Mairas Geschichte!
Wie freute ich mich für
meinen Cousin Andy, er hatte viel Pech im Leben, doch nun sah es so aus, als
habe sich das Blatt für ihn gewendet. „Gitte, ich bin verliebt“, jubelte er am
Telefon. „In die herrlichste Frau der Welt und weißt du was, sie hat ein
entzückendes Töchterchen und die heißt Maira.“ Maira, ein Elfenname, dachte ich
bei mir und ich ahnte nicht im Geringsten, wie richtig ich damit lag.
Drehen wir die Zeit fünf
Jahre zurück, bis zu dem Zeitpunkt von Mairas Geburt. Was keiner außer mir weiß
es, auf dem Weinberg in Werden wohnen Elfen. Vor etlichen Jahrzehnten hatte ich
sie kennen lernen dürfen, doch so sehr ich in der folgenden Zeit auch nach
ihnen suchte, ich entdeckte nie wieder eine, es ist wohl so, dass einem so ein
Erlebnis nur einmal im Leben geschieht. Dennoch gab es dort immer noch das
Elfenreich, nur ist es für die Menschen unsichtbar. Vor fünf Jahren nun hatte
die Königin Ireth ein Kind bekommen. Wenn ihr nun denkt, wie geht denn, das
muss ich euch erklären das Elfen nicht in dem Maße altern wie wir Menschen,
irgendwann lösen sie sich auf und ihr Staub setzt sich auf eine Blume, ihr
erkennt sie dann an einem wunderbaren Glanz, bis dahin allerdings bleiben sie
wunderschön und jung. Ireth hatte also ein Kind bekommen, genauer gesagt ein
Mädchen und ich bin sicher, ihr ahnt es bereits, sie nannte es Maira. Nun ist
es so, das es im Leben immer gut und böse gibt, daher liegt direkt neben dem
Elfenreich das Reich der Trolle und die sind böse, sehr böse um genau zu sein. Ihr
König heißt Zaddark. Als er nun vor dem Reich der Elfen einen winzigen
Kinderwagen entdeckte, in dem die kleine Maira in der warmen Sonne schlief,
ließ er sich die Gelegenheit natürlich nicht entgehen und raubte sie. Orelinde,
die auf die kleine Maira aufpassen sollte war eingeschlafen und als sie
erwachte war das Unglück geschehen. Das ganze Elfenreich trauerte um die
geraubte Prinzessin, doch so sehr man auch nach ihr suchte, man fand sie nicht.
Zaddark hatte sie in eine fremde Stadt gebracht. Auf der Flucht hatte er in
Neuss in einem Garten einen Kinderwagen entdeckt. Mit einem Zauber, wie Trolle
ihn beherrschen, streifte er einmal über Mairas Gesicht und sie sah genauso
aus, wie das kleine schlummernde Mädchen in dem Kinderwagen, der dort im Garten
in der Sonne stand und er vertauschte die Kinder. Danach wartete er, er musste
sicher sein, das die Mutter nichts bemerkte. Kurze Zeit später kam Martina in
den Garten. Seufzend beugte sie sich über ihr schlafendes Kind. „Wenn mir doch
nur ein Name einfallen würde.“ Zaddark hätte jubeln können. Er schlich sich an
Martina heran, da er unsichtbar war konnte sie ihn nicht sehen. Doch sie roch
ihn, Trolle stinken nämlich. Empört runzelte sie ihr kleines hübsches Näschen
und blickte sich um, um den Grund für diesen schlimmen Geruch nach faulen Eiern
zu entdecken. Gleich darauf aber entspannte sie sich. „Maira“, hatte Zaddark ihr ins Ohr geraunt. Sie strahlte und vergaß den
Geruch. „Maira“, flüsterte sie, so sollst du heißen.“ Die kleine Maira wuchs
nun wie jedes andere Menschenkind auf, aber tief in ihrem Inneren wusste sie
es, sie war anders, sie war etwas ganz besonderes.
