Kaum zu glauben!
„Was ist denn das?“ Zoe schrie entsetzt auf, so dass Thorsten erschrocken zusammen fuhr. „Das gibt es doch nicht, das sind nicht unsere Zahlen.“ „Wie, das sind nicht unsere Zahlen, ich habe den Lottoschein doch abgegeben.“ „Schau nur, die vier, die Fünf, das sind unsere Zahlen, wenn nun die neunundvierzig kommt, das ist dein Geburtsdatum, das habe ich getippt.“ Zoe geriet ganz aus dem Häuschen. „Ja und?“ Thorsten verstand nicht. „ Die Zahlen habe ich getippt, oh nein.“ Zoe wurde blass. „Schau nur, dreiundzwanzig und sechs, das Geburtsdatum von Anja.“ „Du willst sagen, wir haben gewonnen, oder“, hakte Thorsten nach. „Theoretisch, ja“, murmelte Zoe. „Wie theoretisch, was willst du damit sagen?“, Thorsten begriff es nicht und Zoe war viel zu aufgeregt es zu erklären. Gewaltsam riss sie sich nun zusammen. „Das sind unsere Zahlen, aber sie stehen nicht auf diesem Schein, du musst ihn verwechselt haben, als du ihn abgegeben hast, schau hier, ganz andere Zahlen. Nun war Thorsten auch sprachlos. Mit dem Lottoschein stimmen sie auch nicht überein. Zoe stöhnte und dann wurde sie blass, Die dreißig war gezogen worden, Dreißig, der Jahrgang ihrer Mutter. Sie hatten sechs Richtige. Oder nein, sie HÄTTEN sechs Richtige gehabt. Zoe war wie zerschlagen. „Warum“, fragte sie fassungslos. „Warum muss uns das passieren? Sechs Richtige, stell dir das nur vor, Nie wieder Sorgen, nicht wegen einer defekten Waschmaschine, oder Auto, oder einer Nachzahlung, einfach nie wieder Geldsorgen. Na der werde ich was erzählen.“ „Wem wirst du was erzählen?“ In Thorstens Kopf rasten die Gedanken wie auf einer Achterbahn. Er konnte es nicht fassen. Sie wären reich gewesen. „Bist du auch sicher, dass das unsere Zahlen waren“, fragte er. Zoe schaute ihn ungläubig an. „Das fragst du noch? Woche für Woche schaue ich sie nach, ich kenne sie auswendig, denn es sind unsere Geburtstage. Morgen gehe ich zu Frau Damattke und frage, ob sich jemand gemeldet hat, der unseren Schein bekommen hat.“ Thorsten lachte bitter. „Du glaubst doch nicht, dass jemand einen Schein abgibt, auf dem ein Sechser ist“, meinte er. „Vielleicht ist es ihm ja schon vorher aufgefallen“, hoffte Zoe.
Gleich am nächsten Tag stürmte sie aufgeregt in die Lotto Annahmestelle von Frau Damattke. Hektisch sprudelte sie ihr Anliegen heraus. Frau Damattke runzelte die Stirn und nahm den Lottoschein entgegen. Sie prüfte die Zahlen. „Tatsächlich“, staunte sie, „so was ist noch nie passiert.“ „Es hat sich also niemand gemeldet, der auch einen falschen Schein hat?“ Zoe fiel blass und vernichtet auf den Stuhl, der für erschöpfte Kunden bereit stand. Irritiert blickte Frau Damattke zu ihr. „Ist das denn so schlimm“, fragte sie nach, denn sie verstand Zoes heftige Reaktion nicht. „Schlimm, ob es schlimm ist“, Zoes Stimme erstickte in einem Schluchzen. „Sechs Richtige, verstehen sie, ich hatte Sechs Richtige.“ Nun weiteten sich auch Frau Damattkes Augen. „Sind sie sicher, ich meine sie hatten doch den Schein nicht, haben sie die Zahlen kopiert“, wollte sie fassungslos wissen, mit einem letzten verzweifelten Versuch ihre Kundin zu trösten. „Ganz sicher“, nickte Zoe, es waren alles persönliche Daten. Stille trat ein. Beide Frauen versuchten ihre aufgepeitschten Gefühle in den Griff zu bekommen. Wenn das die Runde macht, kann ich meinen Laden schließen, dachte Frau Damattke betroffen. Sechs Richtige, dachte Zoe, eine Villa, endlich Platz, keine nervenden Nachbarn, nicht mehr jeden Pfennig herum drehen müssen. Aus der Traum und keine Hoffnung auf eine Wiederholung. Tränen liefen über ihre Wangen.
In diesem Moment wurde die Türe aufgerissen und ein alter Mann stürzte aufgeregt herein. „Frau Damattke, das ist die Rettung, denken sie nur, ich habe Sechs Richtige. Die Köpfe der beiden Frauen flogen n die Richtung des Mannes. „Das muss mein Schein sein“, kreischte Zoe los. Betroffen blickte der Mann sie an. Sein Gesicht nahm die ungesunde Farbe von Wachs an. Es war als ließe man die Luft aus einer Puppe. Seine blassblauen Augen füllen sich mit Tränen. „Ich hab es geahnt“, flüsterte er, warum sollten wir auch einmal Glück haben im Leben, er ließ den Schein achtlos fallen und schlurfte zur Türe. Nach einer Schrecksekunde stürzte Zoe ihm hinterher. „Bitte warten sie“, rief sie und hielt ihn am Ärmel fest. Sie zerrte ihn wieder in den Laden zurück. „Wir müssen doch darüber reden“, stellte sie fest. „Wozu“, kam die Antwort. „Die Zahlen kamen mir gleich so unbekannt vor, aber ich habe es nicht sehen wollen, ich wollte an ein Wunder glauben.“ Der Mann lachte und es klang unecht und bitter. Frau Damattke hatte sich inzwischen gefasst. „Das ist Herr Krämer“ erklärte sie Zoe. „Seine Frau ist schon lange krank, er hätte das Geld gut gebrauchen können.“ Nun war es an Zoe betroffen zu schauen. „Lassen sie es gut sein mein Kind, sie können ja nichts dafür“ sagte Herr Krämer tätschelte Zoes Arm und wollte sich erneut zum Gehen wenden. „Halt nichts da, sie werden nicht einfach verschwinden“, erhob Zoe Protest, „lassen sie mich einen Moment Nachdenken. Brauchte sie das Geld wirklich so nötig? War es nicht Luxus, den sie sich wünschte. Beschämt betrachtete sie den abgetragenen Mantel den Herr Krämer trug. Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. „Wissen sie was, wir teilen, ja klar, das ist die Lösung, darum wurden die Scheine vertauscht, ich glaube nämlich nicht an Zufälle, ich hätte auf jeden Fall mit einem Teil des Geldes Menschen geholfen und nun läuft mir der Erste gleich über den Weg, noch ehe ich das Geld bekommen habe. Herzlichen Glückwunsch Herr Krämer“, meinte sie und umarmte den völlig fassungslosen Mann. „So, nun muss ich heim und Thorsten von meinem halben Sechser berichten“, sprach´s und stürmte davon, noch ehe Herr Krämer und Frau Damattke ihre Sprache wieder gefunden hatten.
© By Gitte