Mein Freund!

David hatte ein Problem, er war allein. Er konnte sich nicht entsinnen wann alles begonnen hatte. Es war ein schleichender Prozess gewesen. Seine Mutter war krank geworden und sein Vater hatte angefangen zu trinken. Zuerst nur am Abend, aber nach einer Weile trank er auch am Tage. Als seine Mutter zum Erliegen kam, versuchte David den Haushalt ordentlich zu halten und für Nahrung zu sorgen, aber he, er war ein kleiner Junge der gerade zehn Jahre alt geworden war. Sein Geburtstag war gestern gewesen und niemand hatte daran gedacht. Davis hatte die Zähne zusammen gebissen und seine Pflicht getan. Aber nun am Abend überfiel ihn das ganze Elend. So konnte es nicht weitergehen. Keiner sorgte sich um ihn, keiner hatte ihn lieb. Nun reichte es, er war am Ende seiner Kräfte. Sollten sie doch sehen wie sie ohne ihn klar kamen. David war plötzlich hellwach. Glasklar sah er seinen Weg vor sich, er musste fort, wenn er nicht auch zu Grunde gehen wollte.

 

Leise schlüpfte er in seine Jeans, zog sein T-Shirt über den Kopf, Socken und Turnschuhe an, dann stopfte er eine Jacke in seinen Rucksack und verließ leise die Wohnung. Über das Wohin hatte er noch nicht nachgedacht, er war einfach einem Impuls gefolgt. Nur fort hämmerte es in seinem Kopf. Genug ist genug. Unterwegs, als der frische Nachtwind ihm den erhitzten Kopf kühlte begann er nachzudenken. Eine Jugendherberge wäre gut gewesen, aber er hatte kein Geld. Wann immer Geld im Haus war nahm es sein Vater und kaufte Schnaps dafür. Wie hatten es die Leute früher gemacht? Sie ernährten sich von Beeren, Kräutern und Früchten. Schlimmer kann es nicht werden beruhigte er sich selbst und lief drauflos. Zum Glück war es Sommer und die Temperatur angenehm. Nach einer Weile gelangte er an einen Waldrand.

 

Erschöpft ließ er sich an einem Baumstamm nieder. Nur ein wenig ausruhen dachte er. Aber als er langsam zur Ruhe kam, das Brausen in seinem Kopf nachließ und das aufgeregte Klopfen seines Herzens vernahm er die Geräusche des Waldes. Wie unheimlich der Wind in den Kronen der Blätter rauschte. Wenn sich nun ein wildes Tier anschleichen würde hörte er es wohlmöglich gar nicht. Und wenn schon, wenn er gefressen wurde, dann war es sein Vater Schuld, dann konnte er mal sehen wie es weiterging. Wenn der Wind sanft durch die Blätter strich und sie sich bewegten erfüllte sich der Wald mit unheimlichen Leben. David kniff die Augen zu. Doch der Effekt war nicht wie er sich das gedacht hatte. Im Gegenteil, weil er nichts sah hörte er umso besser. Unheimlich knackte brauste und raschelte es um ihn herum. Wut und Angst stritten in ihm. Sollte er aufgeben? Zurück gehen?  Etwas streifte sanft seine Wange und selbst hinter seinen geschlossenen Liedern sah er eine merkwürdige Helligkeit.

 

