Pixy Dixy!

Es war ein wunderbarer Maitag mit Bilderbuch Frühlingswetter. Sonnenstrahlen tauchten die Welt in fröhliche Farben und mein Mann hatte eine grandiose Idee. „Weißt du was? Wir fahren in den Urlaub“, meinte er so nebenbei. Ich hatte am Fenster gestanden und dem Vogelgezwitscher gelauscht. „Was hast du gesagt“, fragte ich verwirrt?“ „Urlaub“, hakte er nach. „Wir fahren in den Urlaub. Husch meine liebe Gattin, Koffer packen.“ „Ja aber……..“mir fehlten die Worte was weiß Gott nicht oft vorkommt. „Wir haben nichts gebucht“, erinnerte ich ihn zaghaft. „Wir werden einfach mal spontan sein. Hier in der Umgebung gibt es zauberhafte Ecken, wir fahren ins Blaue sozusagen und wo es uns gefällt da bleiben wir. Es muss ja nicht für lange sein“, entschied er. Seit mein Mann in Rente war erkannte ich ihn nicht wieder. Der Stress war von ihm abgefallen und er besaß seine alte Energie wieder. Gerne ließ ich mich anstecken. „Ein Grinsen überzog mein Gesicht. „Okay“, strahlte ich plötzlich mit dem Tag um die Wette, machen wir Urlaub.“ Schnell flitzte ich ins Schlafzimmer und in Null Komma nix hatte ich meine Sachen gepackt während mein Mann parallel dazu seine Reisetasche füllte. Wölfchen unseren Hund angeleint und ab ins Auto. Das Leben kann so schön sein.

 

Welche Richtung“, begehrte mein Mann zu wissen? „Fahr doch einfach zum Baldeneysee“, riet ich ihm, da gibt es viele zauberhafte Ecken. Unterwegs grübelte ich über das genaue wohin nach. Dann fiel es mir ein und ich strahlte. „Wolfsbachtal“, stieß ich hervor.  „Das ist gut“, merkte meine Mann an, da gibt es wunderbare Ecken, die Ruthermühle beispielsweise.“ Wir hatten uns ziemlich laut unterhalten müssen, denn wie immer am Anfang einer Fahrt bellte Wölfchen ohne Ende und wer je einen Schäferhund auf kleinstem Raum hat bellen hören weiß das geht durch Mark und Bein. Das war auch einer der Gründe warum wir selten mit dem Auto fuhren. Irgendwann verstummte er und legte sich nieder. Nun konnten auch wir uns entspannen. Die Fahrt dauerte nicht allzu lange und dann tat sich vor unseren Augen das wildromantische Wolfsbachtal auf. Wir bogen von der Ruhrtalstraße ab und fuhren auf dem einzigen Weg hinein. Links und rechts der Straße ragten hohe Tannen in den hellblauen Himmel. Der Tag war perfekt. Langsam zuckelten wir dahin bis mein Mann plötzlich bremste. „Was ist denn los“, verlangte ich zu wissen. Er deutete auf ein großes verschnörkeltes Haus, das in einem zauberhaften Garten stand. Ferienwohnung zu vermieten, stand dort auf einem Schild. Wir sahen uns an und grinsten. Das kam ja wie bestellt. Wir verließen das Auto indem Wölfchens Protest Gebell erscholl und liefen zum Haus. Wolf stand auf der Klingel. Das passte, ich drückte den Knopf und im Haus ertönte ein Gong. Kurze Zeit später öffnete uns eine Dame. „Guten Tag, wir möchten uns nach der Ferienwohnung erkundigen“, eröffnete ich das Gespräch. „Allerdings haben wir einen Hund“, fügte ich an. Die Frau zögerte. „An sich ist das kein Problem“, setzt sie an. „Prima“, antwortete ich und lief schnell zum Wagen um unseren Hund zu holen. Am Ende überlegte sie es sich noch anders und das wollte ich auf gar keinen Fall riskieren. In diesem Hause würden  wir einen herrlichen Urlaub erleben können, da war ich mir ganz sicher. Mit Wölfchen an der Leine kam ich zurück. „Er ist ein ganz Lieber“, klärte ich sie auf, denn ich dachte sie hätte vielleicht Angst vor ihm. „Er heißt übrigens wie sie.“ Verblüfft blickte die Frau des Hauses mich an. „Na Wolf“, lachte ich und sie lachte mit.  Das Eis war gebrochen.

