Zwischen Himmel
und Hölle 2!
Die Verschmelzung von Himmel und Hölle war nun geschehen und Satan stand vor
Gottes Thron. Sinnend betrachtete ihn der Herr. „War das Gebet ehrlich
gemeint“, wollte der wissen. Missmutig sah Satan auf seinen Bocksfuß. „Wir können
es ja noch einmal miteinander Versuchen“, räumte er ein. „Hauptsache du hältst
mir den hier von Hals.“ Dabei wendete er sich um und betrachtete Willy. „Was
denn“, maulte dieser, „ich mach doch gar nix:“ „Eben drum, du wiegelst mir nur
die ganze Hölle auf, ich hab dich beobachtet“, gab Satan zur Antwort. Der Herr
schmunzelte: „Geduld war nie deine Stärke merkte er an, wisst ihr eigentlich
wie ähnlich ihr euch seit. Entsetzt starrten Willy und Satan sich an. „Nie“,
kam es wie aus einem Munde. „Seht ihr“, schmunzelte der Herr und beide
schwiegen betroffen. Da Satan nun wieder ein Engel war, bekam er seine
einstmals so schöne Gestalt zurück, Willy hingegen wurde dem herbei gerufenen
Verwalter Jürgen anvertraut.
„Jürgen, Mensch das ist ja ein Ding.“ Begeistert schlug Willy ihm auf die
Schuler. „Das müssen wir heute Abend begießen.“ „Okay, komm auf einen Milch
Shake vorbei“, bekam er Antwort. „Willy erstarrte. „Milchshake, sagtest du
Milchshake? Du willst mich wohl vergiften. „Du wirst dich dran gewöhnen müssen“,
sagte Jürgen. So nun komm erst einmal zur Kleiderkammer. „Sag bloß, ich bekomm
auch so ein Nachthemd“, meinte Willy mit einem missbilligenden Blick auf
Jürgens Wallegewand.
„So, bitte hier ist die Kleiderkammer“, Jürgen deutete auf eine Türe und Willy
trat ein. Ein dunkelhaariger Engel stand mit dem Rücken zu ihm. „Größe“, fragte
sie.“ „56“, antwortete Willy brummig. Beim Klang seiner Stimme zuckte der Engel
zusammen und auch Willy überlegte, wo er diese Stimme schon einmal gehört
hatte. Langsam drehte sie sich um. Willy erstarrte. „Tubsi, ne oder? Was machst
du hier. Süß lächelnd antwortete Jule: „Ich verteile hier die Kleider und 56
ist leider aus, versuch das mal hier. Mit diesen Worten hielt sie ihm ein Mini
Hemdchen hin, in das gerade ein Zwerg gepasst hätte. „Mann, das ist viel zu
klein, siehst du das denn nicht.“ „Tut mir leid, was anderes haben wir leider
nicht“, unschuldig guckte sie ihn an. „Ich mach mich doch nicht zum Affen, das
trag ich nicht“, moserte Willy. „Willste schon wieder stänkern“? Wutentbrannt
stapfte Willy in die Kabine und zog das viel zu kleine Hemd über. Die Ärmel
endeten kurz unter dem Ellenbogen und das ganze Hemd knapp über dem Knie. „Mini
steht dir“, schmunzelte Jule. „Ach ja hier“, mit diesen Worten reichte sie ihm
ein paar Kinderflügel. Willy riss sie aus ihrer Hand und verließ fluchartig
unter ihrem Gelächter den Raum. Draußen starrte Jürgen ihn mit offenem Mund an,
er schaffte es nur zu grinsen, was man auch als freundliches Lächeln werten
konnte, während Willy an seinem zu kurzen Hemd herum zerrte.
„Was ist denn das“, hörten sie plötzlich eine strenge Stimme. Willy fuhr
erschrocken herum und starrte geradewegs in Susannes kalt funkelnden Augen. „So
willst du doch wohl nicht hier herumlaufen“, ranzte sie den erschrockenen Willy
an. „Aber Susannchen“, Gitte, die bei ihr eingehakt gegangen war, stiefelte
einmal um Willy herum und sah sich interessiert seine haarigen Beine an, die er
vergebens zu verstecken suchte. „Mal was anderes“, lachte sie. „Wirst du wohl
deine Augen deinem Gemahl zu wenden, wie sich das gehört“, fuhr Susanne sie
wütend an. „ Oh liebster Gemahl, dein bin ich ganz, sogar in der Ewigkeit“,
flötete Gitte lachend. „Dieses Weib“, meinte Susanne und zog sie mit sich fort,
was sie lachend und mit einem „Wir sehen uns“, geschehen ließ.