Er hielt es nicht aus und riss die Augen auf, um sie sofort wieder zu schließen. Langsam blinzelte er und als sich seine Pupillen an das Licht gewöhnt hatten sah er einen kleinen Jungen, der irgendwie leuchtete. Er sagte erst einmal nichts, sicher bildete er sich etwas ein, ein leuchtender Junge, Pah das gab es nicht, vielleicht im Märchen, aber dafür war er eindeutig zu groß. Oder im Traum? Sachte drückte er seine Nägel in seine Handballen. Au das schmerzte, er schlief also nicht oder er träumte wirklich merkwürdig. „He du“, sagte der Knirps. „Ja?“, antwortete David kurz. Er der nun nicht gerade auf den Mund gefallen war wusste einfach nicht wie er reagieren sollte. „Du bist David“, nicht war“, stellte der Kleine fest?“ David nickte. „Dich habe ich gesucht.“ Davids Augen wurden groß. „Was willst du von mir, brauchst du etwa auch Hilfe? Als wäre ich der einzige Mensch auf Erden, ich habe wahrhaftig Probleme genug.“ Der Kleine nickte. „Ich weiß, darum bin ich hier.“ „Warum“, wollte David wissen, „wegen mir?“ „Ja genau, er hat gesehen und bemerkt wie unglücklich du bist, deshalb hat er mich geschickt.“ „Wer hat dich geschickt“, fragte David. „Na ER, Gott was dachtest du denn?“ „Den habe ich nicht um Hilfe gebeten und er hat sicher genug zu tun, als sich um meine Probleme zu kümmern“, wehrte David ab. Der Junge blickte plötzlich ernst. „Nein, hat er nicht. Wenn eines seiner Kinder ein Problem hat dann macht ihn das traurig und wenn es nicht gerade zu einer Prüfung gehört dann versucht er zu helfen. Darum hat er mich geschickt. Weißt du ich bin ein kleiner Stern, ein klitzekleiner um genau zu sein, ich wohne rechts neben dem großen Wagen und bin fast nicht zu sehen. Nun darf ich mich hier bewähren und wenn ich meine Aufgabe gut mache, dann wachse ich und strahle heller vom Himmel.“ David blickte zweifelnd. „Kann es sein, das du nicht ganz richtig im Kopf bist?“ „Vielleicht bist du derjenige, der ein Problem hat“, grinste der Knirps. Also so was, der war ja echt cool drauf. David verschlug es die Sprache, dann besann er sich. „Wie willst du mir denn helfen“, fragte er skeptisch? Aber in seinen Augen glomm ein Hoffnungsschimmer auf.

 

„Bitte erzähle mir alles und dann werden wir nach einem Ausweg suchen“, schlug der Sternenjunge vor.

 

„Na zuerst einmal kannst du Gott bestellen, das ich es echt fies finde das meine Mutter so krank ist“, legte David los. „Sachte, sachte“, beschwichtigte das Sternenkind. „Weißt du Gott hat für alles was er uns schickt seine Gründe, auch wenn wir sie nicht gleich verstehen.“ „Ach und mein Vater, warum wäscht er ihm nicht mal den Kopf? Er säuft und kümmert sich um nichts. Er sollte krank sein und nicht meine Mutter.“ Davids Augen funkelten böse. Der Sternenjunge hockte sich neben ihn. „Er IST krank David. Weißt du er ist schwach und flüchtet sich in den Alkohol, der ihn seine Probleme einen Weile vergessen lässt, du bist stark, das warst du immer. Er schämt sich und er liebt deine Mutter über alles, er würde ihr so gerne helfen, aber das liegt leider nicht in seiner Macht, so viel weiß ich genau. Wir sollten versuchen ihm zu helfen.“ „Warum ändert er sich dann nicht“, wollte David nun viel leiser wissen und Tränen schwangen in seiner Stimme mit. „Ach David, Kinder denken immer Erwachsene schaffen alles, nur weil sie groß und stark sind, aber manchmal verlässt sie der Mut und dann brauchen sie Hilfe, wollen wir versuchen mit deinem Vater zu reden? Ihm Hilfe anzubieten?“ David nickte.

 

Wortlos reichte das Sternenkind ihm seine Hand und zog ihn mit sich fort. Als sie zu dem Haus kamen indem David wohnte brannte in jedem Zimmer Licht. Sein Vater lief gerade in den Garten und er schwankte nicht einmal. „David, Junge da bist du ja, ich habe mir solche Sorgen gemacht.“ Er nahm ihn in seine immer noch starken Arme. „Woher weißt du dass ich fort war“, wollte Davis wissen? „Jeden Abend schaue ich in dein Zimmer und sage dir gute Nacht, du schläfst dann immer schon völlig erschöpft. Ich weiß, ich habe dir viel zugemutet, denn im Moment bekomme ich nicht einmal mein eigenes Leben auf die Reihe, aber das muss sich ändern. „Das ist mein………..“, begann David, aber als er den Sternenjunge vorstellen wollte erblickte er nur einen Schatten, der sich in einen Lichtstrahl verwandelte und zum Himmel aufstieg. Er folgte ihm mit seinen Augen und plötzlich erstrahlte neben dem großen Wagen ein neuer heller Stern. Es sah aus, als habe er ein winziges Gesicht, das hell leuchtete. „Was wolltest du sagen“, fragte sein Vater nach? „Ach nichts, heute strahlen die Sterne besonders schön“, meinte David. Er spürte plötzlich soviel Kraft in sich, er konnte alles schaffen.

 

Wie heißt es so schön im Volksmund?

Wenn du schon glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.

 

By Gitte