Weil wir Menschen feste
Sachen tragen, Hemden und Pullis, konnten Mairas Flügel sich nicht entwickeln
und äußerlich unterschied sie sich deshalb kaum von anderen Kindern, außer
vielleicht, das sie ungewöhnlich hübsch war. Nun waren seit ihrer Geburt fünf
Jahre vergangen. Martina war mit ihr nach Essen-Werden gefahren, um ihrem
Töchterchen den Ort zu zeigen, in den sie aufgewachsen war. Maira war begeistert,
instinktiv fühlte sie sich in dem kleinen Städtchen an der Ruhr zu Hause. Dort
begegneten sie dann auch Andreas. Sie kannten sich schon als Kinder, Mairas
Mama Martina und mein Cousin und nun als sie sich wieder sahen funkte es gleich
zwischen ihnen, so kam es, das Martina mit Maira nach Werden zog.
Mein Cousin wohnt an der
Velberter Straße. Ja genau, direkt gegenüber vom Weinberg. So dauerte es dann
auch nicht lange, bis Orelinde auf einem ihrer Erkundungsflüge Maira entdeckte.
Woran wollt ihr wissen? Es waren ja fünf Jahre vergangen und aus dem Baby war
ein reizendes junges Mädchen geworden. Dazu müsst ihr wissen, das alle Elfen
einen für Menschen unsichtbaren Stern aus Diamantstaub auf ihrer Stirne haben
und der blitzte nun so sehr in der Sonne, das Orelinde geblendet wurde und fast
vor lauter Schreck sichtbar geworden wäre. Sie fing sich jedoch schnell wieder
und aufgeregt flog sie ins Elfenreich, um Ireth zu sagen das sie Maira gefunden
hatte. Doch auch jemand anders hatte Maira entdeckt. Zaddark trieb sich immer
in der Nähe der Elfen herum und so kam es, dass auch er Maira entdeckte, die
nichts ahnend auf dem Weg zum nur wenige Meter entfernten Bäcker war um die
Morgen Brötchen zu kaufen. Als sie sich mit den noch warmen Brötchen auf den
Heimweg machte, bemerkte sie nicht die Scharen von Elfen, die sie aufgeregt
umflatterten. Orelinde war glücklich ihren Fehler von damals, als sie Maira
bewachen sollte und eingeschlafen war wenigstens zum Teil gut machen zu können.
Nun, da sie wusste wo Maira am Morgen ihre Brötchen holte nahm sie
Menschengestalt an und bewarb sich bei diesem Bäcker als Verkäuferin, nun
konnte sie in Mairas Nähe sein und sie vielleicht beschützen, wenn es nötig
sein würde, wie bald das der Fall sein sollte, ahnte sie jedoch nicht. Maira
hatte die neue, nette Verkäuferin gleich in ihr Herz geschlossen. Immer fand
sie in der Brötchentüte eine zusätzliche Leckerei, wie sie sie köstlicher nie
gegessen hatte. Die brachte Orelinde immer mit, von daheim aus der
Elfenbäckerei. Eines Morgens stockte ihr Herzschlag, im Personalraum, indem sie
sich während ihrer Pausen aufhielten entdeckte sie ein bekanntes Gesicht.
Zaddark saß dort und grinste ihr zu. Das könnte nur bedeuten, er wusste wo Maira
sich aufhielt. Mittags betrat Maira den Laden erneut. Sie lächelte Orelinde zu
und begab sich in den großen Verkaufsraum hinter der Bäckerei. Sie verweilte am
Obststand. Orelinde konnte nicht anders, sie verließ ihren Platz und sah nach Maira.
Ihre schlimmsten Befürchtungen wurden wahr. Sie unterhielt sich mit dem
Obstverkäufer und der war kein anderer als Zaddark. Ohne Nachzudenken nahm
Orelinde ihre Elfengestalt an und schnappte die überraschte Maira sie schüttelte wie damals Ireth bei mir ihre Flügel und ein
Schwall regenbogenfarbener Partikel fiel über das Kind. Nun war Maira klein wie
eine Elfe und besaß ebenfalls Flügel. Orelinde nahm sie bei der Hand und flog
mit ihr so schnell sie konnte zum Eingang des Elfenreiches. Gott sei Dank sind
Trolle plumper und ehe Zaddark sich fluchend an die Verfolgung machte waren die
Beiden verschwunden. Maira kam aus dem Staunen nicht heraus. Hätte sich das
Ganze langsamer abgespielt, sicher hätte sie Angst gehabt, aber so ließ sie
sich einfach treiben von den herrlichen ungewöhnlichen Ereignissen.