„Nun geht’s zum Flug Unterricht“, informierte Jürgen Willy und betrachtete
zweifelnd die kleinen Flügelchen. Willy gab keine Antwort. Er hatte ein Schild
entdeckt, das seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. NOTAUSGANG stand da
über einer Türe. Willy gab Jürgen einen Stoß. „Entschuldige Kumpel“, meinte er
und hastete darauf zu. Aber oh Schreck, aus dem Nichts, beziehungsweise aus dem
Schatten der Türe war ein Zerberus aufgetaucht, der ihn unsanft beim
Schlafittchen nahm. Assi, niemand anderer war es, hatte ihn im Nacken seines
ohnehin zu kurzen Hemdes genommen und beutelte ihn hin und her. „Abhauen was?
Abhauen gibt’s hier nicht, jedenfalls nicht, solange ich hier Türdienst
versehen, verstanden Freundchen?“ Kleinlaut schlich Willy zu Jürgen zurück.
Plötzlich rauschte ein riesiges Rosa Etwas an ihnen vorbei. „Verzeihung hauchte
es, ich bin in Eile.“ Willy stand der Mund offen, „Was ist denn das“, fragte er
verblüfft. Die Gestalt wurde von hauchzartem rosa Chiffon umhüllt und hatte
Flügel aus zartrosa Federn. „Eine riesige Puderquaste“, grinste Willy. Antje
musterte diesen groben Gesellen von Kopf bis Fuß. „Keinen Schimmer von Haute
Couture“, fragte sie von oben herab und rauschte davon.
Ding Ding Ding Ding tönte es. „Was ist das nun wieder“, wollte Willy wissen.
Jürgen schob ihn in eine kleine Werkstatt. Dort stand Katrin und schmiedete
entzückende Heiligenscheine. „Hat du einen passenden für ihn“, wollte Jürgen
wissen?“ Verblüfft betrachtete Katrin Willy in seinem kurzen Hemd. Lächelnd
hielt sie ihm einen glatten goldenen Reif hin. „Ne Freunde, wirklich nicht“,
abwehrend schreckte Willy seine Hände aus und schüttelte den Kopf. „Versuchs
doch mal“, meinte Jürgen, „dann geh ich auch mit dir zur Beschwerdestelle,
damit du ein anständiges Hemd bekommst.“ „Das ist ein Deal“, meinte Willy und
stülpte sich den Heiligenschein ziemlich schräg aufs Haupt. „Mensch, das ist
doch keine Baskenmütze“, Jürgen schüttelte den Kopf und rückte ihn zurecht.
„Nun siehst du wenigstes oben anständig aus.
Wie versprochen gingen sie nun zur Beschwerdestelle. Helga sah ihnen streng
entgegen, als sie jedoch Willys seltsamen Aufzug sah, senkte sie schnell den
Kopf, um ihr Schmunzeln zu verbergen. „Ich ahne es schon, Willy im Himmel und Jule
in der Kleiderkammer, das konnte nicht gut gehen.“ Sie füllte einen Zettel aus
und reichte ihn Jürgen. „Was steht drauf, sag schon“, wollte Willy neugierig
wissen. „Der Zettel ist für Jule“, Jürgen ließ sich nicht erweichen. Jule
verzog das Gesicht, als sie ihn gelesen hatte. „Ha, ich bin zum Küchendienst
abkommandiert, da wollte ich eh hin“, meinte sie nur und schickte einen kleinen
Botenengel, damit er Emma holte, die nun ihren Dienst hier übernahm.
Überglücklich tauchte Erna auf. Sie besorgte Willy ein passendes Gewand, indem
er gleich ganz anders wirkte. „Was meinst du“, wendete sie sich an die zwei,
man könnte die Gewänder viel schöner machen, ein wenig Glitter am Saum, eine
kleine Rüsche hier und dort.“ Sinnend stand sie da und dachte nach. „Meins ist
völlig in Ordnung so“, meinte Willy und machte schnellstens, das er sein noch
unverziertes Kleidungsstück in Sicherheit brachte. „Die hat doch ne Meise“,
brummelte er vor sich hin, was ihm einen strafenden Blick von Jürgen
einbrachte. „Schon gut, schon gut“, lenkte er ein.
