Nur ein Scherz!

Kennt ihr diese unechten Diamanten, die es heute an jeder Ecke zu kaufen gibt? Warum ich meinen mit in den Urlaub nahm, weiß ich wirklich nicht, ob ich ein wenig heimatlichen Luxus in unser Ferienhaus mitnehmen wollte? Jedenfalls war es fast unbewusst, das ich ihn in meinen Rucksack steckte und fast vergaß.

 

Unsere Wirtin war sehr nett. Sie besaß einen großen Bauernhof im wunderschönen Sauerland und drei zauberhafte Ferienhäuser, von denen wir eines bezogen. Es war ein strahlend schöner Frühlingstag, direkt geschaffen zu Wandern. Mit unserem Schäferhund Wolf, der ausgelassen um uns herum tobte gingen wir durch den Arnsberger Wald, der in den vier Tagen unseres Hier seins herrlich ergrünt war. Fast jeder Weg wird dort von einem kleinen Bach gesäumt, der munter plätschernd den Spaziergänger begleitet. Mein Mann bekam Durst und ich schaute in meinem Rucksack nach einem Getränk. Dabei bekam ich den Stein in die Hand, ich verbarg ihn in meiner Tasche, denn mir war eingefallen, dass man Sundern, den Nachbarort, das Diamantendorf nannte, warum also nicht auch hier? „Halt mal bitte“, mit diesen Worten drückte ich meinem Mann Wölfchens Leine in die Hand und bückte mich zu dem Bächlein. „Sieh nur, wie klar das Wasser ist und was glitzert denn da?“ Unauffällig hatte ich den Stein aus meiner Tasche gezogen und hielt ihn meinem Mann hin. „Schau dir das an, ein Diamant.“ Im ersten Augenblick war er überrascht, doch dann lachte er schallend. „Was für ein Fund, so groß und schon so schön geschliffen.“ In meinem Kopf war ein Gedanke gereift. Sundern, zwei Kilometer von hier ein Diamanten Dorf, was wenn ich nun so tat, als wäre ich hier auch fündig geworden?

 

In unserem Ferienhaus legte ich den Stein auf die Fensterbank und wenn die Sonne ihn traf funkelte er herrlich in allen Regenbogen Farben. Es war nur eine Frage der Zeit, bis unsere Vermieterin, die das Nachbarhaus für die neuen Mieter putzte, ihn bemerkte. Als ich am anderen Tag bei ihr die Milch holte, fragte ich beiläufig, ob man hier irgendwo Siebe bekommen könne, so in der Art wie Goldgräber sie benutzen. Sie wurde sehr nervös. „Was wollen sie denn damit“, wollte sie wissen, „haben sie etwas gefunden?“ Betont gleichmütig zuckte ich mit den Achseln. „Ach nur so, im Nachbarort fand man ja auch Diamanten und hier gibt es so viele Bäche, vielleicht wurde da etwas hierher gespült.“ Sie bekam glänzende Augen, während sie laut überlegte. „Das wäre vielleicht möglich, wenn ich morgen in die Stadt fahre, werde ich nach einem Sieb schauen und es ihnen bringen.“ Freundlich bedankte ich mich und lief heim. Als ich meinem Mann berichtete was ich getan hatte, schüttelte er den Kopf und meinte: „Du wirst nie erwachsen.“ Will ich auch gar nicht“, lachte ich, „gib zu, dafür liebst du mich.“

 

An nächsten Tag um die Mittagszeit schellte unsere Wirtin und brachte mir ein Sieb, ähnlich wie Kinder sie im Sandkasten benutzen, ich dankte ihr freundlich. „Wo beginnen sie denn zu suchen“, wollte sie wissen und musterte den unechten Diamanten auf dem Fensterbrett. Als sie bemerkte, dass ich ihrem Blick gefolgt war, wurde sie rot. Schnell schloss ich die Türe etwas mehr und verbarg den Stein scheinbar erschrocken vor ihr. „Oben, hinter der Skihütte“, gab ich scheinbar unwillig Auskunft. Sie verabschiedete sich und ich sagte grinsend zu meinem Mann: „Sie hat es gefressen.“ Er schüttelte den Kopf. „Wenn das rauskommt brauchen wir hier nicht mehr hinzukommen.“ „Warum sollte es, vielleicht findet ja wirklich jemand was, wenn auch nicht so ein schönes Stück wie den hier“, lachte ich und streichelte meinen Diamanten.

 

Am Abend saßen wir wie immer beim Schein einer Kerze in dem wunderschönen Wintergarten, als Wölfchen plötzlich aufmerksam wurde. Schnell löschte ich die Kerze und im Mondschein sah ich unsere Wirtin und ihren Mann mit Sieben und Petroleum Lampe bewaffnet den Skihang hinaufsteigen. „Guck mal“, grinste ich, „Schatzsucher.“ Wenig später gingen wir zu Bett. Als ich am nächsten Morgen aufstand, wie immer in der Dämmerung um fünf Uhr, bemerkte ich unsere Wirtin wieder mit dem Sieb in Richtung Skihang laufend. Als sie Stunden später wieder das Nachbarhaus putzte sah sie erschöpft aus und ich schämte mich. Am folgenden Tag trauten wir unseren Augen nicht, viele Leute mit Sieben liefen herum, mein Scherz nahm groteske Formen an. Am Wochenende kamen Scharen, die sich alle in den Bach hockten. Hoffentlich findet keiner was, sonst ist es mit der beschaulichen Ruhe in dem schönen kleinen Sauerland Ort vorbei und wie müssen uns wegen meines dummen Scherzes ein neues Ferienparadies suchen. Die Moral von der Geschichte, über Geld scherzt man nicht.

By Gitte