Rache ist Blutwurst!
Auf dem Weg in meine geliebte Umwelt Werkstatt nahm ich die Abkürzung über den Friedhof. Es war Montag und wie immer lagen im letzten Gang Knochen über Knochen. Wenn am Wochenende kein Personal dort arbeitete legten die Hundehasser sie aus. Einmal hatte Wolf einen davon im Maul gehalten und drei Tage unter schwerem Durchfall gelitten. Ein anderes Mal lag ein kleines Stück weiter eine verendete Maus. Sogar Wurstscheiben lagen manchmal dort ausgelegt. Einen ganzen Beutel voll hatte ich gesammelt und einen Angestellten des Ordnungsamtes bestellt, sie sollten sie auf Gift untersuchen. Der Beamte sah mich an und meinte: „Wissen sie was das kostet, das können wir nur bei konkreten Verdachts Momenten anordnen.“ „Wenn ein Kind die Wurst isst, dann ist das Gejammer sicher groß und dann wird wohl etwas geschehen, warten wir es also ab“, entgegnete ich wütend. Der Beamte zuckte die Schultern und wendete sich zum Gehen.
Der Gedanke ließ mich auch bei meinem Rundgang durch die Umwelt Werkstatt nicht los. So stieß ich mit ziemlich unsanft mit jemandem zusammen. „Verzeihung“, murmelte ich und schreckte aus meine Gedanken hoch. „Ach sie sind das“, fügte ich an. „sagen sie mal, sie arbeiten doch bei einem Arzt, Gynäkologe, nicht wahr?“ „Nein, beim Internisten“, lächelte die Dame, die ich durch meine häufigen Besuche hier vom Sehen kannte. „Da hätte ich gleich mal eine Frage, sie wissen doch, ich schreibe Geschichten, wie könnte ich theoretisch schnell jemanden umbringen, ich meine ein sicher wirkendes Gift, das leicht zu beschaffen ist.“ Jetzt nur nicht verraten, ein gleichgültiges Gesicht aufsetzen, dachte ich, denn jählings schoss der Zorn wieder in mir hoch, man sollte den Peinigern mal zeigen, wie es ist vergiftet zu werden. Skeptisch sah die Frau mich an, lächelte dann aber wieder. „Insulin“, sagte sie, schnell zu beschaffen und absolut tödlich. „Meine Oma hat Diabetes“, überlegte ich laut. Zwang mich aber gleich zu einem Lächeln, „Da kommt man wirklich leicht dran, danke schön.“ „Gern geschehen“, entgegnete sie, ich erkundige mich nach der Menge, wir sehen uns ja immer hier, aber eine Ampulle durfte mit Sicherheit reichen.“
Da ich mich nicht mehr konzentrieren konnte, ging ich heim, ich könnte mal wieder meine Oma besuchen, dachte ich und es wurde mit nicht einmal bewusst, das ich dabei böse lächelte. Der Plan in meinem Kopf nahm konkrete Formen an und ich machte mich sofort daran, ihn in die Tat umzusetzen. Oma freute sich sehr, über meinen zugegebener maßen seltenen Besuch, ich hatte Kuchen dabei, nicht ohne Hintergedanken, denn Oma saß Kuchen gern, würde aber Insulin spritzen müssen, höflich, wie ich nun einmal war, würde ich es ihr anreichen. Alles lief glatt, Oma war „vom alten Schlag“, das heißt sie sorgte vor, in ihrem Medizinschrank fand ich zwei Packungen Insulin, sie würde nicht bemerken, wenn eine Ampulle fehlt. Es war ein schöner Nachmittag, wenn ich auch meine Unruhe kaum verbergen konnte. Immer wieder tastete ich nach der Ampulle in meiner Tasche. „Warum bist du denn so hibbelig“, wollte Oma wissen, ich wollte sie nicht misstrauisch machen und verabschiedete ich mich zeitig.