 

„Wie verhält er sich bei kleinen Tieren“, wollte Frau Wolf noch wissen. „Kleine Tiere? Meerschweinchen, oder so etwas? Plötzlich gab  es einen Ruck und Wölfchen stürmte ins Haus. Was sollte denn das? Das hatte er noch nie gemacht. „Oh nein“, jammerte Frau Wolf, „er wird ihr doch nichts tun? Ich weiß nicht ob sie in ihrer Kiste ist.“ Wir hetzten hinter ihm her. Schwanzwedeln stand er vor einem hölzernen Kästchen und fiepte, das machte er sonst nur bei Welpen. Aufgeregt leckte er das Kästchen ab. Frau Wolf nahm es hoch. „Bitte halten sie ihn gut fest, er darf sie nicht fressen.“ Fressen? Wen? Sie hielt das Kästchen in Brusthöhe. Was war darin? Ein Vogel? Ein Schmetterling? Langsam öffnete sie den Deckel und etwas huschte hinaus, eine Biene? Es blieb in der Luft stehen und rotierte. Selbst Wölfchen saß nun still und staunte. Plötzlich machte es „Boff“ und eine schmale Gestalt sank in den bereitstehenden Sessel. „Hallo Dixy“, grüßte Frau Wolf grinsend, während sie unsere sich maßlos dummen Gesichter betrachtete. Im Sessel saß nun ein Mädchen, ein Kind schätzungsweise 8 Jahre alt und das sah unglaublich aus. Sie hatte ein breitflächiges sehr weißes Gesicht das mit unzähligen Sommersprossen gesprenkelt war und feuerrote Haare. Dazu trug sie grün/rote Kleidung. Die Strümpfe waren so geringelt. Dazu ein grünes Röckchen und ein rotes Shirt. Auf dem Kopf prangte ein grünes Hütchen mit einer Feder besetzt. Das Beste aber waren die Schuhe, sie waren grün und liefen vorn spitz zu. Die Spitze bog sich nach oben, so stellte ich mir die Schuhe des kleinen Muck vor. Das ganze Persönchen strahlte und gab einen seltsamen Singsang von sich. Lauschen streckte ich den Kopf vor um etwas zu verstehen. Frau Wolf legte ihre Hand auf meinen Arm. Das ist Pixisch, das verstehen wir nicht. Fragend blickte ich sie an. Sie deutete auf die Sitzgruppe und bat uns Platz zu nehmen. „Ich werde uns schnell eine gute Tasse Kaffee kochen, dann komme ich wieder und erzähle ihnen was es mit Dixy auf sich hat“, sagte sie zu uns. Nun konnte ich in aller Ruhe das zauberhafte Persönchen betrachten. Ihre Augen standen leicht schräg und schillerten in einem Türkisfarbenen Blau. Sie würde eine Schönheit werden, wenn sie erwachsen war und sich nicht ganz so schrill kleidete. Über meinen Gedanken war einige Zeit vergangen und Frau Wolf trat mit einem Tablett wieder in den Raum. Sie stellte jedem von uns eine Tasse hin und goss dampfenden Kaffee hinein. Dixy bekam eine Glas warme Milch mit Honig wie wir erfuhren. Behaglich lehnten wir uns zurück und Frau Wolf begann zu erzählen.

 

