Lauras Rache!
Laura macht seit einiger Zeit eine Lehre als Hotelfachfrau. Das Hotel in dem sie arbeitet, ist klein und sie muss überall einspringen. Das ist zwar Stress, aber sie lernt, wie man so schön sagt von der Pike auf. Ein Jahr hat sie nun geschafft und mittlerweile stellt sich doch ab und zu leichter Frust ein. Die Chefin, Frau Stemberg, ist zwar nett, aber streng, ihrem wachsamen Auge entgeht nichts und auch Frau Breuker, die Köchin, scheint entschlossen zu sein, ihr nichts zu schenken.
Als Laura im Keller die Wein Vorräte kontrolliert, sieht sie in der Mausefalle eine tote Ratte. Auch das noch, wenn die Chefin das hört, ordnet sie an den Keller gründlich aufzuräumen und dazu hat Laura überhaupt keine Lust. Sie nimmt die Ratte aus der Falle und betrachtet sie nachdenklich. Gerade hat sie das Buch „Roots“ gelesen und eine Stelle geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Dort wurde beschrieben, wie die schwarzen Köchinnen ihren weißen „Herrschaften“ deren Exkremente unter das Essen gemischt und sich köstlich amüsiert hätten, dass das unbemerkt blieb.
Und heute Abend findet ein Gala Diner statt: Ein in der Stadt beheimateter Großkonzern gibt für seine Direktoren eine Feier.
Laura häutet die Ratte und entfernt die Knochen, dann würfelt sie das Fleisch. Sie geht in ihr Zimmer und holt sich dort eine kleine Plastiktüte, von der Art in der sie sonst ihre Brote packt. Da hinein gibt sie das Rattenfleisch und verbirgt es in der aufgenähten Tasche ihrer Küchenschürze …., mal sehen, wozu sie es gebrauchen kann….
Beinahe hat sie den makaberen Inhalt ihrer Schürzentasche vergessen, denn es ist viel zu tun. In der Küche wird gebrutzelt was das Zeug hält und Frau Breuker ist in ihrem Element. Unentwegt scheucht sie Laura, während auf dem Herd der Filettopf kocht und im Backofen die Kroketten garen wird der Salat geputzt.
„Rühr mal in dem Topf um“, ranzt Frau Breuker sie an.
Na, das hätte sie auch höflicher sagen können! Laura kommt er Aufforderung nach und ehe sie sich richtig bewusst wird, was sie da macht ist der Inhalt des Beutels schon im Topf verschwunden.
Lauras Herz klopft bis zum Halse, was wird geschehen, sie hat keine Ahnung von der Beschaffenheit des Rattenfleisches, wird es zäh sein und bemerkt werden? Nach einiger Zeit bekommt Laura den Auftrag den Filettopf in Schüsseln zu umzufüllen.
Schnell eine saubere Schürze umgebunden und dann ist Laura Serviererin. Sie bedient schnell und gekonnt. Zwischendurch beobachtet sie interessiert, wie die Gäste schmausen, es ist eine Freude zu sehen, wie es ihnen schmeckt. Laura muss sich bereithalten, wenn die Gäste Wünsche haben und stellt sich unauffällig in den Hintergrund des Raumes, um auf ein Zeichen der Gäste herbeizueilen. Alles isst und schwatzt dabei, Gesprächsfetzen erfüllen den großen Raum mit leisem Raunen. Am Ende des Diners winkt einer der Direktoren Laura zu sich heran: „Bestellen sie der Köchin ein großes Kompliment, es hat uns hervorragend gemundet!“
Laura knickst und verspricht, es auszurichten.
Alles gut gegangen! Laura beginnt, sich zu entspannen. Der Nervenkitzel war super, er hat Spannung in ihren Tag gebracht, so etwas muss sie unbedingt wieder einmal machen, dann kann sie das Alltagseinerlei sie nicht so zermürben. Ob ihr bald wieder eine Idee kommt?
Einige Tage später soll Laura in den Mangelkeller.
Eine alternde US Schauspielerin hat sich angesagt und nun soll alles super sauber und adrett sein, die Bettwäsche soll noch einmal übergemangelt werden, damit ja kein Knitterfältchen den Ruf des Hotels beeinträchtigen kann. Laura hat den Auftrag dazu erhalten - als ob sie nicht schon genug Aufgaben hätte!
Unwirsch geht sie dem Arbeitsauftrag nach. Plötzlich hat sie eine Idee:
Sie eilt in ihr Zimmer und holt das Päckchen Juckpulver, das sie kürzlich ihrer kleinen Schwester abgenommen hat. Wieder im Keller angekommen, schüttet sie ein wenig in ihre Handflächen und reibt das gerade gebügelte Laken vorsichtig, aber gründlich damit ein.
Na, die Dame wird ihre helle Freude an dem Besuch in good old Germany haben!!
Nachdem sie ihre Hände gewaschen hat, zieht sie Gummihandschuhe an und bezieht das Bett. Die Dame trifft ein und im Hotel wuselt alles durcheinander, sie soll keinen Grund zur Klage haben. Endlich begibt sie sich zu Bett und alle atmen auf, aber die Ruhe währt nicht lange. Die Glocke schrillt Laura muss hinauf. Die Frau ist außer sich, sie schimpft und juckt und juckt und schimpft.
