Little Willy Wolf!

Er konnte es einfach nicht mehr erwarten. So oft hatte er sich gemeldet, bei dem Reinkarnations Programm. Nie war er bei den Auserwählten gewesen, aber beim letzten Mal hatte es geklappt, er würde wieder auf der Erde leben. Willy freute sich sehr, alles wieder zu sehen. Im Himmel war es zwar schön, aber er wollte weiter an seiner Vervollkommnung arbeiten und das ging nur unter Anfechtungen auf der guten alten Erde. Er stand kurz davor die Befähigung zu einem Engel zu erhalten, denn in seinem letzten Leben war er ein echtes Vorbild gewesen. Er hatte einer großen Familie vorgestanden, mit vier Kindern und sieben Enkelkinder, von denen er sehr geschätzt wurde. Etliche Freunde, Bekannten und Nachbarn erbaten seinen Rat, denn der war immer gut überlegt und Klug.

 

Es war der 28. Oktober 1999, seit 31 Jahren wartete er nun schon auf seine Wiedergeburt. Endlich war es überstanden, in der Gebärmutter war es sehr eng gewesen, scheinbar hatte er Geschwister. Blinzelnd öffnete er die Augen und schloss sie sogleich entsetzt wieder. Wer war das schwarze, pelzige Monster, das sich über ihn beugte und ihn mit feuchter Zunge ableckte? Scheinbar meinte das es gut mit ihm, aber es machte Willy Angst. Vorsichtig schielte er zur Seite und erblickte mehrere kleine schwarze Hunde Welpen. Was war das. Willy überlegte angestrengt. Das konnte doch nicht wahr sein, er war als Hund wieder geboren worden?! Vage erinnerte er sich an einen großen schwarzen Schäferhund, der auch zur Reinkarnation angestanden hatte. Konnte es eine Verwechslung sein, oder musste er sich nun auch als Tier bewähren? Fragen über Fragen.

 

Die nächste Zeit verging mit lernen. Gesa, seine Mutter war eine geduldige, aber strenge Lehrmeisterin. Wenn Willy sich müde nieder sinken ließ schubste und drängte sie ihn so lange, bis er sich wieder erhob und nach und nach wurde sein Gang und der seiner Geschwister sicherer. Sie lebten in einem Stall, auf einem Bauernhof. Willys Nase gewöhnte sich an die ungewohnten Gerüche, die er nun viel stärker empfand, wie früher als Mensch. Nach und nach verblasste die Erinnerung an sein vorheriges Leben. Er genoss es mit seinen Geschwistern auf dem Hof herum zu tollen und sich, wenn er müde war in das duftende Heu zu graben. Es war schon November und wurde langsam kalt. Willy hatte acht Geschwister und der Stress wurde für Gesa langsam zu viel, sie war bis auf die Knochen abgemagert, ihre Kinder saugten sie aus. Der Bauer fütterte zu und im November inserierte er in der Zeitung, junge Schäferhunde aus Hobby Zucht zu verkaufen.

 

Seit Gittes Kinder aus dem Haus waren, fühlte sie sich oft einsam und traurig. In der Adventzeit waren sie in Urlaub gefahren, mit dem Ziel, sich einen Hund anzusehen, sie waren im Tierheim in Soest gewesen, aber einen Schäferhund wollte man ihnen dort nicht geben, sondern einen der ungeliebten und gefürchteten Kampfhunde. Gittes sehnlichster Wunsch galt aber einem Schäferhund, in Gedenken an Ajax, den Hund, den der frühere Vermieter ihrer elterlichen Wohnung immer gequält hatte. Auch im Tierheim Lippstadt schickte man sie unverrichteter Dinge fort, weil bald Mittagspause war. Am letzten Urlaubstag schlug Gitte die Zeitung auf. „Schau mal, hier steht, junge Schäferhunde zu verkaufen“, las sie Jürgen vor. „Na dann ruf mal an und frage, was sie kosten“, riet der ihr. Gesagt, getan. Gitte traute kaum ihren Ohren, als sie nach der Adresse fragte und Westenholz hörte, wohnte sie doch in Westerholt, wenn das kein Omen war. Sie bat gleich vorbei kommen zu können und der Herr war einverstanden, also auf nach Westenholz.

