Rasiermesserscharf!
„Stell dir vor, was Gerd mir
gerade berichtet hat.“ Mein Mann war völlig außer sich, als er vom Spaziergang
mit Wolf unserem schönen Schäferhund zurückkam. „Beruhige dich doch erst einmal“,
bat ich ihn und dann setze dich zu mir und erzähle. Jürgens Kopf war gerötet,
es musste sich wirklich etwas Außergewöhnliches zugetragen haben das meinen
sonst so ruhigen Mann dermaßen aufregte.
Jürgen nahm neben mir Platz,
atmete einmal durch und berichtete dann folgendes: „Gerade haben wir den Gerd
getroffen, du weißt doch der Mann mit dem Labrador der gleich neben der Kirche
wohnt.“ „Ja ich erinnere mich“, nickte ich, „was ist denn geschehen?“ „Letzte
Woche musste er mit Bianca, sein Hund, in die Klinik und das kam so. Sie waren
im Wald spazieren, hier vorn, gleich hinter dem Reiterhof und plötzlich begann
der Hund zu jaulen. Gerd dachte er habe sich einen Dorn eingetreten, bis er
sah, dass die Pfote grauenhaft blutete. Dann entdeckte er die Sauerei. Jemand
hatte im Abstand von einigen Zentimetern Rasierklingen in die Erde gesteckt und
dort ist Bianca hinein getreten. Gerd ist dann mit dem Tier sofort in die
Klinik gefahren. Achthundert Euro hat die Versorgung dort gekostet, fast einen
Monatsverdienst von ihm. Später hat er die Polizei verständigt und was glaubst
du haben die gesagt? Es ist doch nur ein Tier.“ Fassungslos blickten wir uns
an. „Typisch“, brauste ich auf. „Erst
wenn ein Kind Hineintritt, dann geht das Lamentieren los. Das muss ich Susi
erzählen“, meinte ich und griff zum Telefon.
„Stell dir vor“, begann ich,
nachdem sich meine Freundin gemeldet hatte und berichtete ihr die Geschichte.
„Man müsste etwas machen“, sprach Susi mir aus der Seele. „Du sagst es“,
antwortete ich. „Bist du dabei“ „Keine Frage“, entgegnete sie, „sag mir nur wann
es losgeht.“ „Danke ich rufe dich an wenn ich einen Plan habe“, verabschiedete
ich mich und dann begann ich zu überlegen. Am eigenen Leib sollten die
Mistkerle spüren wie es ist in eine Klinge zu treten. Es dauerte nicht lange
und mein Plan stand fest. Wieder setzte ich mich mit meiner Freundin in
Verbindung. „Meinst du sie kehren an den Tatort zurück“, wollte ich wissen?
Susi überlegte einen Moment. „Ich denke schon, sie werden nach Blut suchen und
sich freuen, dass sich ein Tier verletzt hat, mir wird ganz übel vor Wut wenn
ich daran denke.“
„Dann mach dich auf den Weg,
wir werden uns heute Nacht auf die Lauer legen“, schlug ich vor. „Bin schon unterwegs,
ich glaube auch das Gesindel wird bei Einbruch der Dunkelheit kommen.“ Danach
rief ich Gerd an und ließ mir genau die Stelle beschreiben wo Bianca sich
verletzt hatte. Es war ein ziemlich markanter Punkt am Bachlauf den wir sicher
finden würden. Er war noch ziemlich erregt und schilderte mir das Erlebte noch
einmal. „Die Klingen staken aufrecht in der Erde und waren je mit einem Blatt
zugedeckt. Gleich als Bianca aufheulte sprudelte das Blut, sie hatte eine Sehne
zerschnitten stellte man im Krankenhaus fest, ich habe mein Hemd ausgezogen und
sie notdürftig verbunden. Mann, hatte ich eine Angst, dass sie verblutet und
das wäre sie auch fast.“ Mir war übel vor Wut nach seiner Schilderung, ich
verabschiedete mich bedrückt von ihm. Denn zuviel durfte ich nicht verraten bei
dem was ich plante. „Was habt ihr vor“,
wollte Jürgen wissen?
„Je weniger du weißt um so
besser“, entschied ich und küsste ihn auf die Wange. Zweifelnd blickte er mich
an und seufzte dann Gottergeben.
