Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben!
Wir in unserem Puppenforum sind eine eingeschworene Truppe, die fest zusammen hält. Darum waren wir auch alle ein wenig traurig, als unsere Angie in den Urlaub fuhr. Nach Mallorca flog sie mit ihrem Mann und freute sich auf herrliche Wanderungen in der wunderbaren Natur dort. Scheinbar vermisste uns Angie so wie wir sie, denn schon bevor sie den Flieger bestieg, meldete sie sich vom Flughafen, mitten in der Nacht um uns zu grüßen. So alle zwei bis drei Tage schaute sie rein und berichtete begeistert was sie erlebt hatte. Nach einer Woche schrieb sie von einem abgelegenen Kloster, das sie am anderen Tage besuchen wollte. Man hatte ihr berichtet, dass dieses Kloster zum Gedenken an eine stets in weiß gekleidete Frau errichtet worden war, die sich immer mildtätig gegen Mensch und Tier gezeigt hatte. Das Kloster Zur weißen Frau lag abseits der Straßen, allerdings in einer wundervollen Landschaft.
Angie und Manfred machten sich auf den Weg. Den größten Teil der Strecke fuhren sie mit dem Mietwagen, aber dann wurde der Weg unpassierbar und nun ging es zu Fuß weiter. Die Sonne brannte schon erbarmungslos und was man im Hotel am Pool mit einem kühlen Drink in der Hand als angenehm empfunden hätte wurde hier, wo es nur wenig Schatten spendende Bäume gab, zur Qual. Aber es half nichts, Angie wäre nicht Angie, wenn sie aufgegeben hätte. Endlich wurde ihre Mühe belohnt. Über ihnen auf einem Felsmassiv tauchte plötzlich die in fast unwirklich erscheinendem Licht gehüllte Silhouette des alten Klosters auf. „Sieh nur“, jauchzte Angie, „wie wunderschön.“ Als Halbirin hatte sie einen Sinn für alles Mystische. Manfred betrachtete seine Frau lächelnd, wie schön sie immer noch war, auch wenn sie gestern ihren 60. Geburtstag gefeiert hatte, das Alter hatte ihr nichts von ihrem Zauber rauben können. Wie ihr hellblondes Haar in der Sonne glänzte, wie gesponnenes Gold hing es in einem langen geflochtenen Zopf über ihrer rechten Schulter. Als Angie seinen schmeichelnden Blick bemerkte errötete sie, wie ein junges Mädchen. Verlegen drehte sie sich um und begann mit dem Aufstieg. „Komm schon“, forderte sie Manfred auf und lief voraus, damit er ihr Lächeln nicht sehen konnte. Er liebte sie, das stand fest und es machte sie glücklich. Schweigend bewältigten sie den Aufstieg. Als sie endlich vor der alten, verwitterten Pforte des Klosters standen, wischte Manfred sich den Schweiß von der Stirne, doch als Angie ihn besorgt anblickte schenkte er ihr ein beruhigendes Lächeln. Angie betätigte die altmodische Glocke, deren lauter Klang sie erschrocken zusammen fahren ließ. Es dauerte eine Weile und dann öffnete sich eine Luke, die in der dicken Holztüre eingelassen war. Ein zeitloses Frauengesicht umhüllt von einem schwarzen Nonnenschleier blickte hinaus. „Was wünschen sie“, fragte sie das Paar. „Bitte können wir das Kloster besichtigen“, wollte Angie wissen? „Es tut mir sehr leid, aber hier haben nur Frauen Zutritt“, bekamen sie zur Antwort. Bedauernd blickte Angie Manfred an. „Bleib nur“, bat er sie, „ich vertrete mir ein wenig die Beine und hole dich in einer Stunde wieder ab“, schlug er ihr vor. „Kann mein Mann wenigstens ein Glas Wasser bekommen“, bat sie die Nonne, die daraufhin wortlos die Luke schloss, um dann nach einer Weile die Pforte zu öffnen und Manfred ein Glas mit erfrischend kaltem Wasser zu reichen. Durstig trank er es leer und reichte dankend das Glas zurück, dann schloss sich die schwere Türe hinter seiner Frau.