Wie damals Ireth öffnete
Orelinde den Eingang zum Elfenreich mit einem Diamanten, den sie aus der Tasche
ihres hauchdünnen Kleidchens zog. Kaum hatte sich die Türe hinter ihnen
geschlossen, als sie wütendes Gehämmer hörten. Zaddark polterte dagegen und
schrie dabei vor Wut. Orelinde reichte Maira eine Sonnenbrille, damit sie das
Gefunkel der Diamantwände und der Sterne, die die Decke beleuchteten ertragen
konnte. Entgegen ihrer Art stand das Plappermäulchen Mairas nun vor Staunen
stille. Vorsichtig fuhr sie mit den Händchen über die funkelnden Wände und
jauchzte dabei vor Wonne. Plötzlich erblickte sie eine Frau, die sie lächelnd
musterte und ihr die Hände entgegenstreckte. Hatte Maira bisher Martina, ihre
Mutter für die schönste Frau der Welt gehalten, stand sie nun einem faszinierenden
Wesen gegenüber und sie staunte, wie ich gestaunt hatte. Ireth hatte sich nicht
verändert, ihre alabasterfarbene Haut schimmerte, ihre Haare glänzten wie
goldener Honig. Ihre Kleider waren aus spinnwebfeinem Tüll und ihre
hauchfeinen, durchsichtigen Flügel funkelten wie ein Regenbogen. Maira staunte
sie mit offenem Mund an. Da breitete Ireth die Arme aus und Maira schmiegte
sich hinein. Sanft zog sie sie in ihren Palast und ließ dem Kind Zeit sich
umzusehen. Nie hätte Maira geglaubt, dass es so ein herrliches Zimmer geben
könnte. Die Möbel waren aus Gold und bezogen mit feinem Samt. Langsam kam sie
zu sich. „Darf ich wieder zurück“, wollte sie ängstlich von Ireth wissen? Denn
so wundervoll es hier auch war, ihre Mutti wollte sie nicht verlieren. Ireth
nickte. „Aber sicher mein Kind, ich möchte dir aber vorher die Geschichte
deiner Herkunft erzählen. Mairas Augen wurden immer größer, als sie erfuhr,
dass sie ein wahrhaftiges Elfenkind war. Tröstend streichelte sie Ireths Arm,
den diese um sie gelegt hatte und der nun in der Erinnerung helle Tränen über
die Wangen liefen. Wenn sie zu Boden rollten, klackte es leise und als Maira
neugierig eine aufhob, bemerkte sie, dass es kleine Diamanten waren. Schließlich
bat Maira darum heimgebracht zu werden, weil man sich sicher schon um sie
sorgte. „Keine Angst“, klärte Ireth sie auf, im Menschenreich sind seit deinem
Verschwinden erst Sekunden vergangen, dort ticken die Uhren anders als hier.“
Sie reichte Maira einen Ring. „Wann immer du Hilfe brauchst, begib dich auf den
Weinberg, suche den alten Apfelbaum, dann nimmst du diesen Ring und mit ihm
kannst du die Türe zu meinem Reich öffnen. Gib gut Acht auf das Geheimnis, dann
hast du immer einen Zufluchtsort in deiner zweiten Heimat und nun geh mein
Kind.“ Sie küsste Mairas Scheitel und wies Orelinde an die Prinzessin zurück zu
bringen. Ehe Maira sich versah, stand sie vor ihrer Haustüre. „Woher hast du
diesen herrlichen Ring“, wollte Martina wissen. Maira lächelte nur. „Gefunden“,
behauptete sie.
Als ich sie kennen lernte und
den Ring bemerkte blickte ich forschend in ihr Gesicht. Verständnisinnig
lächelten wir uns an. Wir teilen nun das Geheimnis des Elfenreichs.
©By
Gitte