Nun hatte ich fast eine Woche Zeit, bis zum nächsten Wochenende, die nutzte ich um mich im Netz schlau zu machen. Man kann einem Zucker Schock entgegen wirken, mit Traubenzucker lernte ich, das besorgte ich mir auch.
Am Freitagabend, bei Einbruch der Dämmerung machte ich mich mit Wolf auf den Weg. In meiner Tasche befand sich ein Stück Blutwurst, das mit einer Ampulle Insulin getränkt war. Eine geschlagene Stunde schlenderten wir auf dem mittlerweile stockfinsteren Friedhof herum. Im Slalom liefen wir Gang für Gang entlang. Einmal sah ich eine dunkle Gestalt schemenhaft den Gang entlang schleichen, ich bedeutete Wolf stille zu sein und das schöne Tier spitzte die Ohren und verfiel sogleich in seinen Raubtierhaften Schleichgang. Langsam pirschten wir uns an die verdächtige Person heran und ich tippte ihr auf die Schulter. Erschrocken fuhr sie zusammen und es riss sie herum. Mit offenem Mund starrte ich Frau Wolter an, sie wohnte gegenüber und war mit ihrem Hund Anton auch unterwegs, der entsprang gerade dem Gebüsch, indem er sich entleert hatte und wollte Gefahr für sein Frauchen witternd auf uns los. „Das ist nur Wolf Anton aus“, wies Frau Wolter Anton, ihren Labrador an.“ „Was machen sie denn hier“, wollte sie dann erschrocken wissen?“ „Wir versuchen den Knochen Ausleger zu finden“, informierte ich sie. „Da wünsche ich ihnen viel Glück“, entgegnete sie, „letzte Woche wurde Harro, der Boxer von Familie Binder vergiftet.“ „Was, davon habe ich noch nichts gehört, es wird Zeit, dass wir den Typen kriegen“, sagte ich böse. „Lassen sie Wolf ein wenig mit ihm spielen, wenn sie Glück haben“, riet sie mir. „Darauf können sie sich verlassen“, gab ich ihr zur Antwort. Wir trennten uns, aber an diesem Abend hatten wir kein Glück und schließlich gingen wir heim.
„Hast du ein neues Hobby“, wollte mein Mann wissen? „Ich mag es nicht, wenn du im Dunkeln so lange draußen bist.“ „Was soll mir schon passieren, schon mein Vater sagte immer, wer dich im Dunkeln mitnimmt, bringt dich spätestens im Hellen wieder“, scherzte ich. „Außerdem habe ich Wolf und ein Pfefferspray bei mir.“
Am nächsten Abend ging ich wieder mit Wolf auf Tour und dieses Mal klappte es. Schon als wir in den letzten Gang einbogen, sah ich eine Gestalt, bepackt mit einer großen Tüte, in die sie immer wieder hinein griff, etwas heraus holte und an den Rand des Weges warf. Sie schien sich völlig sicher zu fühlen, denn die helle Tragetasche sah man selbst in der Dämmerung deutlich. Na wenn das nicht der, oder die Gesuchte war. Bezeichnend legte ich einen Finger auf meine Lippen, Wolf verstand und fing an zu schleichen. Wir bogen in einen Gang ein und warteten dort, bis die Person heran gekommen war. „Na, auch so spät noch unterwegs“, sprach ich sie an, als sie fast auf gleicher Höhe mit uns war? Sie zuckte zusammen und blickte auf. Nun sah ich, dass es sich um eine Frau mittleren Alters handelte. Sie warf die Tüte fort und wendete sich zur Flucht. „Das würde ich nicht versuchen, Wolf ist in jedem Fall schneller als sie“, sagte ich gelassen. Hasserfüllt starrte sie meinen Hund an. „Na mach schon“, meinte sie und kicherte gehässig. „Hol schon die Polizei“, dabei hielt sie triumphierend ihre behandschuhten Hände hoch. „Ihr könnt mir gar nichts, ich streite alles ab.