Erstaunt blickte Angie sich um, das Kloster wirkte ausgestorben. „Bitte folgen sie mir, ich stelle sie der Äbtissin vor“, bat die Nonne, die sie hereingelassen hatte. Sie betraten das kühle Gebäude. Irgendetwas kam Angie merkwürdig vor. Bevor sie allerdings weiter darüber nachdenken konnte wurde sie in ein Zimmer gebeten und eine weitere Nonne begrüßte sie freundlich. Sie bot ihr einen Platz an und setzte sich ihr gegenüber. Schnell, geübt und gründlich taxierte sie ihr Gegenüber, um dann eine freundliche Einladung auszusprechen. „Wenn sie möchten, können sie drei Tage lang unser Gast sein und innere Einkehr halten“, bot sie Angie an. „Das ist sehr freundlich von ihnen, aber ich möchte meinen Mann nicht so lange allein lassen“, lehnte Angie dankend ab. Die Nonne schwieg eine Weile und fragte dann unvermittelt: „Was denken sie, wie alt bin ich?“ Verblüfft blickte Angie sie an. Es war nicht einfach, das Alter einer Nonne zu schätzen, außerdem wollte sie sie nicht kränken. Insgeheim dachte sie, sie wird um die vierzig sein, so sagte sie dann fragend: „Fünfunddreißig?“ Die Nonne lächelte und Angie atmete auf, scheinbar hatte ihre Antwort ihr gefallen. Wieder schwieg sie eine Weile, dann beugte sie sich verschwörerisch vor und beobachtete Angie genau, während sie genießerisch behauptete, „Ich bin Zweiundsiebzig Jahre alt. Nun war Angie äußerst erstaunt, sie musterte ihr Gegenüber kritisch. Das konnte doch nicht sein, einige kleine Fältchen, aber ansonsten ein glattes Gesicht und soweit es durch die Kutte beobachten konnte auch eine straffe, jugendliche Figur. „Das ist erstaunlich“, antwortete Angie. „Nicht, wenn man das richtige Mittel kennt“, behauptete die Nonne und lächelte, als sie sah, wie elektrisiert Angie von dieser Aussage war. „Aber die andere Nonne, die ist älter“, sagte Angie nachdenklich. „Stimmt, Schwester Agnes hat gerade ihren hundertzwölften Geburtstag gefeiert“, behauptete die Äbtissin. Fieberhaft überlegte Angie, das Geheimnis musste sie einfach erfahren. Sie war so aufgeregt, dass sie gar nicht bemerkte wie die Äbtissin sie lauernd betrachtete. „Wie gesagt, sie dürfen gerne drei Tage unser Gast sein, dann werde ich sie in einige Geheimnisse der Kräuterkunst einweihen.“ Angie überlegte, mit diesem Wissen könnte sie allen Frauen im Forum die ewige Jugend bringen, es war fast ihre Pflicht sich einweihen zu lassen. „Gut“, willigte sie ein, „ich werde meinen Mann fragen“ „Nichts anderes habe ich erwartet“, lächelte die Äbtissin und begann Angie auszufragen. Je mehr sie berichtete, umso freundlicher wurde die Äbtissin. Das die Fremde reich war hatte sie geahnt, ihre vornehme Art zu reden, ihre Kleidung, die sicher nicht aus dem Kaufhaus stammte, aber welchen Goldfisch sie sich da an Land gezogen hatte erfuhr sie erst jetzt, von dem riesigen Haus bei Stuttgart und der wertvollen Sammlung antiker Puppen, da war ihr ja ein richtig guter Fang geglückt. Schnell war die Stunde vergangen, die Manfred Angie zugedacht hatte und die Glocke schlug an. Die Äbtissin begleitete sie zum Tor. „Es ist so herrlich hier Manfred, würdest du gestatten, wenn ich drei Tage hier bliebe und relaxe“, bat Angie und wie nicht anders erwartet, erlaubte er es ihr seufzend und machte sich auf den Weg zum Hotel.
