Linie 243!
Onkel Gregor hatte sich mal wieder die beste Zeit für seinen Urlaub ausgesucht. Sein Hund Wolf war wirklich ein Schatz und ich liebte ihn von Herzen. Die Beiden arbeiteten bei der Polizei, genauer gesagt beim Rauschgift Dezernat und sie hatten alle Hände voll zu tun. Nun fuhr Onkel Gregor in seinen wohlverdienten Urlaub und ich passte währenddessen auf Wolf auf. Leider war es mal wieder eine Zeit, in der ich selbst in Terminen erstickte, denn wenn Onkel Gregor zurückkam, fuhr ich in den Urlaub und ich hatte noch so einiges zu erledigen. Na was soll es, Wolf war natürlich gut erzogen und ich konnte ihn überall mit hinnehmen. Heute wollte ich nach Herten zum Optiker und so machten wir zwei uns auf den Weg.
Scheiße, Scheiße, Scheiße. Mirko fluchte aus tiefster Seele. Der Deal hatte sich gelohnt. 1 Kg reines Koks kostet normalerweise 150000$, er hatte aber nur 80.000 locker machen müssen, also hatte er einen satten Netto Verdienst, allerdings nur, wenn die Sache glatt ging und die Bullen ihn nicht erwischten, aber gerade die waren ihm auf den Fersen. Mirko schlenderte betont unbefangen in Richtung Bus und stieg ein. Er grinste, er war eben doch klüger als die dämliche Polizei. Nervös blickte er sich um. An der Decke befanden sich Klappen, aber um die zu öffnen brauchte er einen Vierkantschlüssel und das hätte den Busfahrer aufmerksam gemacht, der schaute ohnehin schon misstrauisch zu ihm herüber. Mirko brachte ein halbwegs freundliches Grinsen zustande, es schien zu wirken, der Fahrer widmete sich wieder seinen Aufgaben. Ohne ihn aus den Augen zu lassen legte Mirko das Plastiksäckchen mit einer Tragetasche darüber auf seinen Schoß. Aus seinem Rucksack nahm er ein breites Klebeband und pappte es der Länge nach darüber, die Enden ließ er überstehen, dann drehte er das ganze um und klebte es unter den Sitz. Aufatmend lehnte er sich zurück. Es war erst acht Uhr früh und der Bus noch leer. Er steuerte nun die nächste Haltestelle an. Da stand eine Frau mit einem Schäferhund, gut dass es noch geklappt hatte.
Wolf und ich hatten nun die Haltestelle am Westerholter Markt erreicht, wir waren extra früh gegangen, dann konnten wir noch spazieren gehen, denn so ein Stadtbummel ist ja nicht so erfreulich für einen Hund und der sollte ja auch seinen Spaß mit seinem Hundesitter haben. Plötzlich ertönten Polizeisirenen und aus dem Bus sprang ein Mann. Er rannte zu den Taxen, die auf den Markt Platz auf ihre Fahrgäste warten, sprang hinein und das Taxi brauste los, die Polizei hinterher. Da der Markt aber nur von der Seite zu befahren ist, mussten sie einen Bogen fahren, währenddessen hatte die Taxe einen gehörigen Vorsprung. Erstaunt schüttelte ich den Kopf, das Ganze hatte sich in Minuten abgespielt. „Was war denn das“, fragte ich verblüfft den Busfahrer? „Keine Ahnung“, entgegnete dieser, „vielleicht hat er etwas geklaut.“ Er schüttelte den Kopf. „Und das am frühen Morgen, in unserem verschlafenen Nest.“ Wir stiegen ein und ich stempelte meinen Fahrschein ab. Wolf zog mich gleich zu einem bestimmten Sitz. Dort hockte er sich hin und bellte, ich streichelte seinen schönen Kopf. „Du freust dich auf unseren Ausflug stimmt es, endlich hast du auch mal Ferien, zwar nur bei Tante Gitte, aber immerhin“, grinste ich ihn an. Klug schaute mich das Tier an und bellte wieder. „Willst du wohl still sein, sonst bekommen wir Ärger, Platz Wolf“, befahl ich ihm. Aber was war nur mit ihm los, Wolf sonst immer die Ruhe und der Gehorsam in Hunde Person bellte wieder und legte seine Pfote auf meinen Arm, dabei stieß er mit seiner Schnauze unter den Sitz und jaulte. „Was ist denn los, hat jemand seine Wurst verloren“, fragte ich ihn, beugte mich aber unter den Sitz und sah nach. Verblüfft sah ich einen Plastikbeutel dort kleben. Der Fahrer war durch das Bellen aufmerksam geworden und beobachtete uns im Rückspiegel, so setzte ich mich erst einmal wieder hin und lächelte ihn an. An der nächsten Haltestelle sah ich Fahrgäste stehen, nun war er abgelenkt und ich tastete mich zu dem Paket und riss es ab. Schnell stopfte ich es in meinen Rucksack, erst einmal das verdächtige Paket in Sicherheit bringen, dann konnte ich in aller Ruhe überlegen, was ich damit machen sollte, in Herten ist eine Polizeidienststelle, da würde ich es hinbringen. Der Sitz war mir aber nun unangenehm, ein Verbrecher hatte schließlich dort gesessen, ich setzte mich einige Reihen weiter. Wir waren nun am Herta Werk angekommen und es stiegen einige Fahrgäste zu. Eine Mutter mit einem etwa vier Jahre alten Mädchen nahm dort Platz, wo bis vor kurzem das Päckchen unter dem Sitz klebte, ich war fast sicher, das es Rauschgift enthielt, wie viel mochte es wert sein? Sicher schleppte ich nun ein Vermögen in meinem Rucksack herum.