Sie berichtete und das es Elfen und Wichtel wirklich gab. Den Elfen war es streng verboten sich mit Wichteln zu paaren. Eines Tages geschah es dennoch das sich ein Elfenmädchen das Ettig hieß in einen Wichtelmann verliebte. „Moment mal“, bat ich. „Ettig ist Gitte umgedreht und Gitte das bin ich.“ Mit dem Finger zeigte ich auf meine Brust. „Tatsächlich“, staunte Frau Wolf? „Nun vielleicht hat das ja was zu sagen, vielleicht führt ihr Weg sie deshalb hierher, damit sie Dixy kennen lernen?“ „Entschuldigen sie, bitte fahren sie fort“, bat ich sie. Sie sammelte sich kurz und wollte weiter berichten.  „Moment“, bat ich sie, „sagen sie nur der Wichtel hieß Negrüj?“ Erstaunt blickte sie mich an. „Genau, woher wissen sie das? Das ist doch ein total ungewöhnlicher Name.“ „Nicht wenn man ihn umdreht“, klärte ich sie auf. Auf meinen Mann deutend sagte ich: „Jürgen.“ Sie überlegte. „Tatsächlich, die Beiden hießen Gitte und Jürgen umgedreht, na wenn das nicht merkwürdig ist.“ Dann erzählte sie weiter. Ettig und Negrüj bekamen ein Kindchen und da sich nun eine neue Gruppe Bildeten aus Elfen und Wichteln nannten sie sich Pixys. Das erste Kindchen dieser neuen Vereinigung nannten sie Dixy, Dixy vom Stamm der Pixys. Elfen und Wichtel haben eine Menge Humor müsst ihr wissen.“ „Versteht sie uns“, wollte ich wissen? Frau Wolf nickte. Diese Wesen können eine Menge mehr als wir, aber Dixy spricht unsere Sprache nicht, verstehen kann sie aber alles.“ Eine Frage brannte in mir. „Warum trägst du so auffallende Sachen“, wollte ich wissen? „Man sieht dich doch gleich und das soll doch sicher nicht so sein, oder?“ Dixy kicherte was sich ein wenig wie Vogelgezwitscher anhörte, dann nahm sie ein Kästchen zur Hand und ließ es aufspringen. Mit gekrümmten Zeigefinger winkte sie mir ich solle näher kommen. Sie deutete auf das Kästchen und ich sah hinein. Es sah aus wie ein Kompass, oder nein. Halt das war mehr ein Witchboard in rund. Sie schnurrte etwas hinein und der Zeiger drehte sich wie wild. W-E-L-C-H-E-S  S-I-N-D  DE-I-N-E  L-I-E-B-L-I-N-G-S-F-A-B-E-N stand da. Das war genial. Ich strahlte. Pastell, rosa und hellblau Beispielweise. Dixy schnippte mit den Fingern und nickte dazu mit dem Kopf. Danach erstrahlte sie in süßen zarten Farben. Es stand ihr zu dem roten Haaren überhaupt nicht. „Du siehst aus wie eine Zuckerstange“, entfuhr es mir. Sie lachte, schnippte erneut und sah aus wie vorher. Ich nickte, „Man gewöhnt sich dran, es unterstreicht deinen Typ“, fand ich nun. Ich wendete mich nun wieder Frau Wolf zu. „Weshalb wohnt sie hier und nicht bei ihren Eltern“, begehrte ich zu wissen. Erschrocken sah ich wie kleine schillernde Tränen über Dixys Wangen liefen. „Wie schon gesagt, den Elfen war es verboten sich mit Wichteln zu paaren, man verurteilte die drei zum Tode. Kurz zuvor gelang es Ettig Dixy in einem Blumenkelch zu verstecken. Als ich vor einigen Tagen im Garten Wäsche aufhing hörte ich ein jämmerliches Fipsen. Ich suchte und horchte und suchte und horchte, schließlich fand ich die Ursache in den geschlossenen Blütenblättern einer Tulpe. Vorsichtig zog ich ein Blatt herunter und sah ein kleines jämmerlich schluchzendes Geschöpfchen. Das trug ich in meiner Hand ins Haus und wie ihr es auch eben erlebt habt stand plötzlich Dixy vor mir, noch ein wenig kleiner aber sonst so wie ihr sie hier seht. Sie hatte ihr Verständigungskästlein dabei und bat mich ihr Häuschen zu holen. Ich bin ja groß, mich können sie Elfen und Wichtel nicht daran hindern. Sie stand auf und holte das Kästchen her aus dem Dixy geflogen war. Sie klappte es auf und ich sah hinein. „Setz die Brille auf“, riet mein Mann und das tat ich dann auch. Erstaunt sah ich in ein winziges Puppenhaus. Alles war darin enthalten, Schlaf und Wohnzimmer, Esszimmer und Bad in winzigen Miniaturen. Frau Wolf hatte derweil eine Lupe geholt und nun konnte ich die kleinen Kostbarkeiten erst richtig betrachten. Die Tagesdecke bestand aus lachsfarbener Seide, die Teppiche waren flauschig, die Schränke fein verziert. Eine wundervolle Arbeit. „Du hast ein herrliches Zuhause“, lobte ich Dixy. Frau Wolf nickte. Sie legte ihren Arm um sie und küsste ihre Wange. „Allein bist du auch nicht, du hast ja mich“, tröstete sie und das Pixymädchen schmiegte sich in ihren Arm. „Schlaf nun ein wenig“, riet Frau Wolf und gehorsam begann ein Brummen. Dixy schrumpfte und surrte in die Luft, sie drehte eine Schleife und flog in ihr Kästchen. Wölfchen machte das ganz wuschig und ich hielt ihn am Halsband fest. Frau Wolf schloss das Kästchen und bat uns ihr zu Folgen.

 

Sie führte uns in ein Zimmer das mir den  Atem verschlug. Genauso wollte ich wohnen. Weiße zierliche Möbel, an den Wänden eine Tapete mit Bauernrosen. In einem kleinen Erkerchen unter dem Fenster eine weiße Bank belegt mit dicken Kissen. Die das Muster der Tapete hatten, auch die Übergardinen und die Tagesdecke hatten das herrliche Rosenmuster auf weißem Grund. Hier würde ich es aushalten. „Gefällt es ihnen nicht“, wollte Frau Wolf wissen, weil ich stumm blieb? „Es ist perfekt“, antwortete ich was sie strahlen ließ. So nun wisst ihr wie wir Dixy kennen gelernt haben, weitere Abenteuer folgen.

© By Gitte