Währenddessen bat man Angie zu Tisch. Das Mahl war mehr als einfach, aber auch das erklärte die Äbtissin. „Wir frönen hier nicht der Völlerei, wenn man asketisch lebt, entfalten die Kräuter ihre Wirkung um ein vielfaches besser.“ Das klang einleuchtend. Plötzlich horchte Angie auf. Leiser Gesang von Chorälen drang an ihr Ohr. „Das ist ja herrlich, darf man da zuhören“, wollte sie wissen? „Morgen sicherlich“, wurde sie vertröstet und wunderte sich sehr, wie müde sie plötzlich war. Die Äbtissin legte ihr einen Zettel vor und bat sie zu unterschreiben. „Nur einen Formsache“, behauptete sie, sie müsse Buch führen, über die Gäste, die im Kloster nächtigten. Das leuchtete Angie ein.
Als sie erwachte lag sie auf einer harten Pritsche in einer Nonnenzelle. Wie war sie nur hierher gekommen? Angie stöhnte leise, ihr Kopf schmerzte, so geht man nicht mit Gästen um, dachte sie verärgert und wollte die Zelle verlassen, doch dann stellte sie zu ihrem Entsetzen fest, das man sie eingeschlossen hatte. Wutentbrannt hämmerte sie gegen die Türe, merkte aber nach einer Weile, dass es nichts nützte, außerdem fühlte sie sich seltsam schwach und benommen. Sie legte sich wieder hin und wartete, was bedeutete das alles?
Nachdem eine Weile vergangen war hörte sie wie die Türe aufgeschlossen wurde. „Was soll das bedeuten“, fuhr sie die Nonne an, die sie hier im Kloster zuerst empfangen hatte? „Ach weißt du Schätzchen, wir wollen nur dein Geld. Am einfachsten ist es du überschreibst uns dein persönliches Eigentum, dann kannst du wieder gehen.“ Dabei lachte sie gehässig. „Und wenn ich mich weigere“, meinte Angie empört? „In dem Falle müssen wir zu härteren Mitteln greifen“, antwortete die Nonne und zog eine Schere aus der Tasche ihrer Kutte. Entsetzt blickte Angie sie an. „Sie wollen mich erstechen?“ Nun lachte die Nonne aus vollem Halse. „Nicht gleich so dramatisch. Dein Zopf reicht mir fürs Erste.“ Verzweifelt wehrte sich Angie, dann rief die Frau, die wie Angie wusste Agnes hieß die Äbtissin. Diese hielt Angie fest, während die andere mit roher Gewalt ihren Zopf absäbelte. Angie heulte und kreischte, aber es nutzte nichts. „Du solltest nicht eitel sein, sondern dich in Demut üben“, verhöhnte sie die Äbtissin und lachend ließen die Beiden sie alleine.
Am Abend des gleichen Tages hatte Manfred es sich in seinem Hotelzimmer gemütlich gemacht. Er las ein Buch, als es klopfte. Der Page brachte ihm ein Päckchen, was ihn sehr verwunderte. Er gab dem Jungen ein Trinkgeld und öffnete nichts Böses ahnend das Päckchen. Entsetzt starrte er auf Angie´s abgeschnittenen Zopf. Dann las er den beigefügten Brief. Er war mit der Maschine geschrieben und darin stand, dass seine Angie sich entschlossen hatte den Rest ihres Lebens im Kloster zu verbringen. Er solle alle ihren Besitz veräußern und den Erlös dem Kloster zukommen lassen. Der abgeschnittene Zopf zeige symbolisch ihre Abkehr von der Welt.