 

Als sie den Hof gefunden hatte führte der Besitzer sie in den Stall, acht kleine Welpen wuselten dort durcheinander, sie wurden heraus gelassen und Gitte wusste sich vor Entzücken nicht zu lassen, sie streichelte hier und streichelte dort, sie hatte nicht Hände genug. Auch die Mutter wollte sie sehen und  mitleidig betrachtete sie das ausgezehrte Tier, das schnell vor ihren hungrigen Kindern flüchtete. Willy rannte mit seinen Geschwistern um das Paar herum, Jürgen betrachtete alle aufmerksamer als Gitte und sicher griff er sich Willy aus dem wimmelnden Pulk. „Der, den nehmen wir Gitte“, meinte Jürgen. Warum dieser, fragte sie zurück, „ich könnte mich nicht entscheiden, sie sind alle so niedlich.“ „Das ist der Frechste, er hat keine Angst und du hast selbst einmal gesagt, dass sind die intelligentesten Tiere“, erwiderte Jürgen. Gitte betrachtete Willy nun näher. „Sie las in seinen Augen Wärme, Treue, aber auch Schalk. „Du hast Recht“, entgegnete sie, „er hat Augen, wie mein Opa Willy.“ Willy erschrak, bis in die Tiefen seiner Seele. Das konnte es doch nicht geben, oder doch? Seine älteste Enkelin hatte Gitte geheißen und diese Gitte hatte einen Opa, der Willy hieß? Konnte das sein? Willy betrachtete Gitte aufmerksam und rechnete gleichzeitig. Gitte war 16 Jahre alt gewesen, als er starb, dass war nun 31 Jahre her, das hieße…..Sie müsste nun 47 Jahre alt sein. Das konnte hinkommen, sollte seine eigene Enkelin nun seine Herrin werden, dass war ein seltsamer Schicksalsstreich, vielleicht wollte der Herr aber so seine Demut und Geduld testen, wenn es denn so sein sollte, würde er sein Schicksal annehmen. Er blickte in gleichfalls braune Augen und es war ihm, als blicke er seinem Schwiegersohn, Gittes Vater in die Augen. Gitte nahm ihn auf den Arm. „Keine Angst kleiner Wolf, du wirst es gut bei mir haben“, flüsterte sie in sein kleines braunes Ohr, das noch herunterhing und hauchte einen Kuss darauf. Willy war völlig durcheinander, mit verzweifeltem Heulen verabschiedete er sich von seinen Eltern und Geschwistern und fuhr einer neuen Zukunft entgegen.

 

 

Willy war sehr verzagt zu Mute, gerade hatte er sich in seiner neuen Umgebung ein wenig eingelebt und schon änderte sich wieder alles. Willy heulte seine Verzweiflung heraus. In den voll gepackten Auto wuselte er herum, denn er hatte einen leckeren Geruch in der Nase. Endlich konnte e seinen Kopf in die Tasche wühlen und das Stück Wurst heraus ziehen. Er würde seiner Herrin schon zeigen was er wollte. Die lachte auch und ließ ihn das Stück Fressen. Na also, nun kuschelte er sich in ihren Arm und schlief.

 

In seinem neuen zu Hause fand er sich schnell zurecht, mit seiner Herrin kam er bestens zurecht, wen wundert es, sie kannten sich ja schon aus einem früheren Leben. Fast war es, als könnten sie gegenseitig in ihren Augen lesen, Gitte wusste wann Wölfchen Hunger hat, wann er spielen möchte, wann schmusen und wann laufen. Ebenso wusste Wölfchen, wann er seine Herrin in Ruhe lassen muss und wann sie zu einem Späßchen bereit ist. Wölfchen wuchs zu einem wunderschönen Tier heran und zwischen den beiden herrscht Harmonie pur. Wenn die Sache geplant war, würde der Herr mit beiden sicher zufrieden sein. Wolf hat ein traumhaftes Hundeleben bekommen.  

© By Gitte