Als Susi am späten Nachmittag
eintraf machten wir uns gleich auf den Weg. „Wenn wirklich jemand kommt, was
machen wir dann“, wollte sie wissen. Wir fuhren gerade über den Feldweg, der
zum Wald führt. Dort am Rande angekommen hielt ich an. Lässig holte ich die
alte Gaspistole aus meiner Tasche. Susi erschrak. „Du willst jemanden
umbringen?“ „Ach wo, auch wenn die Waffe ungeheuer echt wirkt, es ist nur eine
Gaspistole und ich hoffe es reicht um jemanden in Schach zu halten.“ „Wollen
wir es hoffen“, meinte Susi zweifelnd und stieg aus. Schweigend liefen wir den
Hauptweg entlang bis zum Bach. „Hier muss es sein“, informierte ich meine
Freundin und vorsichtig suchten wir den Boden ab. „Hier komm schnell“ Susi war es,
die rief weil sie die Stelle entdeckt hatte. „Entweder hat die Polizei die
Klingen nicht entfernt, oder man hat sie wieder hier hinein gesteckt.“ Susi
schäumte vor Wut. „Lumpengesindel“, zischte sie. „Komm, wir suchen uns ein
Versteck, es beginnt bereits zu dämmern“, bat ich und zog sie hinter mir her
ins Gebüsch. „Wie ich unser Glück einschätze kommt niemand“, meinte sie
grimmig. „Außerdem müssen wir darauf achten nicht einzuschlafen, denn laut
unterhalten können wir uns auch nicht. Ich habe meine I Pot mit“, sprach sie
und stöpselte die Ohrstecker ein. Na bravo und wie unterhielt ich mich? Als
Susi mich ansah reichte sie mir einen der Stöpsel, aber ich erstarrte mitten in
der Bewegung. Leise hielt ich den Zeigefinger vor den Mund. Stimmen näherten
sich.
Schnell kamen sie näher.
Waren es harmlose Spaziergänger, oder die Kerle die wir erwarteten? Gelächter
ertönte und ein Schauer lief mir den Rücken herunter. Die eine Stimme kannte
ich doch. Wenn das mal nicht ein alter Bekannter von mir war. „Vielleicht haben
wir ja Glück und Hundehalter gehen mit ihren Viechern hier spazieren.“ In
ohnmächtigem Zorn ballte ich die Fäuste. Susi die befürchtete ich würde
platzten hielt meinen zitternden Arm fest und bedeutete mir kopfschüttelnd zu
Schweigen. Sie hatte ja Recht. Ruhig Blut, ermahnte ich mich selbst, nur nichts
verderben. Wir mussten sie auf frischer Tat ertappen, alles andere wäre
sinnlos. Sie liefen nichts ahnend an uns vorüber. Genau dort, wo die Klingen
steckten blieben sie stehen und untersuchten den Boden. „Sollen wir sie nicht
lieber entfernen, wenn nun ein Kind mit dünnen Sohlen hinein tritt, oder hinfällt.
Das wäre kein Spaß mehr.“ Hört hört, Mirkos Begleiter hatte also Skrupel, gut zu
wissen. Langsam schlichen Susi und ich uns an. Die Beiden wähnten sich allein
und waren nicht einmal leise. Langsam zog ich die Pistole aus der Tasche und
richtete sie auf die Männer. „Hände hoch“, blaffte ich wie in einem schlechten
Krimi. Hätte Susi nicht solche Angst gehabt, sicher hätte sie gelacht. Die
Männer zuckten zusammen und drehten sich langsam um. Der Begleite Mirkos war
kreidebleich. Mirko hingegen bekam gleich wieder Oberwasser. „Sieh an, meine
liebe Freundin“, höhnte er. „Ganz ruhig“, mahnte Susi, „lass dich nicht
provozieren. „Was nun“, höhnte Mirko mit hochgezogenen Brauen und provokativ
verschränkten Armen?“ Er war wie schon immer eiskalt gewesen, deshalb hatte ich
mich seinerzeit auch von ihm getrennt. Nun durfte uns kein Fehler passieren.
„Bitte nicht“, wimmerte sein Begleiter und fiel auf die Knie. „Memme“, rief Mirko.
„Alte feige Memme.“ Die Pistole im Anschlag ließ ich ihn nicht aus den Augen.
„Da lang“, winkte ich und wies auf den Weg zurück. „Du kannst liegen bleiben“,
wendete ich mich an Mirkos Begleiter, „aber wehe du verständigst die Polizei,
dann badet er es aus.“ Meine Waffe zeigte auf Mirkos Kopf. Hastig nickte der
arme Kerl, der sich mittlerweile eingenässt hatte und ich schob Mirko vorwärts.
„Verdammt, ich wusste doch, ich kenne die Kiste“, fluchte er als wir beim Auto
anlangten. Ich grinste. „Zu spät, nun lernst du auch den Kofferraum kennen,
aufmachen und einsteigen, aber flott bitte“, gab ich ihm Anweisung. „Das wird
dir noch leid tun du alte Gewitterziege“, meinte er, aber er folgte.
„Wohin“, fragte Susi, doch
ich schüttelte den Kopf, wohl wissend das er uns im Kofferraum hören konnte. Langsam
fuhr ich durch die Dunkelheit und bog bald in einen Feldweg ab. Gut das es
Spätherbst war und ich immer noch den Schlüssel zu dem abgelegenen Garten
meiner Freundin hatte. Susi staunte als wir vor dem Grundstück hielten.