Das konnte doch wohl nicht wahr sein, seine Angie die lebenslustigste Frau unter der Sonne und die wollte ihre heiß geliebten Puppen verkaufen? Nie im Leben, da würde er seinen Arm drauf verwetten. Ihre Ereignispuppen, die wichtige Einschnitte ihres Lebens verkörperten. Was konnte er machen? Sollte er zur Polizei gehen? Aber hatten die irgendwelche Rechte im Kloster? Manfred zermarterte seinen Kopf und dann hatte er eine Idee. Die Damen im Forum, Angie war ihre Freundin, vielleicht konnten die helfen? Sofort begab sich Manfred in die Lobby und loggte sich unter Angie´s Passwort ein. Gut das sie keine Geheimnisse voreinander hatten und Manfred schrieb:
Hallo ihr lieben Damen!
Heute bin ich, Angie´s Mann unter ihrem Nahmen hier eingeloggt, ich brauche dringend ihre Hilfe. Heute Morgen sind wir, wie sie ja schon wissen zu diesem abgelegenen Kloster gewandert. Nur Frauen dürfen es betreten. Nach einer Weile bat Angie mich allein ins Hotel zurückzukehren, sie selbst wolle drei Tage dort bleiben und die Ruhe und Stille genießen. Nun kam soeben ein Päckchen und es enthielt zu meinem Entsetzen Angie´s Zopf und einen Brief mit den Anweisungen ihre Puppensammlung zu veräußern und den Erlös dem Kloster zukommen zu lassen. Was halten sie davon? Das kann ich einfach nicht glauben.
Zufällig war ich an diesem Abend noch online und las bestürzt, was Angie´s Mann da berichtete. Kurz schrieb ich ihm, das ich mich telefonisch mit meinen Freundinnen beraten werde und mich gleich noch einmal melden würde, dann rief ich Susi an. Da stimmt was nicht, war auch ihre Meinung. „Überleg dir was, ich denke wir müssen dorthin und sie da raus holen“, sagte ich und teilte ihr mit das ich eben Elvira Bescheid geben werde. Auch die war der Meinung dass da etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. „Halte dich bereit, bat ich sie, ich denke Susi, du und ich fliegen Morgen früh nach Malle.“ Susi jammerte zwar, was mit ihren Hunden geschehen solle, aber das hier hatte Vorrang, dann musste sich ihre Schwester eben frei nehmen und die Tiere versorgen. Das hier war schließlich ein Notfall. Die halbe Nacht beriet ich mich, mit Jürgen meinem Mann und von ihm bekam ich den Rat in meine Miederhose eine Art Tasche einzunähen, in der ich sein flaches Handy verstauen konnte, falls man uns unsere abnehmen würde. Mit einer kleinen Tasche machte ich mich dann mit dem Taxi am frühen Morgen auf den Weg nach Düsseldorf, schon um sieben Uhr startete unser Flieger. Wie war ich erleichtert, als ich in die übernächtigten Gesichter meiner Freundinnen sah. „Sie ist geschminkt, ich hab´s gewusst“, kicherte Susi. „Nur kein Neid“, konterte ich. „Ihr Beiden“ war Elviras kopfschüttelnder Kommentar zu unserem Wortgefechten. Als ich in der Maschine meine Jacke auszog, erregte ich erneut Susis Missfallen. „Dieser Ausschnitt“, meckerte sie. „Dir kann man auch nichts Recht machen“, ereiferte ich mich. „Mädels Peace“, kam es von der sanftmütigen Elvira, die perfekte Ergänzung für unser Trio. Im Flugzeug reichte man uns Frühstück und ich aß ein leckeres Schinkenbrötchen, was mir erneut einen strafenden Blick von Susi, der überzeugten Vegetarierin eintrug. Gleichmütig zuckte ich mit den Schultern. Elvira, die unseren Blicken gefolgt war, griff daraufhin folgsam zu Marmelade, ich war sicher, sie hätte ebenfalls gerne Schinken genommen. Nach der Landung in Palma und der Abfertigung erwartete Manfred uns schon in der Halle. „“Wie schön, das ihr hier seid“, sagte er erleichtert. Auf dem Parkplatz wartete schon der Mietwagen und wir fuhren gleich ins Hinterland zum Kloster. „Ach je“, entrang es uns, als wir von dem beschwerlichen Weg erfuhren, aber was tat man nicht alles aus Freundschaft? Endlos quälten wir uns durch die Landschaft, immer wieder motiviert von Manfreds besorgten Blicken.
