnahmt. Morgen Abend
werde ich mich bei meinen Eltern melden und hoffen, dass sie die Nachricht dass
ich noch lebe gut verkraften, dann erfahre ich auch, ob ein Verdacht gegen mich
besteht. „Was nun, wie gehen wir vor“, reißt mich Doris Stimme aus meinen
Gedanken. „Zuerst einmal gehen wir einkaufen denke ich“, antworte ich ihr. „Das
hätte ich mir denken können, Boutiquen unsicher machen“, lacht sie. „Eigentlich
dachte ich an Second Hand Shops, wir brauchen gute Sachen, wollen aber nicht
auffallen.“ „Träum nicht davon mich in solche Fummel zu stecken, wie du sie
trägst“, stellt sie gleich richtig. „Na aber im Traum nicht, ich dachte an eine
schicke Leinenhose, beim Makler solltest du ein wenig nach Geld aussehen, wenn
wir ein Haus kaufen“, antworte ich ihr. „Ein Haus, du willst ein Haus kaufen?“ Doris
riss die Augen auf. „Na sicher, wir müssen doch standesgemäß leben und zur Bank
müssen wir auch, Andre sein Geld überweisen.“ „Hauen wir uns erst einmal aufs
Ohr und Morgen starten wir in unser neues Leben“, schlug Doris vor und sprach
mir damit aus der Seele.
Es war eng auf der Schlafcouch, aber ich schlief wie ein Murmeltier. Erfrischt
und tatendurstig erwachten wir am nächsten Morgen. Nach einem Kaffee motzte ich
mich auf und dann statteten wir zuerst der Bank einen Besuch ab, ich mietete
ein Schließfach. Bevor ich das Geld darin verstaute, entnahm ich einige Bündel.
Danach eröffnete ich unter meinem neuen Namen ein Konto und ließ Doris
Vollmacht erteilen. Hunderttausend Dollar zahlte ich ein, nachdem ich dem
Bankangestellten berichtet hatte, dass ich neu hierher gezogen war und die
gleiche Summe ließ ich Andre auf ein geheimes Konto überweisen, das er auf
meine Bitte hin eingerichtet hatte. Anschließend starteten wir den geplanten
Besuch in einen Second Hand Geschäft. Mir gingen die Augen über es glitzerte
überall. „Die Augen der Elster funkeln“, lästerte Doris lachend, sie hatte ja
so Recht. Entgegen meinen Neigungen entschied ich mich für ein Business Kostüm,
das mir einen seriösen Touch gab und Doris erstand eine Cremefarbene Leinenhose
und eine blaue Seidenbluse. Die Besitzerin beglückwünschte uns zu unserem
ausgezeichneten Geschmack und wir beschlossen so in Hochform uns erst einmal
mit einem guten Frühstück zu verwöhnen. Anschließend suchten wir uns in den
Zeitungen nach Makleradressen. Wir hatten Glück, schon die erste Dame, die wir
besuchten konnte uns eine herrliche Villa anbieten, wir nahmen sie gleich.
Unser Guthaben schrumpfte um ein erhebliches, aber der Grundstein für unsere Zukunft
war gelegt.
Am
Abend rief ich meine Eltern an. Meine Mutter war am Apparat. Als ich mich
gemeldet hatte, ertönte ein Gepolter, der Hörer war ihren Händen entglitten und
mein Vater meldete sich nun. „Regt euch nicht auf, ich bin es, nur das
notwendigste, ich lebe, mir geht es gut, ich bin in den Staaten, bald erzähle
ich euch genaueres, hat sich die Polizei bei euch gemeldet?“ Im Hintergrund
hörte ich die Türklingel. Scheinbar hatte Mutter geöffnet, denn ich hörte:
“Kriminal Polizei, wir hätten da einige Fragen an sie.“ Aus dem Hörer ertönte
ein leises Klacken, Vater hatte aufgelegt, wenn das nur gut ging. Denkbar
schlechtes Timing, ich konnte nur hoffen das meine Mutter sich nicht verriet.
Besorgt teilte ich Doris die Ereignisse mit und wir verbrachten eine Bange
Stunde. „Am besten, wir telefonieren das nächste Mal aus einer Zelle, falls sie
etwas bemerkt haben und der Anschluss deiner Eltern nun überwacht wird“, meinte
Doris. Gute Idee, so würden wir es machen. Wir sprachen nicht mehr viel, nun
würde sich alles entscheiden. Als ich mich wieder bei meinen Eltern meldete,
berichtete mein Vater die Polizei habe nichts gemerkt, Mutters aufgelösten
Zustand schoben sie der Tatsache zu, das sie Heute auf meiner Beerdigung
gewesen war. Schnell beendete ich das Gespräch und versprach mich in kurzer
zeit aus unserer Wohnung wieder zu melden, denn von dort aus telefonierte es
sich wesentlich angenehmer. Beim nächsten Male meldete sich meine Mutter. „Bist
du es wirklich, du lebst“, schrie sie in den Hörer. „Bitte reich mir Vater“,
bat ich sie, du bist viel zu aufgeregt und dann berichtete ich meinem
besonnenen Vater was sich ereignet hatte. Am Schluss versprach ich ihm, ihnen
in einigen Monaten wenn ein wenig Gras über diese Sache gewachsen war Tickets
zu senden, damit sie uns besuchen konnten. Vater berichtete mir, dass die
Polizei fieberhaft nach mir gesucht hatte, nachdem sich ein Zeuge endlich nach
Tagen erinnerte, das das Auto mit dem der Überfall ausgeführt worden war ein
Essener Kennzeichen trug. Als man nun nach einer Verbindung suchte, kamen meine
Eltern und damit auch ich ins Spiel. Leider war soviel zeit vergangen, das man
meine Leiche nicht mehr untersuchen konnte und somit war der Fall
abgeschlossen.
Die nächste Zeit waren wir damit beschäftigt unsere Villa wohnlich
einzurichten, sie war groß genug, um für Doris einen etwas nüchternen Bereich
zu schaffen und den meinen verspielt nach dem meinigen. Als wir, wie am Anfang
berichtet am Pool saßen und unser Getränk genossen schellte es, ich ging selbst
um zu öffnen, auf Personal hatten wir bewusst verzichtet, denn weder Doris noch
ich wollten ständig beobachtet werden, da waren wir uns einig. Draußen stand
ein smarter junger Mann und nach den Fotos, die Doris am Anfang ihrer Ehe
geschickt hatte erkannte ich sofort Ronald. „Ist Doris da“, wollte er wissen?
Ich setzte meine hochmütigste Mine auf und machte eine knappe Handbewegung, die
ihn zum Eintreten aufforderte. Als Doris ihn erblickte wurde sie bleich.
Hoffentlich hatte ich keinen Fehler gemacht. Aber gleich darauf atmete ich auf.
Doris Mine verschloss sich ebenfalls. „Sie wünschen“, fragte sie mit eiskalter
Mine? „Aber Doris, Liebling“, stotterte Ronald. „Raus“, sagte sie und wies zur
Türe. Er wurde blass und warf die mitgebrachten Rosen in den Pool, ehe er sich
auf dem Absatz herum drehte und wütend verschwand. „Auf Nimmer Wiedersehen“,
rief Doris ihm hinterher. Nun waren wir wirklich frei und unser Leben war ein
täglich neu beginnender Traum. Bleibt noch zu sagen, das Andre monatlich seine
Hunderttausend bekam, bis sein Anteil erreicht war und das meine Eltern nach
ihrem besuch so begeistert waren, das sie in Amyland blieben.
© by Gitte
Die Geschichte ist erfunden und Ähnlichkeiten rein zufällig