latha math, oder das Geheimnis von Montgammery Castle

Fast ein Jahr war vergangen, seit meine Freundin und ich die gewonnene Schottlandreise gemacht hatten. Oft hatten wir von den aufregenden Tagen geredet. Meine Freundin war nun eine reiche Frau und Gott sei es gedankt hatte sie sich nicht verändert, sondern war immer noch die lustige unternehmungslustige Jutta. Ein bisschen eingebildet, obwohl sie sich das als Schlossbesitzerin hätte leisten können.

 

„Sag mal, hast du nicht Lust auf einen Urlaub in den Highlands“, fragte sie so nebenbei. Na und ob ich hatte. Wir planten kurzerhand und schon bald sollte es losgehen. Oh Mann ich freute mich auf Cameron, Emily und Connor. Dazu wohnten wir diesmal hochherrschaftlich. Auf Montgammery Castle ließ es sich sicher fein leben. Oh und ich konnte mich mal richtig fein machen. „Was packst du denn da ein“, wollte mein Mann wissen? „Oh in einem Schloss kleidet man sich zum Abenddinner um“, klärte ich ihn auf. Er grinste nur und ließ mich gewähren. „Nimm ein Paar High Heels für Jutta mit“, riet er mir.

 

Die Zeit raste und schon war sie da unsere Urlaubsreise nach Schottland begann. Am Flughafen erwartete Cameron uns. Er hatte Emily mitgebracht und die Beiden freuten sich sehr ihren neuen Familienzuwachs wieder zu sehen.

 

In Montgammery Castle wartete schon  ein wunderbares Dinner auf uns. Nachdem wir uns frisch gemacht hatten brezelte ich mich auf, auch Jutta hatte sich in Schale geworfen, wir wollten den Abend stilgerecht begehen. Nach dem Essen setzten wir uns ins Kaminzimmer, denn die Abende in Schottland sind kühl. Emily brachte ein Fotoalbum zu Tage. Letztes Mal hatten wir ja nicht viel Zeit, aber wenn du magst werde ich dir deine Familie ein wenig näher bringen“, bot sie an. „Allerdings nur wenn deine Freundin sich nicht zu sehr langweilt.“ „Aber nein, ganz sicher nicht, ich bin gespannt auf Juttas Familie“, versicherte ich.

 

Emily holte das alte Familienalbum heraus, sie kannte sich hier ja bestens aus, war sie doch mit Aileen, Kira und Dawn hier aufgewachsen. Jutta schaute ein wenig ängstlich. „Keine Sorge“, beruhigte Emily sie, „ich zeige dir nun Bilder zu denen du schon einen Bezug hast, von uns vieren hier als Kinder.“ Beruhigt atmete Jutta aus und lächelte, aber warum nur schaute Cameron so angespannt?

 

Lächelnd schlug Emily das Buch auf und herrliche alte Aufnahmen kamen zum Vorschein. Als Jutta nun Bilder von ihrer Mutter betrachtete kamen ihr lautlos die Tränen. Das war sie also gewesen, die schöne, unglückliche Dawn. Was mochte sie, die hier so hochherrschaftlich aufgewachsen war gelitten haben in der Fremde. Behutsam streichelte Emily ihre Wange. „Sollen wir lieber aufhören, wird es dir zu viel“, wollte sie fürsorglich wissen? Tapfer schüttelte Jutta ihren Kopf. „Es geht schon“, antwortete sie tapfer und bemühte sich um ein dünnes Lächeln. Gern hätte ich die Freundin in den Arm genommen, aber ich fürchtete, dass es dann vorbei war mit ihrer mühsamen Selbstbeherrschung. Es folgten Bilder von ihrem Großvater dessen Tod wir ja im letzten Jahr miterlebt hatten und der Jutta zur Herrin von Montgammery Castle gemacht hatte. Jutta seufzte, ich konnte sie gut verstehen, es gab sicher vieles das sie ihm gerne gesagt hätte, vieles das sie gern gefragt hätte. Sie schluckte und blätterte und dann geschah es.

 

 

 

Während wir erschrocken das Bild einer wunderschönen Frau betrachteten schien es auf einmal erheblich kälter geworden zu sein in diesem Raum. Fröstelnd zuckten wir zusammen. Camerons Augen wurden groß. „Sie ist wieder da“, flüsterte er. „Wer ist wieder da“, fragte ich verständnislos?“ „Sie, Kira“, stammelte er. „Ist das etwa………..“ Er nickte, oh ja sie war einst wunderschön, aber auch gefährlich, man sagt sie habe sich mit den alten Künsten beschäftigt, alle hatten Angst vor ihr.“

 

„Warte mal, du willst uns nun nicht wirklich erzählen, dass es hier spukt? Das Kira hier spukt“, verbesserte ich mich. Wenn es jedoch ein Scherz war, dann hatten die Beiden einen Preis in Schauspielkunst verdient.  Nun war meine Neugierde endgültig geweckt. Emily und Cameron nickten bedrückt. „Kannst du nicht was machen“, wollte Jutta wissen? „Du kennst dich doch aus.“ „Na Kartenlegen hilft uns hier nicht weiter“, fand ich, allerhöchstens eine Seance.“ Jutta schüttelte sich. „Ist das nicht gefährlich?“ „Na ja, aber die einzige Möglichkeit mit Kira zu reden“, entgegnete ich. „Bitte darf ich ihr Bild noch einmal sehen?“ Emily reichte mir das Album, „aber Vorsicht, sie mag das nicht.“ Ich schlug das Buch auf und betrachtete eine dunkelhaarige wunderschöne Frau an der vor allem ihre fast schwarz erscheinenden Augen faszinierten.