Angie hatte man nach einer endlosen Zeit der Reue und des Weinens, weil sie so vertrauensselig gewesen war, aus ihrer Zelle gelassen. Lauschend hob sie den Kopf, wieder war dieser herrliche Gesang zu hören. Fragend blickte sie die Äbtissin an. Diese lachte. „Das sind die echten Nonnen, die du da hörst“, klärte sie Angie auf „zu denen darfst du dich jetzt gesellen.“ Sie machte Anstalten mit Angie eine Treppe hinunter zu steigen, als es energisch an der Pforte klopfte. „Kümmere dich darum“, wies sie Agnes an und trieb Angie zur Eile an. In den Unterirdischen Gewölben wurde der Gesang immer lauter. Seltsam nahm es sich aus, solche herrlichen Töne hier in der unheimlichen dumpfen Umgebung zu vernehmen. Sie betraten eine Kapelle und hier waren viele weiß gekleidete Nonnen versammelt. Zögernd trat Angie näher. Eine alte Nonne trat auf sie zu und streckte ihr herzlich die Hand entgegen. „Sei gegrüßt mein Kind. Es tut mir leid, dass du unser Schicksal teilst, ich bin die echte Priorin der weißen Nonnen. Die beiden Gaunerinnen haben sich hier eingenistet und als Pazifistinnen hatten wir ihnen nichts entgegen zu setzen. Sie haben uns hier in die Kellerräume verbannt. Da das Kloster sehr abgelegen liegt, ist scheinbar niemandem aufgefallen, das hier etwas nicht in Ordnung ist.“ „Mein Mann wird uns helfen“, sagte Angie sicher. „Manfred wird sicher etwas einfallen um uns zu befreien.“ „Wollen wir es hoffen“, antwortete die Priorin.
Nachdem wir die Glocke des Klosters betätigt hatten, dauerte es eine Weile, bevor man uns öffnete. „Wir möchten unsere Freundin Angie besuchen“, redete ich erst gar nicht um den heißen Brei herum. „Einen Moment bitte, ich hole die Äbtissin“, bekamen wir Bescheid. „Hier ist etwas oberfaul“, stellte Susi fest, „wir sollten die Polizei holen.“ „Langsam, wir haben nicht mal einen Beweiß das Angie hier ist“, dämpfte ich sie und dann erschien die Äbtissin. „Sind sie im Besitz von Handys“, wollte sie wissen? Als wir nickten bat sie uns sie ihr auszuhändigen, sie habe Angst vor den Strahlen. Danach dürften wir das Kloster betreten und Angie sehen. Was blieb uns übrig, wir gaben ihr unsere Handys und wurden hineingelassen. Sie führte uns zu Angie´s Zelle, die uns freudestrahlend umarmte. „Freu dich nicht zu früh“, riet ihr die Äbtissin. Deine Freundinnen sind genauso dämlich wie du, sie haben uns freundlicher Weise ihre Handys gegeben, nun sitzt ihr hier alle fest. Ich nehme an, ihr sammelt alle Puppen, da wird ja ein Vermögen zusammen kommen, mal sehen, was wir euren Angehörigen von euch senden, um ihnen zu zeigen wie ernst euch der Wunsch ist von nun an in der Einsamkeit des Klosters zu leben. Die beiden lachten hämisch und böse, während die arme Elvira ganz bleich geworden war, denn sie trug als einzige von uns wundervolles dunkles langes Haar. Danach führten sie uns alle in die unterirdischen Hallen, damit wir uns zu den echten Nonnen gesellen konnten.