“ „Wer redet denn von der Polizei“, fragte ich und sah sie an. „Oh nein, so leicht kommst du mir nicht davon.“ „Was hast du vor“, wollte sie wissen und nun hörte man Angst aus ihrer Stimme. „Du wirst nun selbst sehen, wie es ist vergiftet zu werden, wenn deine Eingeweide anfangen zu brennen, wenn dir der Schweiß ausbricht und die Luft wegbleibt.“ Meine Augen fixierten sie kalt und ich sah, wie sie blass wurde. „Wer sollte mich dazu zwingen“, fragte sie nun aber schon merklich unruhig. „Na ich und mein bester Freund Wolf“, klärte ich sie auf, mir diesen Worten reichte ich ihr das Stück Wurst. „Iss“, forderte ich sie auf. Abwehrend streckte sie die Hände aus. „Iss“, forderte ich erneut und blickte Wolf an, der wie auf Kommando leise zu knurren begann. Zitternd nahm mein Gegenüber das Stück Wurst und biss hinein. „Kauen und schlucken“, forderte ich. „Bitte“, nuschelte sie, „bitte nicht.“ „Oh doch, du sollst die gleichen Qualen erleiden, die du den Tieren zugefügt hast“, entgegnete ich mitleidslos. Ich hob den Zeigefinger, das bedeutet für Wolf Achtung, mit hochgestellten Ohren beobachtete er die Frau, die nun Todes verachtend zu Kauen begann. „Was nun“, wollte sie wissen? Scheinbar dachte sie, ich lasse sie nun gehen und sie kann zum Krankenhaus fahren. „Nun warten wir“, klärte ich sie auf. Sie wurde noch blasser. „Das kannst du nicht machen, das ist Mord“, meinte sie. „Was du getan hast auch“, entgegnete ich ihr. „Das sind doch nur Tiere, Gott verdammte Köter“, brach es aus ihr heraus. „Für dich vielleicht, für mich ist mein Tier mein bester Freund und Kamerad“, erklärte ich ihr. Erschrocken betrachtete sie ihre Hände, die auf einmal unkontrolliert zu zucken begannen. Gleichzeitig überzog sich ihre Stirne mit Schweiß, der in dem diffusen Licht glitzerte. Stöhnend sank sie auf eines der Gräber nieder. „Pass auf“, sagte ich zu ihr, „ich kann dich retten, ich habe ein Gegenmittel dabei.“ Sie versuchte auf den Knien zu mir zu rutschen. „Bitte, gib es mir“, verlangte sie. „Moment, unterschreibe mir das und du bekommst es.“ „Was ist das“, wollte sie wissen. „Das ist ein Geständnis, in dem steht, dass du die Tiere vergiftet hast.“ „Das ist Nötigung, das gilt nicht“, ächzte sie. „Willst du Sterben“, fragte ich zurück. Zitternd nahm sie den Zettel und kritzelte ihre Unterschrift darunter. „Deinen Ausweis“, verlangte ich. Sie zog ihn aus der Tasche und reichte ihn mir. „Nun mach schon“, forderte sie. „Glaubst du ich gehe ein Risiko ein, nun rück das Mittel schon raus.“ Nachdem ich den Namen verglichen hatte gab ich ihr den Traubenzucker. „Lutschen“, befahl ich ihr. Sie kam dem nach uns stutzte. „Du hast mich verarscht, oder“, wollte sie wissen? „Keineswegs, ich habe dir Insulin gegeben, wenn du nicht mitgespielt hättest wärst du tot“, erklärte ich ihr. „Du bist krank, weißt du das“, fragte sie. „Nicht kränker als du“, gab ich kalt zurück. „Ach ja und wenn du mit dem Gedanken spielst die Geschichte der Polizei zu erzählen, solltest du wissen, das Insulin sich blitzschnell im Körper abbaut, schon nach vier Minuten reduziert es sich um die Hälfte, du wirst nichts beweisen können, also erspar es dir, dich lächerlich zu machen“, riet ich ihr. „Mann sieht sich, spätestens bei deiner Verhandlung.“ Mission erfolgreich beendet“, sprach ich zu Wolf und wir gingen heim.
© By Gitte