 

Bum, das Buch schlug mit solcher Gewalt zu das ich mir fast die Nase geklemmt hätte. Emily und Cameron seufzten. „Nun ist sie sicher richtig wütend, weil wir eine Fremde eingeweiht haben die nicht zur Familie gehört.“ „Meine Freundin ist keine Fremde“, meinte Jutta mich verteidigen zu müssen.“ Rumps flog ein Nippes Figürchen vom Kamin. „Das gehörte Kira, sie ist sauer eindeutig“, kam es von Emily. „Also schön, sollen wir es riskieren?“ Zögernd nickte einer nach dem Anderen. „Uns bleibt wohl keine Wahl“, entgegnete Emily seufzend. „Okay, treffen wir uns hier zur blauen Stunde, gegen 20.00 Uhr“, beschloss ich. Jutta und ich zogen uns zurück.

 

„Mann ich hab tausend Fragen“, redete sie auf mich ein. „Warum warten, was machen wir so lange?“ „Uns zu schützen versuchen“, erklärte ich ihr. „Wie soll das gehen“, wollte sie wissen? „Bitte besorg Kreide und weiße Kerzen“, bat ich sie. Jutta lief erneut zu Emily und bat darum. Die schickte eines der Mädchen ins Dorf, die bald darauf mit Kreide zurückkam, Kerzen waren im Schloss vorhanden. In unserem Zimmer übte ich einen Druidenstern zu zeichnen, der Schutz gegen schwarze Magie, es war gar nicht so einfach, denn dieser sechszackige Stern muss in einem Strich gezeichnet werden ohne abzusetzen. Als ich es wieder konnte begab ich mich mit Jutta ins Kaminzimmer. Rund um den Rauchtisch zeichnete ich den Druidenstern. „Bitte achte darauf, dass nichts verwischt wird“, bat ich Jutta. Dann stellte ich vier Kerzenleuchter mit weißen Kerzen auf, in jeder Himmelrichtung einen. Da kein Witchboard vorhanden war malte ich eines auf, einen runden Kreis mit dem Alphabet und besorgte ein Glas.  Das legte ich auf den Tisch. Jutta hatte schweigend zugesehen. Als ich fertig war entzündete ich die Kerzen, bat Jutta sich neben mich zu knien und mit mir zu beten. Als erstes wendete ich mich nach Norden und den Engel des Nordens um Hilfe und Schutz für unser Vorhaben, desgleichen verfuhr ich mit den anderen Himmelsrichtungen. Danach bat ich Jutta die Anderen zu holen.

 

Schweigend nahmen Emily und Cameron am Tisch Platz. „Bereit“, fragte ich knapp, denn wohl war mir nicht zu Mute. Alle nickten zögernd. „Bitte legt eure Hände mit den Handflächen nach unten auf den Tisch und spreizt die Finger. Dann rückt so weit vor, das sich die jeweiligen Fingerspitzen berühren, so das wir einen verbundenen Kreis bilden, bitte unterbrecht den Kontakt auf keinen Fall, dann ist alles vorbei. Soll ich beginnen?“ Wieder zögerndes Nicken. „Kira, bist du hier“, stellte ich die erste Frage. Nichts geschah und langsam atmeten alle auf. „Kira, bist di hier“, fragte ich erneut, dieses mal ein wenig lauter. Wieder nichts. Emily setzte an um etwas zu sagen. Da geschah es. Das Glas rutschte auf J und dann raste es zu A. Ich glaube wir alle hatten einen kleinen erschrockenen Schrei ausgestoßen. „Kira, was willst du“, stellte ich die nächste Frage.“ Schnell glitt das Glas über das improvisierte Witchboard. RACHE lasen wir. Emilys Augen weiteten sich. „Aber Kira warum? Du bist eine von uns, wir haben dich geliebt“, meinte sie fassungslos. DAWN WURDE GELIEBT ICH NICHT lasen wir bestürzt. „Tante Kira du warst so unglaublich schön, schade, dass ich dich nicht kenne gelernt habe“, meldete sich Jutta zu Wort. Eine Weile geschah nichts. DU BIST DIE HERRIN  HIER kam es plötzlich wieder. „Ja, aber nur weil du dich umgebracht hast, ansonsten hätte Genid dir das Schloss vermacht, das hat er mir vor seinem Tode erzählt“, merkte Jutta an. Man hörte einen Ton der einem Schluchzen glich. ALLES FALSCH GEMACHT stand da. „Tante Kira, ich werde immer an dich denken“, sagte Jutta „und wie ich meine Mutter zu kennen glaube trägt auch sie dir nichts mehr nach. Bleib bei uns so lange du magst.“ „DANKE ES IST ZEIT ZU GEHEN LEB WOHL lasen wir.

 

Und was soll ich euch sagen, seither spukt es nicht mehr in Montgammery Castle.

© By Gitte