Vorbei ging es nun an Corinas Kreativstand. „Wenn du mal himmlische Grüße
senden willst, klärte Jürgen Willy auf, kannst du hier gebastelte Karten
kaufen.“ Willy ging hinein. „Was willst du hier“, fragte Jürgen verblüfft.
„Bekomm ich hier auch Danke Karten“, fragte er Corina, die herbei geeilt kam?
„Aber sicher, wir haben eine große Auswahl“, antwortete sie und legte ihm
einige Karten vor. Willy schnappte sich eine. „Reich mal nen Griffel rüber“,
forderte er. „Bitte was wünschen sie“, wollte Corina irritiert wissen? „Na so
ein Schreibgerät, ich muss mich doch bei Tabsi für das Hemd bedanken, immerhin
ist sie deswegen strafversetzt worden.“ Willy schrieb die Karte und reichte sie
Jürgen. „Schreib die Adresse drauf“, verlangte er und seufzend kam Jürgen seinem
Wunsch nach. „Ihr könnt es nicht lassen stimmts?“ „Stimmt“, grinste Willy.
Nun aber ab, in die Flugstunde. Jürgen eilte mit Willy zu Geli, die den
himmlischen Flugunterricht gab. Beide betraten ihr Büro. „Dann legen wir mal
die Flügel an“, meinte sie. Willy reichte sie ihr. Sie betrachtete sie und
brach in schallendes Gelächter aus. „Was ist das?“ „Na Flügel, oder wonach
sieht es aus“, meinte Willy leicht genervt. Wortlos drehte Geli sich um und
zeigte große weiße Flügel, dann nahm sie Willys und hielt sie daneben. Sie
waren nicht mal halb so groß. „Die hab ich bekommen“, Willy zuckte ratlos die
Schultern. Geli seufzte und befestigte sie an Willys Rücken. „So, nun beweg mal
die Schulterblätter.“
Sssssssssssssssssssssssssssss, machte es und Willy hob einige Zentimeter vom
Boden ab. „Ne, das wird nichts“, Geli musste wieder lachen.
Da trat aus dem Hintergrund des Ladens eine wunderschöne Frau auf Willy zu. Sie
hatte rabenschwarzes Haar. Sie nahm die Flügel von ihrem Rücken und hielt sie
ihm hin. Willy war sprachlos. „Das sind doch deine, Evelin, das kann ich nicht
annehmen. „Oh doch, kannst du, hier ist der Himmel und alle helfen einander,
ich leihe dir meine, bis du Neue bekommen hast. Nun nimm schon.“ „Bitte, du
darfst aber nicht zugucken, ich will mich nicht blamieren.“ „Das kann ich
verstehen“, meinte Elvira mit stillem Lächeln, ich komm sie in einer halben
Stunde abholen.“ Elviras Flügel wurden angelegt und sssssssssss hob Willy ab.
„Immer langsam“, rief Geli erschrocken, worauf Willy die Bewegung vor Schreck
abrupt einstellte und plumps auf dem Allerwertesten landete. „Das passiert
allen Anfängern“, tröstete Geli. „Auf ein Neues.“ Die halbe Übungsstunde
verging wie im Fluge. Willy bekam die Flügel abgenommen und gab sie Elvira
wieder, die gerade eintraf.
„Sicher hast du Durst“, meinte sie und begleitete Willy zur Milchbar, die von
Dirk geleitet wurde. „Guten Abend“ grüße Willy höflich und Elvira lächelte
still. Willy schmeckte sogar die Milch in ihrer Gegenwart. Danach begleitete
sie Willy zu Erna, um die Flügel umzutauschen. Willy seufzte. „Soviel bin ich
in meinem ganzen Leben nicht gelaufen“, brummelte er. „Es hilft alles nicht, du
musst noch zur Musikinstrumenten-Ausgabe“, erinnerte ihn Jürgen. Elvira
verabschiedete sich derweil.
Im Instrumenten Geschäft entdeckte Willy Antje hinter der Theke. „Oh nein“,
stöhnte er und Jürgen feixte. „Was kann ich für sie tun. Antje musterte Willy,
der sich unbehaglich wand. „Bekomme ich eine Harfe“, wollte er wissen? „Ganz
sicher nicht. Harfen sind sehr teure Instrumente und erfordern Behutsamkeit“,
erklärte sie Willy. „Gute Frau, ich bin der Behutsamsten einer“, antwortete er.
Woraufhin ihn Antje scharf anblickte und eine Geige in die Hand drückte. Willy
seufzte, da hatte er schlechte Karten. So klemmte er unter Antjes empörten
Blicken die Geige unter den Arm und schlich hinter Jürgen zum Musikunterricht.