„Haben Sie eine Allergie?“ fragt Laura harmlos.
„Oh mein Gott, dass wird es sein! Schnell, holen Sie einen Arzt!“, ordnet die Dame an.
So hat Laura sich das nicht vorgestellt. Sie schlägt vor, ihr ein anderes Zimmer zuzuteilen. Vielleicht ist ja nur in diesem Raum der „Allergieauslöser“….
Sie ist dann doch sehr erleichtert, als die verhängnisvolle Bettwäsche in der Maschine gelandet ist.
Wieder einige Tage später findet ein großes Frühstück statt. Eine Konfirmationsgesellschaft feiert den Tag hier. Als Laura die Orangenmarmelade einfüllt, denkt sie: Die hat eine richtige Urinfarbe….. halt! Das ist es!
„Ich muss schnell zur Toilette“, meldet sie sich bei Frau Breuker ab.
Ein wenig Urin lässt sie in ihren Kaffeebecher ab, den füllt sie dann mit einem Parfum Trichter in einen Parfum Zerstäuber ein, schraubt ihn zu und nimmt ihn in der Schürzentasche mit in die Küche.
„Das hat aber gedauert“, meckert Frau Breuker wieder.
„Entschuldigen Sie bitte“, entgegnet Laura freundlich und Frau Breuker schaut misstrauisch, wegen Lauras ungewohnter Höflichkeit, aber dann lächelt sie.
Laura dreht ihr den Rücken zu, leert das Fläschchen in die Orangenmarmelade, rührt kräftig um und füllt die Konfitüre dann auf kleine Portionstellerchen.
„Warum rührst du in der Marmelade?“ will Frau Breuker wissen.
Laura schreckt zusammen, fängt sich aber schnell: „Es hatte sich eine Haut gebildet und das sah nicht schön aus.“.
„Sehr schön, Du denkst mit“, lobt Frau Breuker.
Laura wendet sich lächelnd ab. Die Tabletts sind fertig, Laura bindet eine saubere Schürze um und beginnt mit dem Servieren. Danach begibt sie sich wieder in die Küche, die Durchreiche lässt sie auf, so dass die Gäste sie jederzeit rufen können. Eine Zeitlang hört man nur das Klappern des Geschirrs und leise Unterhaltung.
Dann vernimmt sie einen Ruf: „Fräulein, kommen sie mal bitte.“
Lauras Herz beginnt zu rasen. „Sofort!“ erwidert sie und eilt in den Gastraum.
Einer der Gäste hält ein Marmeladenschälchen hoch. Lauras Herz setzt einige Schläge aus. Nun ist es soweit, welche Strafe steht wohl auf einem solchen Vergehen? Schuldbewusst tritt sie näher.
Aber was ist das? Der Gast lächelt sie wohlwollend an. „Also Fräulein, sie MÜSSEN mir verraten, von welcher Firma diese Marmelade ist, einfach unglaublich dieses Aroma“. Der Gast ist ganz verzückt.
Laura ist verdutzt - meint er das im Ernst? Es scheint so. Sie setzt ihr schönstes Lächeln auf. „Verzeihen Sie, mein Herr, aber das ist leider nicht üblich, dann kämen die Gäste ja nicht wieder hierher“, erklärt sie freundlich.
„Verstehe, da kann man leider nichts machen, aber vielleicht darf ich sie einmal privat einmal wieder sehen?“
….. Ach du grüne Neune, dann wird Laura immer an ihre Missetat erinnert, aber stelle man sich einmal vor, es wird mehr daraus, vielleicht heiraten sie und nach zehn Ehejahren beichtet sie dann ihrem Mann, welchem Umstand er ihr Kennen lernen verdankt ….
Bei diesem Gedanken muss Laura schmunzeln.
„Gern“, erwidert sie und schiebt ihm unauffällig ihre Karte in die Hand.
Einige Tage vergehen und der nette Gast hat sich nicht gemeldet. Laura hat wieder einmal eine Ratte in der Falle im Keller gefunden. Heute gibt es kein Filet, sie häutet die Ratte und versteckt sie im Salzvorrat, der wird ihr das Wasser entziehen und sie knochentrocken machen, dann lässt sie sich sicher brechen und sie muss sich nicht abmühen sie zu entbeinen.
Nach einigen Tagen schaut sie nach, dass tote Tier ist getrocknet und Laura bricht es in kleine Stücke, die bewahrt sie wieder in ihrer Schürzentasche auf. Als Frau Breuker die Küche zu einer kleinen Pause verlässt, füllt Laura die zerbröckelten, getrockneten Rattenteile in die riesige Handpfeffermühle ein. Sie dreht einmal zur Probe, es klappt.
Das war dann Lauras letzter Streich. Kurz danach bekam sie den Anruf, auf den sie so lange gewartet hatte und der sie unendlich glücklich machte. Nun brauchte sie keinen Kick mehr. Heute nach langen Jahren muss sie immer noch an diese verrückte Zeit zurück denken, wart ihr als Teenager auch so einfallsreich?
© By Gitte