„Wie konnten die beiden Verbrecherinnen euch in ihre Gewalt bringen“, wollte ich von der Priorin wissen? Da begann sie zu berichten, von den beiden Landstreicherinnen, die man hier mitleidig aufgenommen hatte und die danach mittels ihrer Revolver, in deren Besitz sie waren die Nonnen in den Keller verbannten. Nach und nach hatten sie alle religiösen Kunst Gegenstände, die dankbare Leute im Laufe der Jahrhunderte gestiftet und hier hergebracht hatten an einen Hehler verkauft. Der kam einmal im Monat und bald war der Besuch wieder fällig. Sie fragte uns nach dem Datum, da sie hier unten fast jedes Zeitgefühl verloren hatten. Als ich ihr sagte es sei Ultimo, klärte sie mich auf, das Morgen, wie am ersten jedes Monats der Hehler kommen werde. Es gibt kaum noch lohnenswertes hier, nun haben sie sich wohl auf Touristen spezialisiert. Angelegentlich erkundigte ich mich nach der Nummer des örtlichen Notrufs, falls ich die Gelegenheit dazu bekäme Hilfe holen zu können. Die Nonnen unterhielten uns dann mit herrlichen Gesängen und danach kamen die Äbtissin und ihre Komplizin uns holen.
Sie brachten uns nach oben und sperrten uns in Einzelzellen. Wie gut, das Jürgen mir den Rat mit dem zweiten Handy gegeben hatte. Als ich allein war, wartete ich eine Weile und wählte dann den Notruf, ich berichtete dem Beamten, der Gott sei Dank Deutsch sprach die ganze verrückte Geschichte. Er entgegnete man hätte schon lange vermutet, das in dem Kloster etwas nicht stimme, habe aber keine Beweise gehabt. Er bat um Geduld, sie wollten das Kloster beobachten, damit auch der Hehler gefasst wurde und seine Strafe bekam. Danach legte ich mich nieder und schlief auf der ungewohnt harten Pritsche erschöpft ein.
Am anderen Morgen brachten sie uns wieder in den Keller, zu den Nonnen. „Warum grinst du eigentlich immer so dämlich, unsere Lage ist mehr als nur bescheiden“, regt Susi sich auf. „Ach was, kommt Zeit kommt Rat, kommt Rat kommt Policia“, entgegnete ich rätselhaft, worauf Susi sich bezeichnend an die Stirn tippte. Dann auf einmal wurde es laut. Die Äbtissin und Agnes kreischten, dann stürmten bewaffnete Polizisten in den Keller und befreiten uns.
„Du hast das gewusst“, empörte sich Susi. „Wie hast du das gemacht?“ Lächelnd öffnete ich meine Hose. „Lass das, bist du nun völlig verrückt geworden“, schnaufte Susi? Dann wurden ihre Augen groß, als ich Jürgens Handy hervorzog. Angie trat an den Leiter der Polizeiaktion heran und flüsterte ihm etwas ins Ohr, worauf er in Gelächter ausbrach. Dann ging sie zu Äbtissin und zog ihr den Nonnenschleier herunter. Ihre Augen blitzten, als langes schwarzes Haar sichtbar wurde. Als sie Agnes die Schere aus der Kutte nahm begann diese zu schreien. Da begriff ich und hielt sie fest. Es kostete ein wenig Mühe, die Haare der Äbtissin zu schneiden, aber Angie schaffte das und während sie nun heulte hielt Angie ihre Mähne wie eine Trophäe in die Luft. „Ich verklage dich, euch“, heulten beide nun. „Warum haben sie sie nicht daran gehindert“, brüllten sie den Beamten an. „Woran denn“, stellte der sich dumm? Dann wurden die Beiden auf einen Wink von ihm abgeführt. „Und der Hehler“, fragte ich? Der sitzt schon im Streifenwagen“, berichtete der Beamte. Als wir das Kloster verließen, wartete schon Manfred auf seine Angie und schloss sie selig in seine Arme. Dann bedankten sich die beiden bei uns und brachten uns zum Flughafen, wo wir schnellstens wieder nach Deutschland flogen.
Zum Schluss gibt es nur noch zu berichten, das Susi, Elvira und ich nun auch eine Ereignispuppe haben, nämlich die, die Angie uns überreichte, als Dank für ihre Rettung. Nun geben wir ihr eifrig Tipps, die das erneute Wachstum ihrer Haare anregen.
By Gitte