Martina erwartete ihn schon und trommelte gelangweilt mit den Fingerspitzen auf
ihr Klavier. Dort stand ein Glas Rotwein. Willy bekam große Augen. „Bekomme ich
auch einen Schluck“, wollte er wissen? „Nicht vor der Arbeit“, bekam er zur
Antwort. „Was hast du denn da, ach ne, schon wieder eine Geige?“ „Ich wollte
eine Harfe, die habe ich nicht bekommen“, muffelte Willy. „Geh zurück zu Antje
und sag ihr, Geigen haben wir genug, sie soll die in Gottes Namen eine Harfe
geben.“ „Ich eile“. Strahlend sauste Willy los und richtete Antje Martinas
Botschaft aus. „Harfen habe ich leider keine mehr da“, entgegnete sie und
drückte ihm eine Leier in die Hand. „Was soll ich damit, bin ich etwas
Troubadix“, wollte Willy beleidigt wissen. „Nein, ganz sicher nicht, der war
schlank“ antwortete Antje und musterte ihn mit erhobenen Augenbrauen. Bedrückt
marschierte Willy zur Musikschule. Dort hing ein Zettel. CHORPROBE stand da. Willy
seufzte, womit habe ich das verdient.
Er stiefelte also zur Chorprobe, unterwegs kam er an der Engel Baby Krippe
vorbei und sah Birgitt mit den kleinen Nachwuchsengeln spielen.
Daneben saß Gabi und häkelte unermüdlich entzückende Anzüge für die kleinen
Engel.
Elfi nähte nebenan Kleider für die Engelchen, die schon lange hier weilten und
sich mit der neuen Mode nicht anfreunden konnten, die bekamen von ihr ein echt
antikes Gewand.
Plötzlich stieg ihm ein unglaublich leckerer Duft in die Nase, neugierig
schaute er in die Himmelküche und sah Jürgen, den Balou, bei der Herstellung
einer unglaublichen Torte und Romy ging ihm zur Hand.
Alle standen schon bereit als er auftauchte und Susanne stand auf dem
Dirigentenpult. Sie hob den Taktstock. „Wir singen nun das schöne Lied: Freude
schöner Götterfunken.“ Vernehmlich seufzte Willy und da es totenstill im Saal
war, blickte Susanne irritiert über den Rand ihrer Brillengläser zu ihm hin.
„Irgendwelche Einwände, junger Mann?“, fragte sie spitz und jeder der sie
kannte hätte es nicht gewagt zu Antworten, nicht so Willy. "Wie wäre es
mit Heavy Metall“, wollte er wissen. Einige Sekunden war es still, dann brach
ein Tumult los. „Ne, Pop Musik, das wärs“, verlangte Gitte. „Die Kastelruther
Spatzen“, regte Erna an.
Jule, die Fotografin, die den Auftrag hatte ein Foto vom Chor zu machen, das im
nächsten Himmlischen Boten das Titelblatt zieren sollte versuchte vergebens
sich Gehör zu verschaffen und war den Tränen nahe.
Susanne hieb immer wieder mit dem Taktstock auf das Pult ein, so was war ihr in
ihrer langen Laufbahn als himmlische Chorleiterin noch nicht passiert.
Plötzlich erfüllte ein unsagbar helles Licht den Raum und der Herr erschien.
Alle fielen anbetend auf die Knie, außer……. Richtig, Willy stand mit trotzigem
Blick und hinter dem Rücken verschränkten Armen und blickte schräg von unten
herausfordernd zum Herrn. Der war erst verblüfft, dann schritt er mit einem
milden Lächeln und mit dem Blick eines Vaters, der gerade sein nicht so
perfektes Kind liebt zu ihm und seufzte: „Ach, Willy.“
Beschämt blickte der nun zu Boden und Susanne, die wie die anderen die Szene
beobachtet hatte wischte sich eine Träne der Rührung aus den Augenwinkeln.
„Bitte vertragt euch“, forderte der Herr und wortlos nahmen alle ihre Plätze
wieder ein. Susanne gab den Ton vor und die einzelnen Stimmen setzten ein, in
das schöne Lied Freude schöner Götterfunken. Nach einer Weile fiel auch Willy
ein, erst zaghaft, doch dann aus voller Brust, was Susanne mit einem Lächeln
bemerkte. So hat die Liebe mal wieder den Trotz und Hader besiegt.
By Gitte