„Respekt, das ist perfekt“, gab sie zu. Schnell öffnete ich das Tor und fuhr
den Wagen hinein, direkt vor die Blockhütte die dort stand, ich schloss sie
auf, dann ließen wir Mirko aussteigen und dirigierten ihn dort hinein. „Nimm bitte
die Vorhangschnur und fessele ihn“, bat ich Susi, die meiner Bitte umgehend
entsprach. „Sie wissen hoffentlich was auf Entführung steht“, versuchte er Susi
einzuschüchtern. „Oh nun verstehe ich dich“, antwortete sie und nickte mir zu.
„Der Kerl ist wirklich das Hinterletzte.“ Sie zog kräftig an der Fessel, die
ihm nun tief in die Handgelenke schnitt. „Das wird ihnen noch leid tun“,
geiferte Mirko. „Ich glaube eher ihnen tut es bald leid, dass sie arme Tiere
quälen, ich bin Tierschützerin“, klärte Susi ihn auf. Wenn sie dachte ihn zu
beeindrucken wurde sie enttäuscht, denn er brach nach ihren Worten in
schallendes Gelächter aus. „Hilfe, noch so eine Irre“, japste er. Susi wurde
rot vor Wut und schlug derbe zu. Ein roter Fleck bildete sich auf Mirkos Wange und
er wurde blass. „Das zahle ich euch heim, wartet nur. Deine Tochter badet es
als Erste aus“, prophezeite er. „Wenn du dazu noch in der Lage bist“, versetzte
ich kalt und zum ersten Mal flackerte so etwas wie Angst in seinen Augen auf,
was mir ein zufriedenes Lächeln entlockte. In aller Seelenruhe packte ich eine
Rasierklinge aus und setzte sie an seine Kehle. „Bist du nun endgültig
durchgeknallt“, flüsterte er ängstlich? Fast hätte ich es nicht gekonnt, dann
dachte ich daran, was er schon alles angestellt hatte und wie Bianca und ihr
Herrchen gelitten hatten wegen seiner Perversität. Dieser Kerl ging über
Leichen und musste eine Lehre erhalten. Sachte drückte ich zu und die Klinge
zog einen roten Strich über seine Kehle. Es sickerten nur wenige Tropfen Blut,
aber die reichten um ihn in Panik zu versetzen. „Ich bring euch in den Knast“,
schrie er. Ich zuckte nur die Schultern, dann rückte nahe an ihn heran. „Du
hast schlechte Karten mein Lieber“, flüsterte ich in sein Ohr und bemerkte
zufrieden die Gänsehaut, die mit einem Male seine Arme überzog, was mir ein
Lächeln entlockte. „Was meinst du, sollen wir was an seinen
Fortpflanzungsorganen ändern, stell dir nur vor, er setzt mehr solche Typen in die Welt“, regte
Susi an. Mirkos Haut nahm einen ungesunden Ascheton an. „Als Krankenschwester
weiß ich wie es geht“, meinte Susi und stand auf um zu ihm zu gehen. „Nein“,
schrie Mirko und verlor endgültig seine Beherrschung. „Bitte“, flehte er mich
an, „halt mir diese Irre vom Leib.“ „Unter einer Bedingung, du trittst hier
hinein.“ Ich hielt ihm eine Kartoffel hin, in der eine Rasierklinge steckte.
„Was soll das“, wollte er käsebleich wissen? „Kennst du das Sprichwort, was du
nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu? Oder das: Quäle
nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz?“ „Und was geschieht
dann“, wollte Mirko wissen? „Dann“, lächelte ich, „fahre ich dich zum Arzt.“ „Warum
schneidest du mich nicht wieder“, fragte er nach? „Weil ich dann nicht
behaupten kann du seiest in die Klinge getreten, ganz allein, ein Unfall, du
verstehst? Du hast deine Strafe und die hast du auch verdient.“ „Gib her“, sagte
er, „ich habe keine Wahl oder?“ Ernst nickten Susi und ich und Mirko trat mit
einem Schrei zu. Sein Fuß blutet. „Nicht so schlimm wie bei Bianca“, meinte
Susi, die hatte die Sehne zerschnitten.“ „Du hast Recht, aber lassen wir Gnade
vor Recht ergehen“, bat ich sie und zu Mirko gewendet meinte ich: „Lass es dir
eine Lehre sein und leg dich nie wieder mit mir an, verstehst du und damit du
nicht auf falsche Gedanken kommst, Susi und Jürgen sind mein Alibi, ich habe
das Haus nur verlassen, weil ich dich nach deinem bedauerlichen Unfall schreien
hörte. Mirko nickte ergeben. Susi band ihn los und wir fuhren ihn zur Klinik.
Wieder im Auto hob ich die
Hand. „Give Me Five“, bat
ich und Susi schlug ein. „Operation erfolgreich beendet“, lachte ich und wir
fuhren heim zu Jürgen, der uns schon ängstlich erwartete.
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Gitte