Mirko feuerte unterdessen den Taxifahrer an. Er wies ihn dann, die gerade Strecke nach Herten zu fahren, allerdings an den Bauernhäusern vorbei, neben der Hauptstraße und dann dem Bus entgegen. An der Bodelschwingh Schule war es dann soweit, der Bus bog gerade um die Ecke. Mirko drückte den Taxifahrer einen 50€ Schein in die Hand und sagte: „Stimmt so“, dann stieg er aus und lief zur Bushaltestelle und stieg um. Als ich in ihm den Mann erkannte, der heute morgen vor der Polizei geflüchtet war, lief es mir eiskalt den Rücken herunter, ich ahnte, was er in dem Bus suchte, sein Rauschgift, das von seinem Platz in meinen Rucksack gewandert war. Dabei zwang ich mich aus dem Fenster zu schauen, aus den Augenwinkeln beobachtete ich ihn. Er setzte sich der Frau mit dem Kind gegenüber und fixierte sie mit seinen Augen. Unbefangen erwiderte die Mutter seinen Blick, das Kind allerdings schmiegte sich ängstlich in ihren Arm. Kinder haben oft eine wesentlich feinere Antenne, wenn etwas nicht stimmt, als wir Erwachsene, Tieren geht es genauso. „Verzeihen sie, würden sie sich bitte wo anders hinsetzen, ich glaube ich habe unter dem Sitz etwas verloren“, sprach er die Frau nun an. Verblüfft folgte die Frau kopfschüttelnd seiner Aufforderung. Mirko schaute unter den Sitz und stieß einen Fluch aus. Dann überlegte er kurz. Scheinbar kam er zu dem Schluss, dass jemand von uns sein Päckchen gefunden hatte und die Chance groß war, dass sich dieser jemand noch im Bus befand. Er zog eine Pistole aus seiner Tasche und richtete sie auf uns. „So meine Herrschaften, raus mit meinem Eigentum“, sprach er uns alle an. „Es geschieht niemandem etwas, wenn ihr das Päckchen heraus gebt, also wird es bald“, fügte er drohend hinzu. Dabei fixierten seine Augen einen nach dem anderen. Wieder versuchte ich betont harmlos zu schauen und gerade das verriet mich. Alle anderen wussten nämlich nicht um was es ging, sie blickten völlig entsetzt und einige schrieen sogar. Im gleichen Moment, als mir das zu Bewusstsein kam, lächelte er mich an. „Her damit“, forderte er und machte einen Schritt auf mich zu. Da erhob sich Wolf, der bis jetzt brav neben mir gelegen hatte und zeigte sein Furchteinflößendes Gebiss. Dabei stieg ein drohendes Knurren aus seiner Kehle. „Halt deinen verdammten Köter zurück, sonst knall ich ihn ab“, forderte er, dann lief er zum Fahrer und setzte dem seine Pistole an den Kopf. Der Bus machte einen Schlenker und wir wurden zur Seite geschleudert, aber der Fahrer fing ihn ab. „Fahr auf den Parkplatz der stillgelegten Waffelfabrik“, forderte Mirko ihn auf. Totenbleich kam der Fahrer seiner Anweisung nach. „Ganz nach unten“, bekam er dann die Order. Der Kerl war gar nicht so dumm, nun konnte man uns von der Straße aus nicht sehen. „Haben sie das Zeug, dann geben sie es ihm um Himmels Willen“, bat mich die Mutter nun. „Es ist sicher nicht Wert, das uns etwas geschieht.“ Sie hatte sicher Recht. Widerstrebend öffnete ich nun den Rucksack und warf ihn das Päckchen zu. Geschickt fing er es auf. „Danke, warum nicht gleich so“, meinte er dann höhnisch. Lachend sprang er aus dem Bus. Hätte er sich umgesehen, hätte er auch die Polizisten gesehen, die gerade um die Ecke bogen. So packten sie ihn im Moment seines Triumphes, rissen ihm die Pistole aus der Hand und legten ihm Handschellen an. Einer der Beamten schlug dem Busfahrer auf die Schulter. Prima Idee, den Funk anzuschalten, so wussten wir, wo wir suchen mussten. Ja ja, wenn einer eine Reise tut, der kann was erzählen und sei es nur in die nächste Stadt.
© By Gitte